Foto: Universal Music

Marilyn Manson – Eat Me, Drink Me

Mit “Eat Me, Drink Me” erscheint in diesen Tagen das nunmehr 6. Studioalbum eines Mannes, zu dem nicht mehr viele Worte verloren werden müssen: Marilyn Manson. Und wie immer macht er genau das, was er am besten kann – nämlich das, was niemand erwartet. Er entblösst sich. Und diesmal nicht, oder nicht nur, physisch. Willkommen bei DEM Rockalbum des Jahres.

Wer sich “Eat Me, Drink Me” das erste Mal zu Gemüte führt, um damit die krachgewohnten Hörgänge mansontechnisch zu kitzeln, wird sich nach dem ersten Durchlauf überrascht die Ohren reiben. Wie bitte? Was? Das ist nicht sein ernst, oder? – So, oder so ähnlich dürften die ersten Reaktionen ausfallen. Aber es ist ernster denn je:”Eat Me, Drink Me” hat mit seinen Vorgängern lediglich noch gemeinsam, dass auch hier Marylin Manson dahintersteckt. Das war es aber auch. Kein wütendes Rock-/Metalinferno wie bei “Antichrist Superstar“. Kein Glam-Rock wie zu “Mechanical Animals“-Zeiten. Und auch keine alberne Spielerei mit Nazi-Symbolik, verpackt in krawalligen Rock. Nein, hier tischt der Meister wieder ein völlig neues Menü auf, nämlich sich selbst. Zum ersten Mal hören wir nicht Marilyn Manson, den Schockrocker, oder Marilyn Manson, das Symbol für alles was mit dieser Gesellschaft nicht stimmt. Diesmal ist er einfach nur Marilyn Manson, der Mann. Und genau das macht, dass dieses Menü – obwohl in einem Durchgang konsumierbar – erst mit mehrmaligen Genuß seine volle Wirkung entfaltet. Und die Hörer:innen dann gnadenlos plattbügelt. Erfreulicherweise ohne negative Nebenwirkungen.

Schon der Opener, “If I Was Your Vampire“, ist eine schwere, stimmungdrückende, intensive Rockballade, die noch am ehesten an frühere Tage erinnert. Danach herrscht aber schon blues-angehauchter, reichlich traditioneller Rock&Roll, wenn es heißt “Putting Holes In Happiness“. Verdammt groovige Nummer, die sich als Ohrwurm reichlich schnell im Gehörgang festsetzt. Grenzgenial auch “They Said That Hell’s Not Hot“, das – für herrschende Verhältnisse – reichlich konservativ daherkommt, aber gerade deshalb die nächste Überraschung des Albums ist. Schön, wie zum Mitgröhlen animierende Hookline, breite, kreischende Gitarrenriffs und eine gute Hammond-Orgel miteinander harmonieren.

Foto: Universal Music

Das als Single ausgekoppelte “Heart-Shaped Glasses” verdeutlicht ganz wunderbar den Überraschungseffekt des neuen Manson-Albums. Zunächst als Albernheit abgetan, holt einen diese beinahe schon swingende Rock&Roll Nummer so heftig ein, dass man sich sehr schnell dabei ertappt, diese Nummer auf Repeat zu stellen und den Refrain vor sich hinzusummen. Denn eigentlich verdeutlicht dieser Track mehr als alles andere, was sich geändert hat: Noch kein Manson-Album hat sich so echt angefühlt wie dieses. Nun, als Mann, ist er die Kunst selbst. Dazu gehören auch ein anderer Sound, eine andere Symbolik, eine andere Sprache. Es geht nicht mehr darum zu schockieren, es geht mehr darum etwas zu dokumentieren, eine Wahrheit aufzuweisen, ein kleines Licht in den Händen zu halten und scheinen zu lassen das in dieser Form vorher nicht da war.

Und so reiht sich denn ein Hammertrack nach dem anderen aneinander, die allesamt eines gemeinsam haben: Genialität, die erst im Nachgang wirkt – und dann richtig.

Auch die Weltpremiere seines Videos zu “Heart-Shaped Glasses” hat auf viele eine große Wirkung gehabt. Die Sexszenen mit seiner neuen Flamme Evan Rachel Wood haben für viel Furore gesorgt, die düstere Bonny & Clyde-Geschichte einige geschockt. Aber bei genauerem Hinsehen ist Marilyn Manson auch hier ehrlicher, menschlicher, emotionaler und nackter als je zuvor.


“Eat Me, Drink Me” ist zweifelsohne neben “Mechanical Animals” das eingängigste und somit leicht zugänglichste Manson Album. Mit einer spielerischen Leichtigkeit erleben wir hier nicht nur das aufregendste Rockalbum des Jahres, sondern ganz nebenbei noch das gereifte Werk, wenn nicht das Lebenswerk, eines Mannes, der nun wirklich niemanden mehr etwas beweisen muss. Außer vielleicht sich selbst. Wenn Marilyn Manson nach diesem Album beschließen sollte, die Musik zugunsten anderer künstlerischer Tätigkeiten aufzugeben, dann hätte er seinem musikalischem Werk einen glänzenden Höhepunkt als Abschluß gesetzt. Nicht das beste Manson Album. Nur das genialste.


Erscheinungsdatum
1. Juni 2007
BAND/KÜNSTLER:IN
Marilyn Manson
ALBUM
Eat Me, Drink Me
LABEL
Interscope Records
Unsere Wertung
8.1
WERBUNG (PROVISIONSLINK)
Marilyn Manson – Eat Me, Drink Me
FAZIT
"Eat Me, Drink Me" ist zweifelsohne neben "Mechanical Animals" das eingängigste und somit leicht zugänglichste Manson Album. Mit einer spielerischen Leichtigkeit erleben wir hier nicht nur das aufregendste Rockalbum des Jahres, sondern ganz nebenbei noch das gereifte Werk, wenn nicht das Lebenswerk, eines Mannes, der nun wirklich niemanden mehr etwas beweisen muss. Außer vielleicht sich selbst. Wenn Marilyn Manson nach diesem Album beschließen sollte, die Musik zugunsten anderer künstlerischer Tätigkeiten aufzugeben, dann hätte er seinem musikalischem Werk einen glänzenden Höhepunkt als Abschluß gesetzt.
INHALT/KONZEPT
8
TEXTE
7.5
GESANG
8
PRODUKTION
8.5
UMFANG
8.5
GESAMTEINDRUCK
8
Leserwertung0 Bewertungen
0
POSITIV
Wenn sich Kunst und Kommerz nicht ausschließen, ist das wahrlich eine Leistung!
NEGATIV
8.1
PUNKTE

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