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Paul Terry – The X-Files: The Official Archives (Cryptids, Biological Anomalies and Parapsychic Phenomena)

Von den Bildschirmen sind die FBI-Agenten Dana Scully und Fox Mulder (erst einmal) wieder verschwunden, sieht man von eventuellen Wiederholungen ab. Ob es eine weitere Staffel von „The X-Files“ geben wird, ist momentan ziemlich unklar. Halte ich persönlich nach dem Ende der 11. Staffel für unwahrscheinlich, aber das habe ich nach der 9. auch schon mal gedacht. Doch auch wenn es momentan keine neuen Fälle zu lösen gilt, die ganz große Verschwörung im Prinzip aufgedeckt wurde – unter Fans ist die Serie mitunter noch sehr am Leben. Ich ertappe mich auch immer wieder dabei, ein paar Folgen zu schauen und dabei festzustellen, dass selbst die ersten Folgen aus den frühen 1990er Jahren erstaunlich gut gealtert sind. Außerdem ist dieses Episodenformat in Zeiten von Serien die darauf ausgelegt sind, dass man die komplette Staffel am Stück schaut, eine wirklich erfrischende und willkommene Abwechslung. Um den Kult auch weiterhin am Leben zu halten, ist Anfang des Monats ein Buch erschienen, das definitiv in die Sammlung eines jeden Fans gehört: „The X-Files: The Official Archives (Cryptids, Biological Anomalies and Parapsychic Phenomena)“ von Paul Terry.

Es gibt Bücher, die sind einfach schön. Die meisten bestechen durch ihren Inhalt, klar, aber es gibt eben immer wieder auch Druckerzeugnisse, die durch ihre wunderhübsche Aufmachung gefallen. „The X-Files: The Official Archives“ ist eines dieser Film bzw. Serien begleitenden Bücher, bei denen es eine wahre Freude ist, darin herumzublättern und zu lesen. Aufgemacht ist es, wie der Name schon vermuten lässt, wie ein Aktenordner, in dem einige der bemerkenswertesten Fälle des dynamischen Duos Mulder & Scully bedacht werden. Paul Terry, der die Fallkakten quasi als FBI-Agentin Leyla Harrison zusammengetragen hat und sich dabei auf neue Eingaben von Serienschöpfer Chris Carter sowie den Autoren Frank Spotnitz und Vince Gilligan beruft, konzentriert sich hierbei auf die klassischen „Monster of the Week“-Episoden und lässt dabei die Verschwörungsgeschichte, die Aliens, die Lone Gunmen usw. außen vor. Dafür aber können wir die Fallberichte, Notizen, Zeitungsberichte, Tatortfotos usw. beispielsweise des Falls Victor Tooms lesen bzw. anschauen. Ihr wisst schon, dieser gruselige Typ, der sich von menschlichen Lebern ernährte, dadurch quasi nicht alterte und darüber hinaus die Fähigkeit besaß, seinen Körper so sehr zu verbiegen, dass er durch die noch so kleinsten Spalten gelangen konnte.

Foto: Roman Jasiek / AVALOST / Abrams Books

Wir lesen von Big Blue (dieser „Ungeheuer von Loch Ness“-Folge), vom Chupacapra und so vielen anderen bemerkenswerten Fällen, die spätestens dann wieder ins Gedächtnis zurückgerufen werden, wenn man das Inhaltsverzeichnis studiert. Auch die Millennium-Gruppe, zentraler Bestandteil des mit drei Staffeln viel zu kurzlebigen Ablegers „Millennium“ mit Lance Henriksen in der Hauptrolle, wird mit einer Akte bedacht.

Foto: Roman Jasiek / AVALOST / Abrams Books

Ich sagte ja bereits, dieses Buch ist eine Pflichtanschaffung für Fans. Der Hauptgrund liegt an der detailverliebten, ausufernd schönen Gestaltung, die das Buch wirklich wie eine Sammlung von Akten wirken lässt, in denen hier mal ein Foto reingeklebt wurde (oder eine Diskette!), da ein ein Zeitungsartikel; hier wurde ein Name geschwärzt und dort wiederum ein handschriftlicher Vermerk in den Fallbericht geschrieben. Insgesamt gilt es, über 100 farbige und über 50 schwarzweiße Fotos, Illustrationen u.ä. zu bestaunen. Schöner wäre nur noch gewesen, wenn man diese Dinge mittels eingeklebter Elemente noch plastischer gestaltet hätte. Das Making-Of-Buch zum Jim Henson-Film „Labyrinth“ sei hier als Beispiel genannt, wo auch immer wieder Notizen o.ä. als eine Art Applikation in die Seiten integriert wurden. Das allerdings ist gerade Nörgeln auf allerhöchstem Niveau von mir und zudem für einen Preis von rund 35 Euro für dieses 300 Seiten starke Hardcover-Buch wohl auch nicht zu erwarten. Das X-Akten-Archiv ist bisher nur in englischer Sprache erhältlich, ob es eine übersetzte Version geben wird, ist mir nicht bekannt – halte ich aber ebenfalls für unwahrscheinlich. Euer lokaler Buchhändler Eures Vertrauens kann Euch dieses Buch sicherlich innerhalb kurzer Zeit besorgen – sobald es wieder lieferbar ist. Die Erstauflage ist inzwischen vergriffen. Was mich angesichts von Inhalt und Qualität auch null überrascht.

Foto: Roman Jasiek / AVALOST / Abrams Books

Ach, ein Wort der Warnung sei an dieser Stelle mit auf den Weg gegeben: Auch wenn „The X-Files: The Official Archives“ für Serienfans Geburtstag und Weihnachten gleichermaßen ist – für Zartbesaitete ist es wenig geeignet, genauso wenig gehört es in Kinderhände. Auch wenn man weiß, dass die Fotos von (teilweise wirklich übel zugerichteten Leichen) lediglich der Fingerfertigkeit von Maskenbilder:innen entsprungen ist – einstweilen ziemlich unappetitlich ist das schon, was dort gezeigt wird.

Ich für meinen Teil freue mich immer noch sehr darüber, dass trotz des nachlassenden Fames der X-Akten ein so großartiges Buch den Weg in den Handel gefunden hat und werde es zum Anlass nehmen, die hier abgehandelten Fälle noch einmal anzuschauen – und parallel dazu in den jeweiligen Unterlagen zu lesen. Nicht nur weil sich beides ganz hervorragend ergänzt, sondern weil sich dadurch eine ganz neue Dimension des X-Akten-Genusses eröffnet. Und last but not least: es breitet sich beim Studium dieses Werkes das wohlige “I want to believe”-Gefühl aus, das seit den 90ern immer wieder bemerkbar ist.


Foto: Abrams Books

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