Foto: Intono Records

The Black Sheep – Politics

Der 14. Februar, Valentinstag, gilt dank der Rosen- und Schokoladenindustrie gemeinhin als Feiertag der Verliebten. An diesem Tag wird „Politics“ veröffentlicht, das neue Album der zauberhaften Band The Black Sheep. Wer hat denn aber eigentlich gesagt, dass an dem Tag nur die Liebe zu einem Lebensabschnittsgefährten zelebriert werden soll/muss/kann/darf? Warum denn an diesem Tag nicht einfach mal in Musik verlieben? Die schwarzen Schafe aus Köln machen es einem mit ihrem zweiten Album nun wirklich denkbar einfach.

Es macht gar nüscht, wenn Ihr The Black Sheep bisher noch nicht auf dem Schirm hattet. Irgendwann ist schließlich immer das erste Mal. Auch wenn es sich für die vier Damen musikalisch hier nicht um das erste Mal handelt. Ganz im Gegenteil. Die Wurzeln der Band lassen sich zurück bis ins Jahr 2002 zurückverfolgen, in welchem sich die Geschwister Charlotte (Gesang) und Johanna (Gitarre) zunächst mittels einer Mädchenschulband der Musikwelt widmeten. Seit anno dunnemals ist viel passiert im Leben der Ladies. Höhepunkte auf ihrer Reise durch das Leben und die Musik werden wohl die Veröffentlichung ihres Debütalbums „No Part Of The Deal“ im Jahr 2009, Tourneen mit nicht gänzlich unbekannten Bands wie Sunrise AvenueSocial Distortion oder In Extremo sowie die erste eigene „Crystal Ceiling“-Tour gewesen sein. Von Konzerten in Polen, in Italien, auf Musikmessen in Shanghai und Peking, auf der Frankfurter Musikmesse sowie unplugged, dafür begleitet von einem 50-köpfigen Orchester, ganz zu schweigen. Mit anderen Worten: angesichts der Tatsache, dass die vier noch jung an Jahren sind, haben sie schon ganz schön viel von der Welt gesehen. Da man in dieser Welt bekanntlich nüscht geschenkt bekommt, muss also etwas dran sein an dem musikalischen Tun dieser schwarzen Schafe? Oh aber ja. Ja!

Noch während die Damen ihr Abitur durchzogen, waren sie schon emsig mit Musikmacherei beschäftigt. Daran, dass sie scheinbar keine Langeweile leiden müssen, hat sich im Laufe der Jahre nichts geändert. Sängerin Charly beispielsweise war kürzlich erst als Gastsängerin mit Deutschrocker Peter Maffay unterwegs. Nun könnt Ihr von Maffay halten, was immer Ihr mögt – unbestreitbar ist er als einer, dessen Alben seit 1979 stets die Top 10 der Albumcharts erreichen und 15 Mal sogar die Pole Position, fraglos einer der wichtigsten oder wenigstens erfolgreichsten Musiker unseres Landes. So jemand wie Maffay, der wird sich sicherlich nicht die hinterletzte Hupfdohle mit auf die Bühne stellen. Und tatsächlich ist eines der ersten Dinge, die den Hörenden beim Genuss (ja, Genuss!) von „Politics“ auffallen und nachhaltig in Erinnerung bleiben werden, die gefällige Stimme von Frontfrau Charly. Sicherlich mag es in der Musikindustrie Damen geben, die über eine kräftigere, markantere, wasauchimmere Stimme verfügen. Dennoch: Charlys Stimme strahlt in den richtigen Momenten eine ergreifende Wärme aus, genauso wie sie in den richtigen Momenten Stärke, Stolz, Präsenz oer Verletzlichkeit transportiert. Eben ganz so, wie es der zugrunde liegende Song erfordert. Will damit sagen: sie versteht es, mit ihrer Stimme zu arbeiten. Man hört ihr einfach gerne zu.

Aber auch ihre Kolleginnen wissen durchgängig zu überzeugen. Ihrer Schwester Johanna beispielsweise hat ein paar richtig schöne Gitarrenwände geschustert, die, so könnte ich es mir vorstellen, sich bei einer Live-Darbietung zu echten Brettern verwandeln. Und auch hier ist es nicht durchgängiges Haudrauf. Vor allem die Zwischentöne, die Spielereien, die aus der Gitarre mehr machen als ein Schrammelwerkzeug, gefallen. Weiter geht es mit dem Bass, den Katja spielt. Nun höre ich ja so einiges an Musik, wenn das Jahr lang ist, und meistens verkommt der Bass zu einem Mittelchen, der Musik dröhnen lässt. Schön dumpf, Hauptsache die dämliche Loudness stimmt. Es freut mich daher sehr, Euch an dieser Stelle verkünden zu können, dass Bass auch dynamisch ausfallen kann. So wie hier. Abschließend sei noch das Schlagzeugspiel von Claudia erwähnt. Auch hier ist angenehm viel Finesse im Spiel, dass man gerne mal mit dem Ohr hängen bleibt, um allein die Drums herauszuhören. Lange Rede, gar kein Sinn: im Falle von The Black Sheepüberzeugen die Damen dadurch, dass sie musikalisch etwas auf dem Kasten haben.

