Foto: Welle: Erdball / Patrick K.

Welle: Erdball – Engelstrompeten & Teufelsposaunen

Mittlerweile könnte man denken, das Thema „Grufti-Kapelle lässt eigene Mucke in klassische Musik transformieren“ sei hinlänglich bedient worden. Aber scheinbar zieht das Gothic meets Klassik Festival immer noch genügend Leute an (oder würde es, wäre Corona nicht in der Welt), scheinbar finden sich immer noch Bands, die ihre Mucke ummodeln (lassen), ganz gleich ob das Sinn macht oder nicht. Fairerweise muss man festhalten: Das ist manches Mal ziemlich gut gelungen. VNV Nation beispielsweise fetzt in klassischer Darreichungsform sehr, das liegt aber nicht zuletzt auch daran, dass der Musik aus dem Hause Harris ohnehin stets etwas orchestrales innewohnt. Die Musik von Covenant hingegen, bei aller Bewunderung für die Schweden, funktioniert in Klassik – zumindest für mich – null. Und so wie sich immer wieder Bands für diese besagte Festivalveranstaltung finden, so kommen immer auch wieder welche um die Ecke, die das Klassikprodukt als Tonträger zum Erwerb anbieten. So wie jüngst auch Welle: Erdball, die mit „Engelstrompeten und Teufelsposaunen“ ebenfalls auf dieser, ähem, Welle mitreiten. Ob das funktioniert, fragt Ihr? Meine Damen und Herren, ich bitte Sie – wir reden von Welle: Erdball!

Verantwortlich für das klassische Arrangement der neuen Sendung Welle: Erdballs war einmal mehr Conrad Oleak, inzwischen quasi DIE Koryphäe in Sachen Klassikmachung von Düstermucke. Ob Blutengel, VNV Nation, Mesh oder eben jetzt Welle: Erdball – der Mann versteht es einfach meisterhaft, die ihm überreichten Songs in ein Gewand für ein ganzes Orchester zu kleiden. Unter Oleaks Leitung wurde der gewohnte C64-Sound des Senders ausgetauscht und wir hören – frei aus dem Pressetext zitiert – Flöten, Oboen, Klarinetten, Fagotte, Hörner, Trompeten, Tenor-Posaunen, Bass-Posaunen, Pauken, Trommeln, Gran Cassa, Tamburin, Becken, Harfe, Violinen, Violas, Violoncelli, Kontrabässe, Gitarre und homöopathische Spuren elektronischer Synthesizer.

Foto: Welle: Erdball / Patrick K.

Und tatsächlich muss konstatiert werden: Es funktioniert überraschend gut, die Songs von Welle: Erdball in dieser Form zu hören. Das bereitet direkt gute Laune. Deutlich wird das schon im Eröffnungsstück „Funkbereit“, das so dargeboten eine über eine Größe und Tiefe – oder, sagen wir einfach, wie es ist: Epicness – verfügt, die es in gewohnter Welle: Erdball-Manier niemals erreicht hätte. „VW Käfer“ hingegen wirkt wie aus der Zeit des Wirtschaftswunders geholt, so unbeschwert und fröhlich tönt die Musik in den Äther. Selbst das vergleichsweise neue Stück „Mumien im Autokino“ macht in dieser Version eine überraschend gute Figur. Wer es etwas experimenteller mag, Klassik hin oder her, wird mit den Immergrünen „Arbeit adelt“ oder „Starfighter F-104K“ wunderbar bedient. Der Vater von Joachim von Hassel wäre sicher stolz! Und natürlich darf auch ein Schmachtfetzen nicht fehlen: „1000 Engel“ von der gleichnamigen EP fährt alles auf, was an klassisch-romantischen Pathos so möglich ist. Es klebt dabei auch ein bisschen, aber da unterscheidet es sich nicht von der gewohnten Fassung.

