Foto: Jan Poope / Audiopill

Audiopill: Mittels verschluckbarer Kapsel Musik aus dem Körperinneren erleben

Es gibt so Sachen, da kannste dir ein ungläubiges WTF?! einfach nicht verkneifen. Die Audiopill des tschechischen Künstlers Jan Poope (!) ist so ein Ding. Dass auf vor allem auf Techno-Parties immer wieder mal irgendwelche Pillen eingeworfen werden unter dem Vorwand, dadurch das Erlebnis maximieren zu wollen, ist ein Gerücht, was sich irgendwie immer wieder mal bestätigt. Mir geht es hier allerdings gar nicht um das Thema Drogenkonsum, sondern um folgende, sehr viel abgedrehtere Geschichte: was wäre denn, wenn man keine Rauschmittel einnimmt, sondern eine kleine, elektronische Pille, die fortan die Beats direkt in den Körper bringt? Im wahrsten Sinne des Wortes? Ganz genau das ist es, was Herr Poope mit seiner Audiopill bezweckt. Musik aus dem Inneren heraus zu erleben. Im Techno-Club in deinem Bauch.

Grundlage seiner Kapseln, die es in zwei Farbvarianten (transparent und pink) gibt, ist das medizinische Prinzip der Kapselendoskopie. Dort verschlucken Patienten eine mit kleinen Kameras ausgestattete Kapsel, die irgendwann später wieder ausgeschieden wird. Sinn und Zweck dieser Übung ist die Erkundung des Darms. Ungefähr 48 Stunden später ist auch die Audiopill wieder zurück. Auf gleichem Wege. Benutzung auf eigene Gefahr, versteht sich. Der selbsternannte Autodidakt und „Kamikaze-Forscher“ Poope weist selbstverständlich jegliche Risiken, die durch die Verwendung der Kapsel entstehen, von sich.

Foto: Jan Poope / Audiopill

Vor der Einnahme muss man sich für eine der folgenden drei Voreinstellungen entscheiden:

  • 95 BPM (Grinderman, No pussy blues)
  • 130 BPM (Die Antwoord, I Fink U freeky)
  • 143 BPM (M.I.A., Bad Girls)

Nach Einnahme der Pille dauert es laut Poope ungefähr eine Stunde, ehe die intensiven Effekte – das Empfinden von Bässen wie in einer Konzerthalle mit sehr starkem Soundsystem – zu wirken beginnen. Die Rede ist von einer insgesamt zehnstündigen “Party” mit einzig und alleine hypnotischen Rhythmen – und keiner Chance, dem zu entkommen. Weiterhin heißt es, man könnte eine Weile seinen Mut zur Experimentierfreude bedauern. Ach… Dennoch redet Jan Poope von einem ganz neuen Musikgenre, das extrem persönlich und unkopierbar sei. Niemand könne irgendwas hören, nicht mal der ausführende Künstler, sondern einzig und alleine die … ja, was eigentlich? Mutigen/Freiwilligen/Verrückten/Wahnsinnigen, die diese Kapsel geschluckt haben. Darüber hinaus gibt es noch eine Ergänzung zu dieser Pille, die ebenfalls auf medizinischem Gerät basiert und das mittels niedrig frequentierter Ultraschallwellen die Wahrnehmung von Sound bewirken soll. Direkt im Kopf. Wie gesagt: niemand außer den Probanden kann die Sounds hören – oder fühlen.

Swallow the thing and then for ten hours BANG the feeling inside your stomach BANG insanity BANG joy BANG horror BANG elation BANG extasy BANG BANG pain BANG BANG BANG BANG…., heißt es auf der offiziellen Webseite. Finanziert werden soll das ganze über eine Crowdfunding-Kampagne, angepeilter Marktstart, wenn man es denn so nennen kann, ist April. Von den angepeilten 150tausend Euro ist man noch Lichtjahre entfernt. Immer noch auf einen ziemlich abgefahren und reichlich verfrühten Aprilscherz hoffend, gehe ich kurz mal meine Kinnlade aufheben, die ist mir angesichts dieses Themas vorhin auf den Schreibtisch gedonnert. Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht.

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