Foto: Roman Jasiek / AVALOST / Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz

Blutengel – The Oxidising Angel

“The Oxidising Angel” heisst das neue Mini-Album aus dem Hause Blutengel, dessen “ich kanns echt kaum noch erwarten” – Faktor nach dem Ausstieg Evas (wir berichteten) bei nicht wenigen Fans in ungeahnte Höhen geschnellt sein dürfte. Nun, seit dem 28.10. kann sich der geneigte Hörer selbst einen Eindruck von dem verschaffen, was Chris und seine Mädels diesmal schufen. Wir haben das natürlich umgehend getan.

Die Inspiration zum namengebenden Titelstück lieferte eine Fotosession, die Chris und Constance zusammen mit Haus- und Hoffotografin Annie Bertram machten; thematisch mit einem Schuss Frankenstein versehen. So sind dann auch die Lyrics ausgefallen, geht es doch um einen Wissenschaftler (o.dgl.), der seine verstorbene Geliebte nach tausendjähriger Zwangsbeziehungspause aus dem ewigen Schlaf der toten Wiederzubeleben versucht.

Mit diesem Background entstand eine wunderbarer, extrem tanzbarer Blutengel-Track, der -obwohl eindeutig als solcher schon beim ersten Hören zu identifizieren ist- trotzdem nicht den “typisch”-Stempel verdient hat. Dafür sorgt schon allein die für Blutengel ungewöhnlich vielschichtige Songstruktur und nicht zuletzt die neue Sängerin Ulrike. Während Constance den Part der Wiedererweckten mit ungewohnter Inbrunst intoniert, teilt sich Ulli mit Chris(welcher nebenbei noch den “Erzähler” dieser Schauermär gibt) den Refrain. Und macht dabei eine so gute Figur, dass man sich ganz schnell über Evas Weggang hinweg getröstet fühlt.

Wer eine der edelst ausgestatteten limitierten Editionen der EP ergattern konnte, freut sich nicht nur über die sehr schicke, in Leinen gebundene Verpackung und das exklusive, 24 Seite Booklet mit jenen ausschlaggebenden Fotos von Annie Bertram, sondern kommt überdies auch noch in den Genuss des allerersten Blutengel Musikvideos ever! Unter der Regie von PeeVee Vignold entstand ein sehr stimmiges, thematisch passendes und lobenswerterweise vergleichsweise “ungotisches” Stückchen Film, das für ein Erstlingswerk mehr als nur respektabel ausgefallen ist. Man darf einerseits hoffen, dass sich Blutengel zu weiteren Musikvideos hinreissen lassen und zum anderen darüber spekulieren, auf welchen Musiksendern dieser TV Nation der Clip Premiere feiern wird.

Die eigentliche Überraschung und das definitive Highlight dürfte aber ganz zweifelsohne die Cover-Version des Lost Boys-Klassikers “Cry Little Sister” sein. Über Coverversionen kann man streiten, jedoch durfte man nie zuvor einen Chris Pohl erleben, der nicht einfach nur den Text runtersingt, sondern zur Abwechslung mal richtig mit seiner Stimme arbeitet. Das Ergebnis gefällt und lässt auf große Dinge hoffen, die da noch kommen mögen. Vor allem aber macht “Cry Little Sister” das eher peinliche Shakespeare’s Sister-Cover auf “Demon Kiss” vergessen und zeigt, dass Herr Pohl dafür durchaus ein Händchen hat. Begeisterung pur!

Darüber hinaus gibt es, neben den diversen obligatorischen Remixen diverser neuerer und älterer Blutengel-Tracks auch ein einige zusätzliche, bisher unveröffentlichte Songs. Wie etwa “Burning Heaven“, das einmal mehr aufgrund Constances eher dünner Stimme schwächelt.

Change The Future” hingegen hätte zwar auch auf dem letzten Tumor-Album stattfinden können, vermittelt dennoch so ein wohliges Back-To-The-Roots Gefühl.

A Little Love” ist zum vorgenannten das reinste Kontrastprogramm, da hier eine bittersüße, von Chris gesungene Ballade im Stil von “No Eternity” aus den Boxen ertönt. Und “Leave The Day” ist dann schlussendlich das, was man ganz klar mit typisch Blutengel umschreiben kann, ohne dabei ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.


Unterm Strich bleibt ein sehr gelungenes Mini-Album mit vielen Überraschungen. Aber es wird so sein wie immer: Pohl-Fans werden es lieben (zurecht!), Pohl-Hasser es wie immer nicht mal eines flüchtigen Blickes würdigen (sehr zu unrecht!).


Erscheinungsdatum
28. Oktober 2005
BAND/KÜNSTLER:IN
Blutengel
ALBUM
The Oxidising Angel
LABEL
Out Of Line
Unsere Wertung
7.2
Blutengel – The Oxidising Angel
FAZIT
Unterm Strich bleibt ein sehr gelungenes Mini-Album mit vielen Überraschungen. Aber es wird so sein wie immer: Pohl-Fans werden es lieben (zurecht!), Pohl-Hasser es wie immer nicht mal eines flüchtigen Blickes würdigen (sehr zu unrecht!).
INHALT/KONZEPT
7
TEXTE
6
GESANG
7
PRODUKTION
7.5
UMFANG
8
GESAMTEINDRUCK
7.5
Leserwertung0 Bewertungen
0
POSITIV
Viel Umfang für schmales Geld.
Größtes Highlight: Die Coverversion von "Cry Little Sister".
NEGATIV
7.2
PUNKTE

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