Ihr nunmehr zweites Album „Politics“ beinhaltet 11 Songs bei einer Gesamtspielzeit von leider nur 45 Minuten. Eingeleitet wird es von der anständig rockenden Nummer „Do Or Die“. Man möchte kurzerhand auf- und anschließend nur noch springen und das „oooh-oooh-ooh“ lauthals mitgröhlen. Wird wohl auf Konzerten den umgebenden Salon gut aufheizen. Mit „Motorcycle Emptiness“ gestatten sich die Damen eine Coverversion der Manic Street Preachers. Das Original ist aus dem Jahr 1992 und es wird berichtet, zu der Zeit sei so mancher Protaginist der Black Sheeps nur wenig mehr gewesen als Quark im Schaufenster. Vor allem die jaulenden, ganz schön breitbeinig wirkenden Gitarreneinlagen machen diese Coverversion aber erfreulicherweise zu einer guten. Ganz, ganz groß ist das ergreifende, sehr kraftvolle Herzschmerzepos „No Other“, das neben den tollen, weil dramatischen Arrangements von der stimmlichen Vielseitigkeit der Sängerin lebt. Und Textzeilen wie „Close enough, close enough / It’s never ever close enough for me“ jagen zusätzlich Schauer über den Rücken. Dolles Ding, womöglich eines der Highlights dieses Albums. Und dann ist da ja auch noch das mächtige „Fireless“, nach dem Titelsong einmal mehr garniert mit Streichern und einem generell ziemlich akustischen Anstrich. Ich könnte an dieser Stelle natürlich auch noch die restlichen Songs ins Rampenlicht heben, verdient hätten sie es allemal. Ich denke aber, dass dieser kurze Abriss ausreicht um zu sagen: „Politics“ beinhaltet 11 Songs, einer schöner als der andere. Die Messlatte für Rockmucke mit schickem Pop-Anstrich wird in diesem Jahr also von einem Damenquartett aus Köln gelegt. Mehr Spiel- und generelle Freude am eigenen Tun, gepaart mit Können auf einen Silberling zu packen, das soll erst einmal jemand nachmachen

Neben all der durchgängig tollen Musik, die hier geliefert wird, bleibt abschließend nur noch eine Sache festzuhalten. Eine Band, die so gut ist und die überdies auf ihrer Facebookseite „Musik, Konzerte, Spaß, Bier, Jam-Sessions und Tech-Talk“ als Interessen angibt, muss man einfach gern haben. Hach.


Was für ein sehr gefälliges Album dieses „Politics“ doch geworden ist. Aus Zutaten, die sicherlich allesamt nicht neu sind, mischen die vier Damen eine Mixtur an, die mehrerlei Dinge erfüllt. Sie geht gut ins Ohr, lässt sich am Stück durchhören, ohne dass die Skip-Taste auch nur annähernd in Betracht gezogen werden müsste, und vor allem: sie gefällt. Ich persönlich bin ja gerade schwer verliebt in die Gesangsstimme von Frontfrau Charly, möchte damit aber auf keinen Fall die ebenfalls überzeugende Leistung ihrer Mitstreiterinnen in Abrede stellen. In meinem schlaues Büchlein, in das ich alle in Frage kommenden Aspiranten für die Liste der Top-Alben des Jahres eintrage, habe ich mir diese entzückenden schwarzen Schafe jedenfalls schon mal notiert. Ich bin guter Dinge, dass wir uns über dieses tolle Album noch einmal unterhalten werden, wenn 2014 sich dem Ende nähert. Liebe Konsument:innen – viel Spaß mit diesem Kleinod!


Erscheinungsdatum
14. Februar 2014
BAND/KÜNSTLER:IN
The Black Sheep
ALBUM
Politics
LABEL
Intono Records
Unsere Wertung
7.7
The Black Sheep – Politics
FAZIT
Die Messlatte für Rockmucke mit schickem Pop-Anstrich wird in diesem Jahr also von einem Damenquartett aus Köln gelegt. Mehr Spiel- und generelle Freude am eigenen Tun, gepaart mit Können auf einen Silberling zu packen, das soll erst einmal jemand nachmachen.
INHALT/KONZEPT
7.5
TEXTE
7
GESANG
9
PRODUKTION
8
UMFANG
6.5
GESAMTEINDRUCK
8
Leserwertung0 Bewertungen
0
POSITIV
Poppige Rock-Musik von hoher Güte.
Charly Klauser verfügt über eine der schönsten und markantesten Stimmen in diesem Genre.
Hochwertige Produktion.
NEGATIV
Im Umfang leider ein bisschen dünn.
7.7
PUNKTE

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