Foto: Living Dead Production / CUBEsession

Adam is a Girl @ CUBEsession – eine Art Konzertbericht

Irgendwann im Verlaufe des rund einstündigen Konzerts wird Anja so etwas sagen wie: besondere Zeiten erfordern Kreativität. Das betrifft natürlich die Kulturbranche, die nicht zuletzt des Überlebens wegen immer neue Wege findet, um Konzerte stattfinden zu lassen. Seien dies Autokino- bzw. Strandkorbkonzerte oder, wie auch im Falle von Adam is a Girl, extra durchgeführte, aufgezeichnete und produzierte Konzerte für den Streaming-Genuss zuhause. Eine Welt ohne Konzerte wäre zwar möglich, aber völlig sinnlos und so ist es schön zu sehen, dass immer mehr Künstler:innen und Bands dazu übergehen, Konzerte für das Wohnzimmer zu produzieren. Enno Bunger fällt mir gerade ein, der eine Ein-Mann-Konzerttour durch die verschiedensten Social Media-Plattformen dieser Welt gemacht hat, von Twitch bis Twitter sozusagen. Oder Nick Cave, dessen Solo am Klavier demnächst auch ins Kino kommen soll(te), zumindest aber als käuflicher Mitschnitt für den Wiederholungsgenuss zuhause verfügbar gemacht werden wird. Und es gibt die von René Junge und seiner Unternehmung Living Dead Production in Leben gerufenen CUBEsessions. Es sind dies professionell durchgeführte Konzerte mit schicker Lichtshow und allem was dazu gehört, gefilmt und aufgenommen in der Hamburger Markthalle – für konzert- und tanzfreudige Finsterlinge förmlich eine Institution. Die nun dank Corona genauso brach liegt wie der Rest der Branche. Im Rahmen dieser besagten CUBEsession waren bzw. sind unter anderem Rotersand, Sono oder Solar Fake zu sehen – und eben auch Adam is a Girl, die in diesem Jahr mit „Now or Never“ eines der schönsten Pop-Alben des Jahres vorgelegt haben. Besondere Zeiten erfordern kreative Lösungen, da hat Anja schon ganz Recht – daher ist dies hier quasi AVALOSTs erster „Konzertbericht“ zu einem Streaming-Konzert.

Foto: Living Dead Production / CUBEsession

Der Vorteil an so einem Streaming-Konzert ist ja: ich muss nicht durch die Gegend gurken, ich muss nicht darauf hoffen dass sich auf dem Weg zur Spielstätte nicht noch womöglich ein Stau auftut oder ich ewige Bonusrunden auf der Suche nach einem Parkplatz drehe. Ich kann einschalten, wann ich Zeit und Lust dafür habe. Die Premiere für die CUBEsession von Anja, Alex und Sunil war für Freitag, den 13. November 2020 um 19 Uhr angesetzt. Und um dem Konzertgefühl so nahe wie möglich zu kommen, saß ich natürlich pünktlich um 19 Uhr vor dem Bildschirm, schön mit einem Pülleken Bier in der Hand und erfreute mich an der Vorstellung, dass es überall dort, wo Adam is a Girl ihre Fans haben, ebendiese genau in diesem Moment etwas ähnliches taten.

Während des Intros „Before We Drown“ enterten die drei Musiker:innen die Bühne – jeweils mit ordnungsgemäßem und der Situation geschuldeten Abstand zueinander, nahmen ihre Positionen an ihren Instrumenten ein (Sunil an der Gitarre, Alex am Schlagzeug und Anja am Mikrofon und Keyboard) und ließen mit „Mercy Of The Waves“ die (Watch-)Party starten. Ich hatte es in meiner Review zum Album schon orakelt und tatsächlich: „Mercy of the Waves“ ist ein idealer Einstand in ein Konzert. Es fällt nicht schwer sich vorzustellen, wie sich ein gut gelauntes Publikum schon direkt zum Start in Tanzbewegung versetzt. Und das Trio schien auch richtig Bock gehabt zu haben auf diesen Gig, bei dem nur ein paar Techniker:innen und die Kameras zugegen waren. Wenn es Adam is a Girl komisch vorgekommen sein sollte, sich das Publikum nur vorzustellen, für das sie hier spielten – sie konnten das meines Erachtens ziemlich gut kaschieren. Im Verlaufe des Konzerts lag der Fokus natürlich auf Songs des aktuellen Albums, aber auch ein paar Klassiker des Debüts „Of Daydreams And Nightmares“ waren zu hören sowie natürlich auch die Nummer, mit denen ihnen in der Düsterszene die Aufmerksamkeitserregung gelang: „Soldier“. Ganz toll: Songs wie „Your Silence“ wurden in einer scheinbar speziell für das Konzert umarrangierten Version gespielt und sind dabei so gut geraten, dass sie nach einer Veröffentlichung schreien!

Foto: Living Dead Production / CUBEsession

Insgesamt bleibt mir nur festzuhalten, dass dieses speziell für Zuhause produzierte Konzert sehr gut funktioniert – und unheimlich viel Spaß macht! Das liegt natürlich an den tollen Songs von Adam is a Girl, die im Bereich Pop-Musik zum Besten gehören, was man sich in die Gehörgänge schieben kann. Das liegt an der Spielfreude des Trios denen es scheinbar gut getan hat, vor allem die neuen Songs wenigstens auf diese Weise „live“ zu präsentieren, so lange „richtige“ Konzerte nicht möglich sind. Und es liegt an der großartigen Produktion. Tolle Bildqualität und ein wunderbar klarer Sound, tolle Lichtshow – das tröstet schon darüber hinweg, dass man bei diesem Konzert nur virtuell in der ersten Reihe steht und mitsingt und mitschunkelt.

Foto: Living Dead Production / CUBEsession

Vielleicht werden wir hier gerade Zeuge einer neuen Gattung von Konzerten. Sicherlich: Konzertmitschnitte, auch filmische, gibt es seit ungefähr immer. Es ist aber schon ein Unterschied, ob bei einem Konzert vor echtem Publikum Kameras zugegen sind oder ob ein Konzert ausschließlich für den Genuss und Konsum zuhause produziert wird. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Streaming-Konzerte auch nach Corona stattfinden – und sei es, all jenen den Besuch einer aktuellen Tour zu ermöglichen, die andernfalls aus diesem oder jenem Grund nicht an einem Konzert teilnehmen können. Streaming-Konzerte sind kein Ersatz für das Gefühl, an einem echten Konzert teilzunehmen und mit all den anderen Gästen in die Musik einzutauchen – aber es ist in meinen Augen eine durchaus gleichberechtigte Form der musikalischen Darbietung. Vor allem, wenn sie so gelungen ist wie dieses Konzert von Adam is a Girl bzw. die CUBEsessions allgemein. Ich ziehe meinen Hut und bedanke mich bei allen Beteiligten dafür, dass sie in diesen behämmerten Zeiten weiterhin für uns Musikliebhaber:innen da sind.

Foto: Living Dead Production / CUBEsession

Adam is a Girls CUBEsession ist noch ein paar Tage bei Vimeo zu sehen, der Preis liegt bei 19 Euro und geht komplett an die Crew von Living Dead bzw. der Markthalle. Hier geht es zum Einlass:

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