Foto: Anton Cobijn / Columbia Records / Sony Music

Depeche Mode – Heaven

Gar keine Frage: Depeche Mode sind Legende. Durchaus verdient. Die drei Herren Dave Gahan, Martin Gore und Andrew Fletcher haben durch ihr Tun in den vergangenen Jahrzehnten geschafft, wovon viele andere Bands nur träumen können: teilweise blinde Vergötterung. So lange nur Depeche Mode dran steht, wird es schon gut sein. Seit letzter Woche ist die neue Depeche Mode Single “Heaven” erhältlich und rege Diskussionen in den sozialen Netzen zeigen: auch so ein Freifahrtsschein ist scheinbar irgendwann aufgebraucht. Was ist also dran an “Heaven”, dem Vorboten zur “Delta Machine”?

Heaven” erscheint in zwei Versionen, die den geneigten Käufer vor die Wahl stellen: Entweder als Maxi mit vier Remixen des Titelstücks oder als Single, auf welcher die (meist eh) überflüssigen Remixe nicht enthalten sind, dafür aber die B-Seite “All That’s Mine”. Der Mehrwert ist bei der Single trotz der geringeren Anzahl an Tracks höher, das sei an dieser Stelle schon einmal gesagt.

Die Erwartungshaltung bei einer neuen Depeche Mode-Veröffentlichung ist enorm hoch. Die an eine Single, die Appetit auf das nachfolgende Album machen soll, auch. Wir wissen nicht, wie es Euch geht, aber für gewöhnlich wird hier erwartet, dass es knallt. Etwas, das den Hörer mit den Fingern schnippen lässt und sagen: “jepp, das isses!”. Und gerade mit Depeche Mode wird Synthpop erwartet, warum auch immer. Die letzten Alben zeigten ja schon recht deutlich, dass die Band aus diesen Gefilden längst weitergezogen ist und dieses Genre nur noch in Teilen in den Sound einfließen lassen.

Heaven” ist eine Überraschung an die ganzen Erwartungshaltungen. Eine so ruhige, getragene Ballade, die schick arrangiert sehr akustisch daherkommt, hätte wohl niemand vermutet. Schwer wirkt dieser Song aufgrund seines Klavierspiels, irgendwie bedrückend. Der gefühlvolle Gesang Dave Gahans, wie so oft assistiert von Martin Gore im Hintergrund trägt ebenfalls nicht dazu bei, den Song als gute-Laune-Party-Granate zu positionieren. Die hintergründigen elektronischen Spielereien und die begleitenden Gitarrenriffs tun ein übriges. Ein Party-Song dürften die Herren aber auch nicht im Sinn gehabt haben, als sie ihren Himmel erschufen. Allein der religiös geprägte Text verhindert dies. Schwere Kost ist angesagt, die durchaus mehrere Anläufe erfordert, um zu zünden. Wie die Diskussionen bei Facebook oder Kundenrezensionen bei Amazon zeigen, zündet “Heaven” selbst bei langjährigen Depeche Mode-Hörern gar nicht. Daher ist es schon durchaus mutig, gerade diesen Song vorab auszukoppeln. Möglicherweise war Herr Gahan auch zulange mit den Soulsavers unterwegs; “Heaven” hätte auch ganz wunderbar auf deren letztes Album “The Light The Dead See” gepasst, bei dem Dave ja der Vokalist gewesen ist. “Heaven” ist wie am Bahnhof zu stehen und auf seine/n Liebste/n zu warten, um dann eine Nachrichtig zu bekommen, dass er/sie nicht kommen wird – spontaner Wolkenbruch inklusive. Die Remixe stecken das Original weitestgehend in eine Art loungiges Gewand, würden gut auf einer Chill-Out-Compilation unterkommen und stören ansonsten nicht weiter. Einzig der “Blawan Remix” ist uns im Gedächtnis geblieben. Der stampfende Beat ist schuld! Hier wird man von “Heaven” wie von einem Schwerlasttransport überrollt.

Fetziger als das Titelstück ist indes die B-Seite, “All That’s Mine”. Das deckt sich schon eher mit (wohl nicht nur unserer) Erwartungshaltung an Depeche Mode: frickeliger, fein gesponnener Electro, eingängige Melodie und ein Refrain, der sich festsetzt. Dazu auch weniger Düsterstimmung als bei “Heaven”. Einzige Kritelei hier: mit 3:22 Minuten ist “All That’s Mine” eine Spur zu kurz geraten. Gerade dann, wenn man anfängt, sich so richtig heimisch zu fühlen und sich an Glanz und Gloria vergangener Tage zurückerinnert fühlt, ist der Song schon wieder zuende. Ein Extended Mix hiervon ist mehr als wünschenswert, zumal man sich in dem verspielten Sound wunderbar verlieren kann. “All That’s Mine”, beinahe eine Reminiszenz an VCMG, wirkt deutlich mehr nach als “Heaven”.

Ihren Freifahrtsschein werden Depeche Mode auch dieses Mal wieder einlösen. Nüchtern betrachtet bleibt aber festzuhalten: Der große Wurf ist es nicht geworden.


Tja. In meinen Ohren hatten Depeche Mode bei der Wahl ihrer Vorab-Single kein glückliches Händchen. Für mich klingt das alles eher nach Daves Ausflug mit den Soulsavers als nach einer Band, die früher schon wirklich Großes geleistet hat. Zu sperrig, zu lahm, zu schwer ist “Heaven”. Wenn das der Ausblick auf das kommende Album “Delta Machine” sein soll… hmm, na ick weeß ja nicht. Die B-Seite “All That’s Mine” gefällt mir persönlich aufgrund ihres frickeligen Electro-Sounds deutlich besser und klingt auch nicht so nach Gejammer. Schauen wir mal, was “Delta Machine” kann, wenn es ab März erhältlich ist. Meine persönliche Erwartungshaltung ist nach den vorangegangenen Alben und der Wahl der Singleauskoppplung aber recht gering.


Erscheinungsdatum
31. Januar 2013
BAND/KÜNSTLER:IN
Depeche Mode
ALBUM
Heaven
LABEL
Columbia Records (Sony)
Unsere Wertung
5.4
Depeche Mode – Heaven
FAZIT
In meinen Ohren hatten Depeche Mode bei der Wahl ihrer Vorab-Single kein glückliches Händchen. Für mich klingt das alles eher nach Daves Ausflug mit den Soulsavers als nach einer Band, die früher schon wirklich Großes geleistet hat. Zu sperrig, zu lahm, zu schwer ist “Heaven”. Wenn das der Ausblick auf das kommende Album “Delta Machine” sein soll… hmm, na ick weeß ja nicht
INHALT/KONZEPT
0
TEXTE
6.5
GESANG
7
PRODUKTION
7.5
UMFANG
5.5
GESAMTEINDRUCK
6
Leserwertung0 Bewertungen
0
POSITIV
NEGATIV
Klingt mehr nach Daves Ausflug mit den Soulsavers als nach Depeche Mode.
Zu sperrig, zu lahm.
5.4
PUNKTE

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