Foto: Michael Kanzler / AVALOST

Konzertbericht: Covenant, Aesthetic Perfection & Welle: Erdball am 15. September 2013 im Musikzentrum, Hannover

Nach den tollen Konzerten auf dem E-Tropolis Festival sowie später am Vorabend des Amphi Festivals, noch dazu mit einem so guten neuen Album in der Tasche, lag es nur nahe, den Herren von Covenant bei ihrem Gastspiel im Hannoveraner Musikzentrum beizuwohnen. Am Abend des 15. September machte das Trio im Rahmen ihrer “Leaving Babylon Club Tour” hier Station, begleitet von Aesthetic Perfection. Eine AVALOST-Reisegruppe machte sich auf den Weg ins ferne Hannover, um diesem Spektakel beizuwohnen. Noch dazu, wo das Hannoveraner Publikum ein hübsches Extra oben drauf spendiert bekamen: Welle: Erdball! Genug der Vorrede, es folgt unser Bericht aus Hannover.

Über die A2 zu gurken, ist und bleibt kein sonderlich großes Vergnügen. Selbst, wenn man an einem fortgeschrittenen Sonntagnachmittag von Wolfsburg aus Richtung Hannover düst, hat man mit Stau zu tun. Wie sich auch an diesem Tag zeigte. Frühzeitige Abfahrt sichert nicht nur beste Plätze, sondern überdies auch rechtzeitiges Ankommen trotz stockenden Verkehrs. So verhielt es sich bei uns. Irgendwann gegen 19 Uhr erreichten wir das Gelände des Musikzentrums. Der Einlass war auch für 19 Uhr angesetzt – perfekt, alles richtig gemacht. Interessant zu beobachten waren die vergleichsweise hohen Sicherheitsvorkehrungen: Bereits etwa 100m vor dem eigentlich Eingang war schon der erste Sicherheitsmann postiert, um eine erste Taschenkontrolle durchzuführen. Beim Einlass selbst folgte die nächste. Immer und immer wieder, auch wenn man den Salon nur zum Konsum einer Kippe verließ. Guckt man sich aber an, wie klein das Musikzentrum ist und dass sich zwischen Bühne und Publikum kein wie auch immer gearteter Graben befindet, ist das wenig überraschend. Lieber einmal mehr gucken, als das irgendein Vollpfosten irgendwas Richtung Bühne wirft und allen Anwesenden den Abend vermasselt. Wir nutzten die verbliebene Stunde bis zum Anpfiff für Schnack mit alten Bekannten, einer Tasse Zaubertrank Pilsener Machart und Herumgealbere auf dem Hof. Pünktlich um 20 Uhr fanden wir uns vor der Bühne ein, um der ersten Band des Abends beizuwohnen: Welle: Erdball.

