Foto: Betonkopf Media

:wumpscut – Cannibal Anthem

Rudy Ratzinger, der Mann hinter :wumpscut:, lädt ein in eine andere Welt. Mit seinem neuesten Werk “Cannibal Anthem” betreten die Hörenden, wie der Name schon vermuten lässt, eine Menschenfresserwelt. Wir sind durch die offenen Pforten gegangen und sagen Euch, was vom neuen :wumpscut: zu halten ist.

Das Leben als solches kann bisweilen recht grausam sein. Jeder hat sich mit Sicherheit schon gefragt, womit er dieses oder jenes verdient hat. Warum er/sie die grausame Strafe Gottes erdulden muss. Bei “Cannibal Anthem” lässt Rudy Ratzinger seinen Protagonisten den bisweilen perfiden Humor, der Ihr nunmal inne zu wohnen scheint, auf’s Grausamste spüren. So muss sich jener verliebte, namenlose Antiheld mit seiner grausamen, kannibalischen Natur auseinandersetzen – nur um dem Hunger zu erliegen, der Liebsten ein grauenhaftes Ende zu bereiten und schlussendlich für das unfassbare Vergreifen an fremden Fleisch gerichtet zu werden.

Es ist kein schönes Bild, dass Rudy da zeichnet – zumal einem hierzulande die Tat gewisser rothenburgischer Kannibalen noch allzu bewusst ist. Auch wenn Rudy nach eigener Aussage das Thema Kannibalismus als solches musikalisch reizvoll findet und demnach keinen Kannibalen von Rothenburg für sein Album brauchte. Vielmehr stellt er bei “Cannibal Anthem” Gottes eigenwillige (Selbst-)Gerechtigkeit in Frage. Was sich sehr anschaulich in dem Tanzflächenfüller “Jesus Antichristus” widerspiegelt. Während die einen dazu nur gepflegt abzappeln, entdecken andere hier (gemessen am Gesamtkontext des Albums) schon die ersten Anzeichen für die Agonie des Antihelden.

Bis jener jedoch dann beim abschließenden “Recht vor Gnade” seinem Ende entgegen blicken muss, erleben die Hörer:innen elf Tracks, deren musikalisches Spektrum von geschmeidig (für :wumpscut:-Verhältnisse) ruhigen Tracks (wie etwas das namengebende “Cannibal Anthem” oder “Die Liebe“) bis hin zu absoluten Tanzflächenkrachern (“Jetzt“, “Auf der Jagd“) reicht. An manchen Stellen wirkt “Cannibal Anthem” ein wenig wie eine Fortsetzung von “Evoke“, an anderen wiederrum frisch und unverbraucht. Insgesamt jedoch gemessen an früheren Werken ruhiger, getragener, beinahe sphärischer.


“Cannibal Anthem” ist ein Album geworden, das sich neben dem ausgearbeiteten, düsteren Konzept auch genügend Spielraum zum Abzappeln gelassen hat. Man kann es hören und die Welt verfluchen, man kann es hören und sich dem Thema hingeben und man kann es hören und einfach nur tanzen. So gesehen wird jeder Geschmack bedient. Ähnlich wie auch “Evoke” wird auch “Cannibal Anthem” in zwei Lager spalten – in jene, bei denen früher alles besser war und in die, die sich an einer perfiden Erzählung in nettem elektronischen Gewand erfreuen können.


Erscheinungsdatum
7. april 2006
BAND/KÜNSTLER:IN
:wumpscut:
ALBUM
Cannibal Anthem
LABEL
Betonkopf Media
Unsere Wertung
7
:wumpscut – Cannibal Anthem
FAZIT
"Cannibal Anthem" ist ein Album geworden, das sich neben dem ausgearbeiteten, düsteren Konzept auch genügend Spielraum zum Abzappeln gelassen hat. Man kann es hören und die Welt verfluchen, man kann es hören und sich dem Thema hingeben und man kann es hören und einfach nur tanzen. So gesehen wird jeder Geschmack bedient.
INHALT/KONZEPT
7.5
TEXTE
6.5
GESANG
6
PRODUKTION
7.5
UMFANG
7
GESAMTEINDRUCK
7.5
Leserwertung0 Bewertungen
0
POSITIV
Perfides, gleichwohl spannendes Konzeptalbum.
Musikalisch erstaunlich ruhig für ein Album aus diesem Genre.
NEGATIV
7
PUNKTE

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