Foto: Zynic

Zynic – Blindsided

An großartigen Alben aus dem Synthiepop-Sektor mangelt es in diesem Jahr wirklich nicht. So ziemlich jede Band von Rang und Namen hat entweder schon veröffentlicht oder ein Album steht bereits in den Startlöchern. Braucht es da also noch ein weiteres? Noch dazu eines, wo kein ach so bekannter Name drangeschrieben steht? Oh aber ja doch. Zum einen, weil es nie genug Synthiepop geben kann. Und zum anderen, weil kleinere/unbekanntere Bands hier antreten können um zu beweisen, dass sie es genauso gut drauf haben. Zudem: Auch wenn die stärksten Alben dieses Genres für gewöhnlich aus Schweden oder England kommen, sollte man künftig auch wieder hellhörig werden, wenn entsprechende Mucke aus unserem Ländle angerollt kommt. Das jüngst veröffentlichte Zynic-Album “Blindsided” ist der Grund für all das.

Kurzer Ausflug in die Biografie Zynics. Gegründet wurde das Projekt im Jahre des Herrn 2008 von H.P. Siemandel mit der Vorgabe, den Wave- und Synthie-Sound der 80er Jahre zu entstauben und in die Gegenwart zu verlagern. Als Inspiration dienten natürlich, wie könnte es anders sein, Depeche Mode und Kraftwerk, Yazoo und OMD. Künstler, von denen wir entweder als Band oder aber durch deren Mitglieder in diesem Jahr ebenfalls mit Mucke versorgt worden sind. Kann sich Zynic also mit seinem neuen Album neben all diesen Größen behaupten? Kurze Frage, kurze Antwort: jepp. Und wie!

Bindsided” ist der Nachfolger zum beachteten und beachtlichen Debüt “Fire Walk With Me“, das 2011erschien. Inhaltlicher Dreh- und Angelpunkt des Albums ist die böse Überraschung, die sich immer dann in die Tages- und/oder Lebensplanung einschleicht, wenn man sie am allerwenigsten gebrauchen kann. Dieser Moment, der alles verändert, was bis dato gültig war und den Zwang mitbringt, sich entweder mit der neuen Situation abzufinden – oder eben daran zu zerbrechen. Dass Musiker Erfahrungen in ihren Songs verarbeiten, ist nichts ungewöhnliches. Wie man einer Facebookmeldung Zynics entnehmen kann, handelt es sich bei “Blindsided” um ein sehr persönliches Werk seines Schöpfers. Die Arbeit an diesem Album habe ihm durch schwere Zeiten geholfen.

Wenn Ihr in die 10 gefühlvollen Songs, irgendwo angesiedelt im Spannungsfeld zwischen Electro-, Synthpop und Wave und teilweise tatsächlich angereichert mit dem musikalischen Zeitgeist der 80er, abtaucht, könnt Ihr die Texte selbst interpretieren. Aufgabe soll es hier nicht sein, sie bis ins Kleinste zu zerfriemeln. Spannender ist die Erkenntnis, dass es Zynic mit dem 2. Album geschafft hat, sich in die gleiche Liga wie die seiner Inspirationsquellen zu schießen. Belege? Bitte: die melancholische, schwere Ballade “Never Enough“, mit der das Album zu einem höchst genialen Abschluss gebracht wird, braucht sich hinter “Hide And Seek” eines Howard Jones nicht zu verstecken. Von der Nachhaltigkeit her würde ich hier sogar noch Ultravox‘ “Vienna” als Vergleich in den Raum stellen wollen. Des Weiteren: die schicke Coverversion des Don Henley CoversThe Boys Of Summer“. Sicherlich, nicht das erste Mal, dass dieser (und mein persönlich liebster) Hit der 80er Jahre neu interpretiert wurde. Der Geist des Originals wurde gut eingefangen, kommt aber natürlich hier mit etwas mehr Tempo und Schmackes daher. Einzig die dezente Textabweichung will sich mir nicht erschließen: musste es nun wirklich “DEVO sticker” anstelle des althergebrachten “deadhead sticker” am Cadillac sein? Oder ist das gar eine Marotte der diesen Song covernden Künstler? Die Ataris machten seinerzeit auch “black flag sticker” daraus. Worauf ich mit dieser Erbsenzählerei hinaus will: ich bin bei Coverversionen dieses Songs sehr argwöhnich. In diesem Fall mit dem Ergebnis aber sehr zufrieden!

