Foto: Snakeskin / Hall of Sermon

Snakeskin – Canta’Tronic

Snakeskin, das elektronische Nebenprojekt des Lacrimosa-Masterminds Tilo Wolff, meldet sich 2 Jahre nach dem furiosen Debüt “Music For The Lost” mit einem neuen Album namens “Canta’Tronic” zurück. Wer glaubte, dass aus dem Genre der elektronisch erzeugten Musik bereits alles herausgeholt wurde, wird von Wolff hier eines besseren belehrt. Wir haben “Canta’Tronic” mal ausführlich für Euch gehört.

Als Snakeskin im Jahre 2004 die Bühne der alternativen Musik betrat, ging einen Raunen durch die Schwarze Szene. Wohin man auch blickte – überall machte sich Verzückung breit angesichts der ungewöhnlichen, düsteren Musik, die sehr auf teils bis zur Unkenntlichkeit verfremdete Vocals setzte und somit an schmerzerfüllte Schreie erinnerte. Man fragte sich, wer oder was hinter diesem bis dato völlig unbekannten Newcomer steckte. Leider ist es so, dass in dieser unserer Szene Vorurteile gepflegt werden und so verwandelten sich Leute, die Snakeskin bis dahin in den Himmel lobten, in lästernde Trolle, nachdem das Geheimnis um Snakeskin gelüftet war. Was nichts daran ändert, dass “Music For The Lost” eines der überraschendsten und spektakulärsten Alben des Jahres 2004 blieb – Prinzipielle-Tilo-Wolff-Antis hin oder her.

Nun, 2 Jahre später, häutet sich die Schlange erneut. Die einzigen Parallelen, die man zum Debüt noch ziehen könnte, sind das gleich gebliebene Prinzip – besungene Elektronik – und die immer noch sehr düstere Grundstimmung. Damit hat es sich dann aber auch schon. Wer ein “Music For The Lost” Teil 2 erwartet, wird angenehm überrascht.

Tilo Wolff gehört zweifelsohne nicht zu den Musikern, die sich auf ihren Lorbeeren ausruhen oder sich dem unterordnen, was Kritiker zu benörgeln haben. Und so präsentiert er unter dem konzeptionellem Titel “Canta’Tronic” etwas, dass es in der Schwarzen Electro Szene so noch nicht zu hören gab: ausgefeilte, bisweilen zwischen brachial und fragil schwankende elektronische Klanggebilde in Kombination mit Tilos diesmal eher wenig bis gar nicht verzerrter Stimme. Das allein ist noch nichts besonderes. Erstaunt mit den Ohren wackeln wird der geneigte Hörer dieser Scheibe allerdings, wenn beim Opener “Etterna” ganz unvermutet die Opernsängerin Kerstin Doelle ihre beeindruckende Sopran-Stimme zu den harten Beats einsetzt. Besonders erwähnenswert auch das Stück “Bite Me“, bei welchem Wolffs verzerrte Vocals mit denen von Frau Doelle zu extrem tanzbaren Beats duettieren. Oder auch “The Eternal“, das den Hörer angesichts seiner Brachialität beinahe erschlägt.

Das klingt nicht nur in der Theorie spannend und innovativ – auch in der Praxis ist dies eine Vereinigung unterschiedlicher Welten, wie sie kaum besser hätte ausfallen können. Man merkt dem Album in jeder Sekunde der gesamten Spielzeit an, dass hier Musiker nicht nur mit Sachverstand an der Arbeit waren, sondern auch mit viel Herzblut.

Und so wird dann auch Titel und Konzept des Albums begreifbar. Wenn man nun fragte, wer oder was ein Cantadoro ist, könnte man dazu die Spanier zitieren, die einen Cantadoro folgendermaßen umschreiben: “das ist jemand, der sein eigenes Herz zerrissen, blutend in der Hand hält und über diesen Schmerz hinaus weiterlebt, um ihn singend lebbar zu machen“. Wisst Ihr bescheid.

Dem Duo Wolff/Doelle gelingt eben dieses auf “Canta’Tronic” so gut, dass man – aller Clubtauglichkeit zum Trotz – unweigerlich in eine düstere, schmerzerfüllte Welt hineingerissen wird, die fesselt, bewegt und nicht mehr loslässt, bis die letzten Klänge der CD verhallt sind und die Hörenden mit ihren ganz eigenen Gedanken zurücklassen.


Nach dem “Snakeskin”-Debüt darf Tilo Wolff mit “Canta’Tronic” einmal mehr von sich behaupten, eines der interessantesten und innovativsten Electro-Alben des Jahres abgeliefert zu haben. Notorische Tilo-Wolff-Hasser werden dem wie üblich nichts abgewinnen können; alle anderen aber, die Qualität und Können erkennen, wenn sie es hören, sollten sich dieses Werk dringendst zu Gemüte führen!


Erscheinungsdatum
6. Oktober 2006
BAND/KÜNSTLER:IN
Snakeskin
ALBUM
Canta'Tronic
LABEL
Hall of Sermon
Unsere Wertung
7.7
Snakeskin – Canta’Tronic
FAZIT
Das klingt nicht nur in der Theorie spannend und innovativ - auch in der Praxis ist dies eine Vereinigung unterschiedlicher Welten, wie sie kaum besser hätte ausfallen können. Man merkt dem Album in jeder Sekunde der gesamten Spielzeit an, dass hier Musiker nicht nur mit Sachverstand an der Arbeit waren, sondern auch mit viel Herzblut.
INHALT/KONZEPT
7.9
TEXTE
6.5
GESANG
8.5
PRODUKTION
8
UMFANG
7
GESAMTEINDRUCK
8
Leserwertung0 Bewertungen
0
POSITIV
Klassische Musik trifft auf knallharten Düster-Electro.
Man merkt einmal mehr, dass Tilo Wolff das Komponieren gelernt hat.
NEGATIV
7.7
PUNKTE
Herausgeber

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INHALT/KONZEPT
TEXTE
GESANG
PRODUKTION
UMFANG
GESAMTEINDRUCK
Finale Bewertung

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