Foto: Roman Jasiek / AVALOST / Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz

Im Test: WeSC On-Ear-Kopfhörer

Für gewöhnlich setze ich mich an dieser Stelle lediglich mit der Musik auseinander, die mich tagein, tagaus erreicht. Warum denn nicht aber auch mal über die Gerätschaften berichten, mittels derer die Musik dem Ohr zugeführt sind? Dachte man sich auch bei der für WeSC (ausgeschrieben: WeAretheSuperlativeConspiracy) zuständigen Promotion-Agentur und ließ mir ein Exemplar der nagelneuen On-Ear Headphones zu Testzwecken zukommen. Warum auch nicht; intensiver als über Kopfhörer lässt sich Musik meist kaum erleben. Nachfolgend meine Erlebnisse mit diesen Kopfhörern.

WeSC wurde 1999 in Stockholm, Schweden gegründet und konnte sich eigenen Aussagen nach dort schnell als populäre Lifestylemarke für Mode und Accessoires in der dortigen Jugendkultur, speziell in Skatebord-Kreisen, etablieren. Ob dem so ist, vermag ich nicht zu sagen. Was ich Euch aber sagen kann, ist folgendes: WeSC ist seit dem 1. Oktober 2020 weltweit (wieder) mit einer neuen Kollektion an Kopfhörern am Start und möchte sich hier als Trendsetter positionieren. Mutiges Unterfangen in einem Segment, der meiner Wahrnehmung nach von Beats bzw. Apple dominiert wird. Aber ok, Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft und nicht jede/r ist mit einem iPhone unterwegs. Der CEO von WeSC, Joseph Janus, wird jedenfalls zum Start der neuen Kopfhörer wie folgt zitiert: „Wir haben auf die richtige Zeit und den passenden Partner gewartet, um wieder mit Kopfhörern durchzustarten. Die Partnerschaft kommt zu einem perfekten Zeitpunkt: Drahtlose Kommunikationsmittel erleben ein wahres Wachstum und die Verbraucher:innen suchen nach vertrauenswürdigen Marken, bei denen Mode und Funktion aufeinander treffen.“

Die Partnerschaft, die Janus hier erwähnt, bezieht sich übrigens auf die Zusammenarbeit von WeSC mit Telecom Lifestyle Fashion aus den Niederlanden. TLF ist verantwortlich für Design, Entwicklung, Herstellung und Vertrieb der neuen Kopfhörer. Mit anderen Worten: WeSC stellt Namen und Logo, alles weitere liegt in den Händen von TLF.

Die neue Kollektion besteht aus den WeSC True Wireless Earbuds (quasi In-Ohr-Kopfhörer nebst entsprechender Ladeschale, gewisse Ähnlichkeiten zu den AirPods aus dem Hause Apple sind nicht zu übersehen) in den Farben schwarz, navy (blau) und pink. Außerdem werden kabelgebundene In-Ohr-Kopfhörer angeboten, die allerdings lediglich in weiß. Und dann sind da die besagten On-Ear-Kopfhörer, ebenfalls in navy in pink erhältlich. Ich hatte tatsächlich die Wahl, welchen dieser Kopfhörer ich zum Testen zur Verfügung gestellt bekommen möchte und entschied mich für die On-Ear-Variante, Farbe war mir egal. Es wurden die blauen.

Die Verpackung ist schlicht, aber gefällig, allerdings kommt es auf den Inhalt an. / Foto: Roman Jasiek / AVALOST / Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz

Nachdem ich also das Paket in Empfang genommen hatte, war ich zunächst ganz angetan von der schlichten, aber durchaus gefälligen Verpackung. Neben den erstaunlich leichten Kopfhörern befanden sich eine Kurzanleitung, ein Micro-USB-Kabel, ein 3,5 mm Klinke-Kabel sowie eine Stofftasche zur Aufbewahrung bzw. zum Transport der Kopfhörer in dem Karton. Allerdings geht es ja nicht um die Verpackung, sondern um die Funktionen.

Die Kopplung via Bluetooth (Version 4.2) erfolgte an meinen Testgeräten kurz und problemlos. Es waren dies ein iMac und ein iPhone; beim Mac kam zusätzlich zu Vergleichszwecken auch das Klinke-Kabel zum Einsatz. Schon nach wenigen Sekunden sind die Kopfhörer gekoppelt und betriebsbereit, zumal sie im Auslieferzustand bereits ein bisschen vorgeladen sind. Der Hersteller gibt eine Gesamtnutzungsdauer von 7 – 9 Stunden an, bei reiner Verwendung der Telefonfunktion sogar bis zu 11 Stunden. So lange habe ich damit nicht telefoniert, die Musikwiedergabe kommt aber hin. Die Bedienung der Kopfhörer mit seinen gerade mal 3 Knöpfen ist ebenfalls schnell verinnerlicht und durchaus überzeugend, die Kopfbügel lassen sich wie üblich in der Größe anpassen. Haptik und Tragekomfort würde ich aufgrund der verwendeten Materialien und des geringen Gewichts wegen durchaus als angenehm bewerten.