Foto: Michael Kanzler / AVALOST

Warum überhaupt Welle: Erdball? Offizieller Toursupport sind sie doch nicht? Ja richtig. Aber da es kurz vor dem Amphi Festival im Juli zum unrühmlichen Ausscheiden von Frl. Plastique kam, befinden sich HoneyALF und Frl. Venus etwas unter Zugzwang. Hintergrund ihres ziemlich spontanen Auftritts hier und heute war das Testen einer Kandidatin, die sich (neben 80 weiteren, wie wir später von Honey erfuhren) um die Rolle als neue Welle-Moderatorin beworben hatte. Etwa vierzig Minuten dauerte das Set von Welle: Erdball, für das sie übrigens keine Gage oder ähnliches erhielten. Wir finden es nach wie vor ziemlich prima, dass die Veranstalter für die Moderatorinnensuche etwas Zeit für Welle: Erdball freigeschaufelt und ihnen die Bühne zur Verfügung gestellt haben. Gerade an einem Sonntag, an dem Time bekanntlich eh like a bullet ist, keine Selbstverständlichkeit. Der Aspirantin des Abends, einer junge Dame namens Tora, galt selbstverständlich dann auch die größte Aufmerksamkeit des Publikums. Oh und wie nervös wie sie war, aber wer wollte ihr das verdenken? Honey erzählte uns später, dass die Dame erst vor wenigen Wochen das erste Mal überhaupt vor ein Mikrofon getreten war. Gerade anfangs wirkte sie noch sehr wie ein verunsichertes Reh, das von den Scheinwerfern eines heranrauschenden LKWs erfasst wird. Gleich das zweite Lied, “Liebe der 3. Art“, war dann auch ihr erster großer Auftritt. Der leider etwas nach hinten los ging, da sie zwischendurch einen Blackout erlitten und den Text vergessen hatte. Aber hey, das passiert selbst gestandenen Künstlern noch. Die Souveränität, damit umzugehen, kommt ggf. mit wachsender Erfahrung, sollte Tora den Job bekommen. Schön zu beobachten war auch, dass die junge Dame immer wieder Schützenhilfe von Frl. Venus bekam. Bei ihrem zweiten Solo-Auftritt, “Poupée de Cire“, lieferte Toradann jedoch einen überzeugenden Auftritt. Und das bei dem wesentlich schwierigeren, weil französischen Text! Ob die Dame den Job bekommt, ist noch ungewiss. Zum Zeitpunkt des Konzertes war sie erst die zweite Kandidatin, die der Live-Probe unterzogen wurde. Wie gesagt: etwa 80 Bewerbungen sind bei Welle: Erdball eingangen, 10 davon haben es in die engere Auswahl geschafft und werden nun nach und nach dieser Form des Castings unterzogen. Es bleibt spannend! Für uns war es eine tolle Angelegenheit, zumal sie ohne irgendwelche Mehrkosten “spendiert” wurde. Einzig ein Hinweis sei in Richtung Welle: Erdball gestattet: Frl. Plastique hat schon Recht, wenn sie auf ihrer Facebook-Seite kommentiert, dass sie lieber die blonde Perücke weggelassen hätte. Dem können wir nur beipflichten. Die Ära Frl. Plastique war gut, wie sie war, aber sie ist vorbei. Welle: Erdball täten gut daran, die Kandidatinnen nicht in Schuhen laufen zu lassen, die einfach noch nicht passen können.

Foto: Michael Kanzler / AVALOST

Nach Welle: Erdball gönnten wir uns ein bisschen frische Luft. Das wirklich kleine Musikzentrum war schon zu diesem Zeitpunkt sehr gut beheizt. Hier braucht es grundsätzlich schon nicht viele Leute, um die Hütte zu wärmen, an diesem Abend jedoch war die Bude ausverkauft. Ihr könnt Euch vorstellen, dass nur noch das Alfred-Brehm-Haus im Berliner Tierpark unschönere Luftverhältnisse bietet. Wer sich allerdings zum Puma berufen fühlt, der dürfte sich richtig wohl gefühlt haben. Nachfolgende Band auf dem Spielplan waren die Kalifornier von Aesthetic Perfection. Ja richtig, grundsätzlich handelt es sich hierbei um das Ein-Mann-Projekt von Daniel Graves. Bei Live-Darbietungen wird der Mann allerdings von Elliot Berlin am Keyboard und Tim Van Horn an den Drums unterstützt. Noch jemand, der bei der Bemalung der Musiker und das Gehampele auf der Bühne an das offensichtliche Vorbild Combichrist denken muss? Graves, der sich mit seinem Hut offensichtlich ziemlich gut gefiel, hatte das Publikum aber vom ersten Ton des eröffnenden “Antibody” im Griff. Sicherlich, aufgrund des Füllstands des Musikzentrums war an Tanzen so richtig nicht zu denken, die Menge war aber dennoch weitestgehend in Bewegung. Auch wenn es in unserer Reisegruppe insgesamt geteilte Meinungen gab – ausgehend von den Reaktionen des Publikums schien die “Emo Body Music” aus dem Hause Graves mit seinen Krachern wie “The Ones“, “The Devil’s In The Details” oder dem aktuellen Output “The Dark Half” gut anzukommen. Und dafür, dass sie unmittelbar vor Anpfiff verkündeten, “We drank 5 bottles of vodka last night. Tonight we shall make it 6!“, waren die Herren auf der Bühne erstaunlich fit und spielfreudig. Der Autor dieser Zeilen könnte das ja nicht. Bereits nach einer halben Flasche Vodka wären noch am Tag danach alle Lichter aus.