Wie so ziemlich alle Veröffentlichungen, in denen Szene-Bands ihre Musik für ein Orchester haben umwandeln lassen, so ist auch diese neue Sendung von Welle: Erdball ein Querschnitt durch das bisherige Schaffen. Und trotz vermeintlicher Gewöhnung ist „Engelstrompeten & Teufelsposaunen“ eine wahre, in höchstem Maße unterhaltsame Wundertüte geworden, die dazu einlädt, altbekanntes neu zu entdecken und zu erleben. Die Spaß macht – und ein bisschen Amüsement ist in diesem vermaledeiten Jahr 2020 ja wohl sehr willkommen, nicht? Alles in allem also erneut 100%, wie eigentlich nicht anders zu erwarten im Falle Welle: Erdballs.


Als mich die Kunde erreichte, dass Welle: Erdball eine Klassiksendung veröffentlichen würden, hatte ich spontan zwei Fragen im Kopf. Erstens: Muss das sein? Schließlich ist das Thema Düster-/Szenemusik in Klassik inzwischen hinreichend bedient. Zweitens: Kann das funktionieren? Frage eins kann ich immer noch nicht abschließend beantworten, wenngleich ich natürlich den Wunsch von Musiker:innen verstehe, ihre Werke einmal in dieser Form zu präsentieren. Vermutlich muss jede Hörerin und jeder Hörer für sich selbst entscheiden, ob und wann diesbezüglich die Sättigung erreicht ist. Frage zwei hingegen lässt sich sehr viel klarer beantworten: Oh aber ja doch! Diese neue Sendung von Welle: Erdball überzeugt mich so sehr viel mehr, als ich es selbst je vermutet hätte. War die Musik des Senders durch die gewählte Commodore64-Soundästhetik quasi monoton und minimal, so wirkt sie in dieser Form abwechslungsreicher, dynamischer und vor allem: irgendwie lebhafter. Es bleibt zu hoffen, dass diese Funkhaussendung auch eine entsprechende Live-Präsentation erfahren kann. Und ganz unter uns, meine Damen und Herren: sollte sich der Sender für eine weitere Sendung dieser Art entscheiden, ich wäre in diesem Fall definitiv nicht abgeneigt!


Erscheinungsdatum
20. November 2020
BAND/KÜNSTLER:IN
Welle: Erdball
ALBUM
Engelstrompeten & Teufelsposaunen
LABEL
Synthetic Symphony (SPV)
Unsere Wertung
8
Welle: Erdball – Engelstrompeten & Teufelsposaunen
FAZIT
Als mich die Kunde erreichte, dass Welle: Erdball eine Klassiksendung veröffentlichen würden, hatte ich spontan zwei Fragen im Kopf. Erstens: Muss das sein? Schließlich ist das Thema Düster-/Szenemusik in Klassik inzwischen hinreichend bedient. Zweitens: Kann das funktionieren? Frage eins kann ich immer noch nicht abschließend beantworten, wenngleich ich natürlich den Wunsch von Musiker:innen verstehe, ihre Werke einmal in dieser Form zu präsentieren. Vermutlich muss jede Hörerin und jeder Hörer für sich selbst entscheiden, ob und wann diesbezüglich die Sättigung erreicht ist. Frage zwei hingegen lässt sich sehr viel klarer beantworten: Oh aber ja doch! Diese neue Sendung von Welle: Erdball überzeugt mich so sehr viel mehr, als ich es selbst je vermutet hätte.
INHALT/KONZEPT
7.5
TEXTE
7.5
GESANG
8
PRODUKTION
9
UMFANG
7.5
GESAMTEINDRUCK
8.5
Leserwertung0 Bewertungen
0
POSITIV
Welle: Erdball in Klassik tönt dynamischer, abwechslungsreicher und lebendiger aus den Boxen als je zuvor.
Diese Umsetzung ins Klassische funktioniert so viel besser, als gedacht und vermutet.
NEGATIV
8
PUNKTE

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