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Aber! Schon nachdem ich die Kopfhörer sowohl mit dem Mac als auch mit dem iPhone gekoppelt hatte, setzte ein permanentes Rauschen ein. Nicht übermäßig laut, aber eben doch wahrnehmbar genug, um mich zu stören. Bei Verwendung des mitgelieferten Klinke-Kabels war der Effekt deutlich weniger, ja sogar nur noch kaum wahrnehmbar, aber Bluetooth-Kopfhörer sollten ihrer Natur nach wohl kaum mit Kabel verwendet werden. Und Rauschen möchte ich bei Kopfhörern einfach nicht haben. Das sorgte für die erste Ernüchterung. Die zweite folgte bei der Musikwiedergabe. Der Sound, der mir aus dem Gerät in die Gehörgänge geblasen wurde, ist mit sehr basslastig, sehr dumpf und sehr unausgewogen ganz gut umschrieben. Kaum Dynamik, dafür gerade bei Stimmen wirklich schlimme Ergebnisse. Ich habe mich für diesen Test durch einige aktuelle Alben gehört.

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Meine derzeitige klangliche Referenz, „Tiny Missing Fragments“ von Diorama, macht mit diesen Kopfhörern absolut keinen Spaß. Es klingt, als würde man das Album in einer mit Wasser gefüllten Wanne hören, den Kopf untergetaucht und das Ohr an den Wannenrand gepresst. Nicht schön. Das kommende Album von Kylie Minogue, „Disco“, hingegen war gut hörbar. Was allerdings eher für eine auf maximale Lautstärke gepimpte Produktion spricht als für die Klangqualität der Kopfhörer. Billie Eilish war wieder gut hörbar, Pink Floyd endete hingegen erneut in dumpfen Gebrubbel. Denkbar, dass die Kopfhörer, die vermutlich auch eher ein jüngeres Publikum ansprechen sollen (nicht zuletzt des Preises wegen) auch klanglich auf die Musik optimiert wurden, die eher ein jüngeres Publikum anspricht. Im direkten Vergleich mit den ähnlich gelagerten Beats EP-Kopfhörern, die ich dafür herangezogen habe, muss ich sagen: Das Konkurrenzprodukt aus dem Hause Apple hat, obwohl auch eher basslastig, den deutlich differenzierteren und angenehmeren Klang. Und rauscht nicht. Fairerweise muss hier aber auch dazu gesagt werden: WeSC möchte für die Kopfhörer 50 – 60 Euro, Apple ganz bequem das doppelte. Apropos bequem: Hinsichtlich des Tragekomforts bei längerer Tragedauer empfand ich die WeSC-Kopfhörer angenehmer als das Vergleichsprodukt.

Der Autor dieses Artikels ist vom gebotenen Klang – also der Kernkompetenz eines Kopfhörers – ganz offensichtlich weder überzeugt noch begeistert. / Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Die Sprachqualität beim Telefonieren ging für mich in Ordnung, allerdings stelle ich persönlich hier auch keine großen Ansprüche. Wenn ich meine Gesprächspartner:in am anderen Ende der Leitung verstehen kann, bin ich schon zufrieden. Da muss es wirklich kein High End sein. Auch die Geräuschunterdrückung bei Verwendung beim Spazierengehen war ok – was allerdings durchaus auch dem Umstand geschuldet war, dass die Kopfhörer mein Ohr nahezu komplett überdeckten und die Ausrichtung des Klangs wie erwähnt auf kräftige Bässe liegt. Damit ist es nicht schwer, den normalen Straßenlärm zu übertönen.

Zum Vergleich herangezogen: Die Beats EP-Kopfhörer (in rot) von Apple. Deutlich besserer Klang, dafür bei längerer Nutzung unangenehmer zu tragen und ungefähr doppelt so teuer. / Foto: Roman Jasiek / AVALOST / Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz

Insgesamt würde ich als Fazit festhalten: Wer musikalisch im überproduzierten Mainstream unterwegs ist und nach kabellosen On-Ear-Kopfhörern ist, die auch zum Telefonieren taugen, angenehm zu tragen und gut verarbeitet sind, dabei aber nicht übermäßig viel Geld investieren kann oder möchte, kann sich mit den On-Ear Headphones von WeSC durchaus mal näher beschäftigen. Da Klang aber ein sehr subjektives Empfinden ist, rate ich dennoch in jedem Fall zu einem Probehören in einem Geschäft, sobald sich das ohne Corona-Risiko wieder umsetzen lässt. Allen anderen aber, die vor allem Wert auf einen guten, ausgewogenen Klang legen, wo nicht maximaler Bassdruck im Vordergrund steht, rate ich, sich anderweitig umzuschauen.

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