Foto: Top Cow / Image Comics

No Honor #1

Der Kunstdieb Random hat ein Problem: Was ein richtig netter, kleiner Einbruch hätte werden können, entwickelt sich für ihn zu einem geradezu wahnwitzigen Abenteuer und für den Leser zu einem vergnüglichen Trip durch das Debüt von Fiona Kai Avery als Comicautorin. Willkommen in der Welt von No Honor!

Eigentlich hätte es ein Einbruch wie jeder andere werden müssen: Random, seines Zeichens rothaariger Schönling und hauptberuflich Kunstdieb ist gerade dabei, in das New Yorker Guggenheim Museum einzubrechen, um ein sehr altes und offenbar extrem scharfes Samurai-Schwert zu stehlen. Es geht soweit auch alles gut, bis Randoms Aufmerksamkeit eine Sekunde nachlässt und sich seine Gedanken mehr um eine schöne Frau drehen als um den Job, den er da gerade erledigt. Und so kommt es, dass er sich mit dem scharfen Schwertchen schneidet. Damit nimmt das Unglück für Random seinen Lauf, denn dieses Schwert ist verflucht, oder genauer: Der Geist eines Samurai ist in dem Schwert gefangen gewesen und hat sich nun in Randoms Körper eingenistet! Über tausend Jahre in dem Schwert gefangen, sinnt Tannen, so der Name des Samurai, auf Rache und darauf, eine bestimmte Aufgabe erfüllen zu können. Und Randoms Körper kommt ihm da gerade recht. Dass Random jedoch nicht so glücklich damit ist, dass jemand anderes nun die Kontrolle über seinen Körper hat, versteht sich von selbst.

Bevor jedoch auch nur einer von beiden den geringsten Gedanken über die Lösung dieses Problems verschwenden kann, gilt es, aus dem Museum zu flüchten, denn die Polizei, die Random schon lange auf den Fersen ist, hat selbiges umstellt. Da nun Tannen die Kontrolle über Randoms Körper übernommen hat, kommt dieser nicht umhin, sich der Polzei in einer direkten Konfrontation zu stellen. Doch dank Tannens Kampfgeschick können die beiden (die ja eigentlich nur eine Person sind) entkommen. Nachdem sie in einem japanischen Laden irgendwelche Kleinigkeiten eingekauft haben und durch die düsteren Gassen New Yorks streifen, begegnen sie einem kleinen Kind, das offensichtlich schwer misshandelt worden ist. Während Random dafür ist, den Jungen ein gutes Kind sein zu lassen und weiterzugehen, wird in Tannen der Gerechtigkeitssinn wach und er erkundigt sich bei dem Knaben, was denn vorgefallen sei. Es dauert auch nicht lange, bis der betrunkene, gewalttätige Vater des kleinen Jungen auf der Bildfläche erscheint. Während sie sich einen (noch) verbalen Schlagabtausch liefern, erscheint ein Geist, der allem Anschein nach der Vater des Kinderschlägers ist. Und der war, zumindest als er noch lebte, keinen Deut besser als sein verdorbener Sohn. Jedoch verspricht er, sich seinen Sohn vorzuknöpfen. Doch hat er noch eine Nachricht von Tannen, nämlich dass seine bevorstehende Aufgabe kein Zuckerschlecken wird. Tannen ist sich dieser Tatsache bewusst und sein nächster Wunsch an Random ist gleichermaßen schlicht wie kompliziert: Nämlich ihn, Tannen, nach Hause zu bringen…

Man merkt schon, dass Fiona Averys Lehrmeister kein anderer als Joe Michael Straczynski war. Denn genau wie “Big Joe” hat auch Avery ein untrügliches Gespür für ausgefallene Geschichten. Wenn auch das Thema der gespaltenen Persönlichkeit nicht neu ist, so ist es doch hier gleichermaßen clever wie auch witzig umgesetzt worden. Denn die Tatsache, dass sich ein “neuzeitlicher” Dieb und ein Samurai aus dem feudalen Japan denselben Körper teilen und abwechselnd die Kontrolle darüber haben, sorgt immer wieder für ein vergnügtes Schmunzeln auf dem Gesicht der Lesenden. Spätestens die Dialoge zwischen Tannen und Random sorgen für Lacher. Dass die Serie gleich im ersten Heft auf Holguin’sches Kitschniveau abdriftet und unsere Helden gleich in einen Spawn-typischen Vater-Sohn-Konflikt gezogen werden, kann man eigentlich deswegen ganz gut verschmerzen, alldieweil sich ja die beiden Hauptprotagonisten schlussendlich doch nicht um die Konfliktlösung kümmern müssen. Soweit zum inhaltlichen Teil, kommen wir nun zur grafischen Umsetzung dieses Spektakels. Mit Clayton Crain hat man meiner Meinung nach den ultimativen Zeichner für diese Serie gefunden. Denn seine total abgedrehten Zeichnungen bzw. seine abgedrehte Darstellung der Charaktere unterstreicht das Augenzwinkern, dass Avery in diese Serie brachte, total. Da sich Crain seine ersten Sporen als “McFarlane Erbe” bei Kiss: Psycho Circus verdient hat, bringt sein Zeichenstil etwas frischen Wind in das Top Cow-Einerlei. Auch die Farben von Matt Nelson können begeistern. Insgesamt gesehen also ein sehr gelungenes Heft und ein wunderbarer Einstieg für Fiona Avery in die Welt der Comics. Ich bin mir sicher, von dieser Dame werden wir noch so einiges zu lesen bekommen…

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