Foto: Michael Kanzler / AVALOST

Welle: Erdball – Computerklang

Nach gut 20 Jahren im Geschäft sind Welle: Erdball längst schon zu einer Institution geworden. Entweder versorgt der Radiosender seiner Hörerschaft mit einem Mitschnitt seines Programms in Albumlänge, serviert Appetithappen in Form von Singles und EPs, macht Filmproduktionen oder führt das Programm auf Konzertreisen bzw. auf Festivals live auf. Selbst wenn man es wollte – vor diesem Sender und seinen Moderatoren (Honey, A.L.F. sowie die beiden liebreizenden Fräuleins Plastique und Venus) gibt es scheinbar kein Entkommen. Deren Frequenz erreicht auch Dich irgendwann. Vieleicht sogar mit der neuen Aufzeichnung “Computerklang”, um die es uns nachfolgend geht.

So komplett neu ist die hier aufgezeichnete Sendung nicht. Hörer:innen, die sich die Wiederveröffentlichung des “Tanzpalast 2000″ als Picture Vinyl ins Haus holten, bekamen schon vorab einen Vorgeschmack in Form einer 3″-CD mitgeliefert. Jene Käufer:innen wussten es also als erste: nach dem unter Anhänger:innen viel diskutierten “Der Kalte Krieg” scheint sich die Ausrichtung des Senders wieder zurück zu früheren Stärken hin und weg von allzu sehr NDW-Kitsch bewegt zu haben. Eine begrüßenswerte Entwicklung, in der Tat.

Computerklang” ist dann auch ein typischer Welle: Erball-Beitrag geworden, dem es nicht an den üblichen Samples, die vermutlich direkt aus Videospielen vergangener Tage entsprungen sind, mangelt und in dem uns Honey mit Akzent erklärt, dass er sein ganzes Leben lang Computerklang brauche. Na warum denn auch nicht? Wer im letzten Jahr einem WE-Konzert beigewohnt hat, dürfte diesen Song bereits kennen. Bei ihrer Station in Braunschweigs Wohnzimmerverlängerung, der Meier Music Hall, war “Computerklang” bereits Teil des Programms.

Beim nächsten Stück, “Zombies im Kaufhaus”, geht es gewohnt gesellschaftskritisch zur Sache. Entsprechend düster fällt die musikalische Ausgestaltung aus. Einen wunderbaren Kontrast dazu bildet der Gesang von Lichtgestalt Plastique. Übrigens befand sich dieses Stück schon als unfertiger versteckter Track auf der Vinyl-EP “Horizonterweiterungen” aus dem Jahre 2005. Hier nun endlich die finale Version!

Kontrollierte Welt (C64)”, Lied Nummer drei dieser Veröffentlichung, lässt sich in den Worten Welle: Erdballs am besten umschreiben: “ein C64-Stück darf nie fehlen!” Damit wissen Sie bescheid, meine Damen und Herren. “Des Wahnsinns fette Beute” ist ein ebenfalls ein tüdeliges Stück klassischer Machart, das vor allem aufgrund seines thematisch passenden, hysterischen “Ja, ja, ja” zwischen den Texten auffällt. Die gewünschte Plemplem-Stimmung wird hier bestens erreicht. Kuscheliger wird es nachfolgend bei “Gemeinsam einsam”, ein Synhtie-Pop-Stück, das die übliche inhaltliche Kühle nicht vermissen lässt. Zum Abschluss dieser Sendung wird den geneigten Hörer:innen noch einmal “Computerklang” vorgetragen, dieses Mal jedoch von Plastique. Und ebenfalls mit gekünsteltem Akzent. Ließ man sich hier vom Klischee russischer Computerwissenschaftler:innen inspirieren? Man weiß es nicht.


Schön, dass man bei Welle: Erdball die etwas arg ausgereizte NDW-Phase abgeschlossen hat und sich inhaltlich wieder auf gewohnten Pfaden bewegt. Die ganzen Coverversionen auf “Der Kalte Krieg” waren ja ganz witzig und sind bei Live-Darbietungen auch immer ein Garant für Spaß und gute Laune, dennoch gefällt mir die ernsthaftere Seite Welle: Erdballs persönlich besser. Highlights dieser EP: “Zombies im Kaufhaus” und “Des Wahnsinns fette Beute”. Bin gespannt, was die “Tanzmusik für Roboter” kann. Hier müssen wir uns wohl aber noch bis in die 2. Jahreshälfte gedulden. Bis dahin aber lässt es sich die Zeit mit dieser EP und den vielen Live-Terminen gut vertreiben.


Erscheinungsdatum
22. März 2013
BAND/KÜNSTLER:IN
Welle: Erdball
ALBUM
Computerklang
LABEL
Synthetic Symphony (SPV)
Unsere Wertung
7.7
Welle: Erdball – Computerklang
FAZIT
Schön, dass man bei Welle: Erdball die etwas arg ausgereizte NDW-Phase abgeschlossen hat und sich inhaltlich wieder auf gewohnten Pfaden bewegt. Die ganzen Coverversionen auf “Der Kalte Krieg” waren ja ganz witzig und sind bei Live-Darbietungen auch immer ein Garant für Spaß und gute Laune, dennoch gefällt mir die ernsthaftere Seite Welle: Erdballs persönlich besser. Highlights dieser EP: “Zombies im Kaufhaus” und “Des Wahnsinns fette Beute”.
INHALT/KONZEPT
7.5
TEXTE
8
GESANG
8
PRODUKTION
8
UMFANG
7
GESAMTEINDRUCK
7.5
Leserwertung0 Bewertungen
0
POSITIV
Es ist Welle: Erdball.
Weniger NDW-Kitsch, wieder mehr Ernsthaftigkeit Marke Welle: Erdball.
NEGATIV
Es ist Welle: Erdball.
7.7
PUNKTE

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