Foto: Naughty Dog / Sony Computer Entertainment Europe

Uncharted: Drakes Schicksal

So richtige Must-Have Titel hat ja Sonys aktuelles Konsolenflagschiff, die Playstation 3, bislang noch nicht vorzuweisen gehabt. Viele Top-Titel haben oftmals auch den Weg zur Konkurrenz gefunden und gefielen da auch einstweilen besser. Gegen Ende des letzten Jahres präsentierte das Entwicklerstudio Naughty Dog mit Uncharted: Drakes Schicksal den ersten echten Knaller. Aber was für einen?

Grabräuber

Die Rahmenhandlung erinnert ein wenig an das große Vorbild Indiana Jones und ist schnell erzählt: Der Schatzjäger Nathan Drake, der sich selbst quasi als Nachfahre des legendären Sir Francis Drake hält (jaja, jener welcher mit dem Gold von El Dorado und so weiter…), bekommt von einem Fernsehsender eine Expedition nach Panama spendiert. Begleitet wird er dabei von seinem Sidekick und der Fernsehmoderatorin Elena Fisher. Alles ist eitel Sonnenschein, man wird fündig und fischt das Grab des Sir Francis aus dem Wasser. Und da fangen die Probleme – und die Handlung des Spiels – an, denn in dem Sarkophag befindet sich der langersehnte Hinweis auf den bereits erwähnten Schatz. Dumm nur, dass andere, weniger freundliche Zeitgenossen ebenfalls Wind von der Sache bekommen haben. Und schneller als man es sich versieht befindet sich der Spieler auf einer reichlich adrenalintreibenden, bleihaltigen Reise durch den Dschungel.

Naughty Dog / Sony Computer Entertainment Europe

Soviel dazu. Fürchterlich spektakulär tönt das zunächst nicht und auch den Blumentopf für die ausgefallenste Hintergrundgeschichte geht an andere Entwickler. Dennoch: mag die Handlung auch altbacken wirken, die Präsentation selbiger ist es nicht.

Lauf Nate, spring Nate, schieß Nate

Uncharted: Drakes Schicksal ist ein waschechtes Third-Person Action-Adventure – mit klarem Schwerpunkt auf Action. Ähnlich wie bei seinen Genrekolleg:innen Lara oder Indy darf Nate neben der obligatorischen Ballerei mit massig Piratenpack auch dann und wann mal wenigstens ansatzweise eventuell vorhandenes Gehirnschmalz einsetzen. Jedoch: Die Rätsel, wenn man sie denn so nennen mag, beschränken sich bis auf sehr wenige Ausnahmen auf Hüpf- und Klettereinlagen und sollten niemanden vor größere Probleme stellen, der es schafft, sich selbstständig die Schuhe zu binden. Das Ziel ist nahezu immer klar vor Augen, der Weg dahin jedes Mal offensichtlich. Passiert es aber doch mal, dass man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht reicht es hin, Nate einen Moment planlos in der Gegend rumstehen zu lassen. Alsbald darf man via Knöppchen drücken eine Hilfestellung abholen. Merke: Wer eher auf Rätseleinlagen steht, sollte eventuell eher bei den Genrekollegen vorbeischauen.

Naughty Dog / Sony Computer Entertainment Europe

Dann und wann passiert es auch, dass Nate am Steuer/an der Bordkanone diverser fahrbarer Untersätze Platznehmen darf. So heizt man beispielsweise mit Elena am Steuer durch das Unterholz, während Nate in der quasi selbstlaufenden Sequenz Verfolger pulverisiert. Aber auch mit einem Jet-Ski darf durch Kanäle gedüst werden. Das lockert das ewige Hüpfen und Ballern auf sehr angenehme Art und Weise auf.

Alles schön bunt hier

Grafisch spielt Uncharted derzeit ganz oben in der Liga der PS3-Top-Titel mit. Neben den hübsch gestalteten Dschungelwelten, beeindruckenden, jahrhundertealten Ruinen und überhaupt sehr schicken Schauplätzen (Stichwort: Deutsches U-Boot aus dem zweiten Weltkrieg mitten im Dschungel) gefallen vor allem die Licht- und Schattenspielereien – und die butterweichen Animationen der Charaktere. Mögen die Figürchen prinzipiell eher leicht cartoonhaft daherkommen – die Bewegungen sowie die Mimik und Gestik in den via Ingame-Technik erzählten Zwischensequenzen überzeugen auf ganzer Linie. Zusammen mit der gelungenen, professionellen Synchronisation und einem Gameplay, das sich nur wenig Leerlauf erlaubt entsteht sehr bald eine Art “Mittendrin statt nur dabei”-Gefühl. Drakes Schicksal ist wie ein guter, unterhaltsamer Abenteuerfilm – nur dass man hier selbst den Daumen am Knopp hat. Dabei muss man es Naughty Dog hoch anrechnen, dass eben genau dieses Knöppedrücken dank butterweicher, gleichwohl exakt reagierender Steuerung quasi wie von selbst funktioniert.

Naughty Dog / Sony Computer Entertainment Europe

Nun ist aber auch bei Uncharted nicht alles Gold, was glänzt. Etwas mehr Hirnschmalz hätte man den Spielenden schon abverlangen können. Der glatte Durchmarsch durch die Kapitel wird einzig und alleine durch die albern hohe Anzahl an Gegnern gebremst. Bei den Mengen an Widersachern, die Nate im Laufe des Spiels über den Jordan befördert wundert es, dass nicht in irgendeiner Bildschirmecke ein Killcounter eingeblendet wird. Im Zusammenspiel mit der ewigen Munitionsknappheit und dem damit einhergehenden Bedarf an neuem Mordwerkzeug mitten im Schusswechsel ist man spätestens ab der Hälfte der eh nicht allzu langen Spielzeit leicht gereizt, sobald der nächste Kamerad darum bettelt, über den Haufen geballert zu werden. Riecht ein wenig nach künstlicher Spielzeitverlängerung. Und auch über die in manchen Situationen aufgezwungene, starre Kameraperspektive könnte man sich aufregen, da sie nicht immer den optimalen Überblick gewährt – cineastisches Feeling hin oder her.

Trotz der Kritikpunkte, die man bei Uncharted durchaus und gerechtfertigt anbringen könnte ändert es nichts daran, dass wir es hier mit einem ziemlich erstklassigen Action-Abenteuer zu tun haben. Naughty Dog liefert hier ein sehr stimmiges Erlebnis ab, dass sich PS3-Besitzer:innen mit einer Neigung für actionlastige Unterhaltung nicht entgehen lassen sollten. Nicht zuletzt, weil man derzeit in Sachen Exklusivtitel keine wirklichen Alternativen hat.

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