Foto: Michael Kanzler / AVALOST

Nun waren wir ja aber nicht nur wegen Welle: Erdball und Aesthetic Perfection nach Hannover gereist, sondern vor allem wegen Covenant. Ist ja nicht so, dass wir die Schweden in diesem Jahr nicht schon ein paar Mal gesehen hätten. Uns interessierte aber vor allem, welche der neuen Songs den Weg in die Setlist finden und wie sie live funktionieren würden. Bei “Last Dance” und “Prime Movers” hat sich ja bereits auf dem Amphi gezeigt, dass das ganz hervorragende Live-Knaller sind. Aber wie sieht es mit dem Rest aus? In der Umbaupause schallte schon mal das instrumentale “Leaving Babylon II” aus den Boxen. Als Andreas Catjar und Daniel Jonasson kurz nach 22 Uhr die Bühne betraten, eröffneten sie das nun folgende, locker zwei Stunden lange Konzert konsequenterweise mit “Leaving Babylon“. Mit “Ritual Noise” gesellte sich auch ein gut aufgelegter und spielfreudiger Eskil Simonsson hinzu und das Live-Trio war komplett. Es folgten zwei Stunden voller Energie und guter Laune, verteilt auf eine Setlist, die in manchen Dingen mit “mutig” ganz gut umschrieben ist. “I Walk Slow“, das sperrigste Lied des aktuellen Albums, funktionierte wenig überraschend überhaupt nicht, anstelle des ebenso sperrigen “Get On” von Vorgängeralbum “Modern Ruin” hätte man neben “Lightbringer” eventuell einen anderen Track wählen können. Sei es drum, dafür gab es auch viele Klassiker auf die Ohren. Neben dem obligatorischen “Call The Ship To Port” hörten wir auch “Edge Of Dawn” des Debütalbums “Dreams Of Cryotank“, “Stalker” vom Album “Sequencer” oder “Prometheus” von “Northern Light“. Vom aktuellen Album schafften es neben den bekannten und erwähnten Songs überdies “Thy Kingdom Come” sowie “Ignorance & Bliss” in die Setlist. Ersterer funktionierte, zumindest in Hannover, auch nicht so richtig. Die Reaktionen waren doch eher verhalten. Dafür stellte sich “Ignorance & Bliss” als die erhoffte Live-Hymne heraus. Zudem: 5 von 10 Songs live vorgestellt, zusätzlich zu vielen Klassikern – kein schlechter Schnitt, möchte man meinen. Sicherlich, irgendein ein gern geliebter Immergrün wird immer vermisst. Ich zum Beispiel hätte mir “Invisible & Silent” gewünscht, andere Begleiter:innen hingegen den “Leiermann“. Alles geht halt nicht. Alles in allem aber dennoch eine überzeugende Zusammenstellung an diesem Abend mit Mut zur Lücke. Einzig: etwas weniger Nebel hätte es auch getan. Oftmals haben wir Covenant mehr gehört als gesehen – und das von den vordersten Plätzen aus.

Foto: Michael Kanzler / AVALOST

Gegen Mitternacht gingen Covenant von der Bühne. Nicht wenige dachten in diesem Moment, dass es das dann für diesen Abend gewesen sei. Denkste Puppe. Wer den Saal allzu zeitig verließ, verpasste die beiden Zugaben, die Covenantnoch nachlegten. Nach “One World, One Sky” war aber definitiv Feierabend und viele zufriedene Gesichter verschwanden im Dunkel der Nacht. Es folgte zwar noch eine Aftershow-Party, unter anderem mit Kai Hawaii an den Reglern, reger Andrang dürfte aber nicht mehr geherrscht haben. Sonntag ist schließlich ein ungünstiger Tag für ausufernde Feierei. So sahen auch wir das und traten unmittelbar nach Covenant die Heimreise an.

Alles in allem war das ein großartiger Konzertabend mit viel guter Musik und einigen Überraschungen. Mit Aesthetic Perfection werden wir uns live wohl fortan wieder öfter beschäftigen, den Fortgang der Moderatorinnensuche bei Welle: Erdball im Auge behalten und Covenant bei nächst möglicher Gelegenheit erneut ansteuern. Es ist und bleibt einfach eine der Bands mit dem größten Partyfaktor. Abschließend geht unser Dank an alle Beteiligten für einen tollen Abend!

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