Bemerkenswert auch das clubtaugliche “Dead End“, das nicht nur wegen seiner eingängigen Melodien und seines Potentials, für Bewegung auf der Tanzfläche zu sorgen, in Erinnerung bleiben wird. Sondern auch wegen seines makaberen Textes. Um noch ein allerletztes Beispiel zu bringen: “Only Human“, eine mächtige Verbeugung vor dem zeitlosen Sound der OMD. Apropos Sound: luftig und dynamisch wirkt er und das durchgängig. Eventuell mag das an der Produktion durch Olaf Wollschläger liegen, der beispielsweise auch beim letzten Mesh-Album als Produzent tätig war. Allerdings nützt auch die tollste Produktion nüscht, wenn es stimmlich nicht passt. Aber auch an dieser Stelle kann ich sagen: jepp, das passt so.

Doch, doch, hier war ein Könner am Werk, der mit “Blindsided” nicht nur eines der stärksten Synthiepop-Alben des Jahres 2013 herausgebracht hat, sondern überdies auch wieder ins Bewusstsein zurückruft, dass es eben nicht nur die Schweden oder die Briten sind, die die Fahne hochhalten. Danke dafür!


Das Rad erfindet Zynic mit “Blindsided” nicht neu. Muss auch nicht sein, solange aus bekannten und vor allem bewährten Zutaten ein hübsches Ergebnis gestrickt wird. Und genau das ist bei “Blindsided” der Fall. Die Lobhuddeleien, mit denen Zynic schon beim Debüt bedacht wurde, sind mehr als gerechtfertigt. Die Vergleiche mit den vermeintlich “Großen” des Synthiepops ebenfalls. “My Personal Kryptonite”, ein Song des Vorgängeralbums, ist schon recht prophetisch: Hier kann man nur schwach werden.


Erscheinungsdatum
24. Mai 2013
BAND/KÜNSTLER:IN
Zynic
ALBUM
Blindsided
LABEL
conzoom Records
Unsere Wertung
7.8
Zynic – Blindsided
FAZIT
Das Rad erfindet Zynic mit "Blindsided" nicht neu. Muss auch nicht sein, solange aus bekannten und vor allem bewährten Zutaten ein hübsches Ergebnis gestrickt wird. Und genau das ist bei "Blindsided" der Fall. Die Lobhuddeleien, mit denen Zynic schon beim Debüt bedacht wurde, sind mehr als gerechtfertigt. Die Vergleiche mit den vermeintlich "Großen" des Synthiepops ebenfalls. "My Personal Kryptonite", ein Song des Vorgängeralbums, ist schon recht prophetisch: Hier kann man nur schwach werden.
INHALT/KONZEPT
7.5
TEXTE
7.5
GESANG
8
PRODUKTION
8
UMFANG
7.5
GESAMTEINDRUCK
8
Leserwertung0 Bewertungen
0
POSITIV
Ein sehr gelungenes Synth-Pop-Album, das nicht nur ausgewiesene Genre-Fans überzeugen dürfte.
Gut produziert braucht es den Vergleich zu Genre-Größen nicht zu scheuen.
NEGATIV
7.8
PUNKTE
Herausgeber

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INHALT/KONZEPT
TEXTE
GESANG
PRODUKTION
UMFANG
GESAMTEINDRUCK
Finale Bewertung

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