Foto: Laurence Ellis / Sony Music

Hurts – Exile

Ich erinnere mich noch gut: Im Sommer des Jahres 2010 war es unmöglich, dem Phänomen Hurts zu entkommen. Ganz plötzlich war das Duo Theo Hutchcraft und Adam Anderson auf der Bildfläche erschienen und wurde quasi über Nacht zum nächsten großen Ding im Synthie-Pop-Bereich. Manch einer ging in seiner spontanen Begeisterung sogar so weit, Hurts als die größte Entdeckung seit Depeche Mode zu feiern. Gut, das war dann wohl doch etwas viel der Euphorie. Unbestreitbar ist und bleibt allerdings, dass sie mit ihrem Debütalbum “Happiness” ein sensationelles Album abgeliefert haben, das als Klassiker in seinem Genre angesehen werden darf. Nach “Happiness” stellte sich die Frage, ob Hurts ein One-Hit-Wonder werden würden oder ob sie gekommen waren, um zu bleiben. Nun, da wir uns hier und heute wieder über Hurts unterhalten, ist offensichtlich letzteres eingetreten. Mit “Exile” stellen sie sich drei Jahre nach ihrem Debüt der immer schwierigen Aufgabe, einen Nachfolger zu einem Meisterwerk zu liefern. Wie gut mag ihnen das wohl gelungen sein?

Schon zu Beginn machen Hurts klar, dass “Exile” kein Spaziergang durch ein Vielbesserland wird, in dem man von einem Haufen guter Laune in den nächsten stapft. Viel düsterer wirkt die (Klang-)Welt von Hurts im Jahre 2013. Wie ein mit dunklen Wolken verhangener Horizont. Die Leichtfüßigkeit von einst ist verschwunden. Direkt zum Start gibt es den Titelsong, der sich ganz sachte einwobbelt und sich zum Ende hin in die Hurts-typische, pathetische Epicness steigert. Und bei der Gelegenheit demonstrieren sie ihren gereiften Sound, der, angereichert mit deutlich herausgearbeiteten Gitarren, vielfältiger daherkommt als noch beim Vorgänger. Verspielt sind sie dennoch geblieben, Beispiele dafür finden sich viele. Wie etwa “Sandman“, das zu Beginn mit einem Beat und einem Sound aufwartet, den ich eher im Hip-Hop-Bereich verorten würde. Oder das stampfende “Cupid“. Und dann ist da ja auch noch das verschroben-knarzige “Mercy“. Es erinnert nicht zuletzt durch den dezent verzerrten Gesang an das, was für gewöhnlich aus dem Hause IAMX geliefert wird. Das vorab als Single ausgekoppelte “Miracle” kommt dem gewohnten Hurts – Sound vom Vorgänger noch am nächsten. Hurts treten musikalisch nicht auf der Stelle, sind aber immer noch unverkennbar Hurts. Sicherlich liegt das zu großen Teilen auch an Theos nach wie vor beeindruckender Stimme.

Foto: Sony Music

Bereits “Happiness” verfügte über eine astreine Produktion. “Exile” toppt das allerdings noch mal um Längen. Einen derart differenzierten, luftigen, schwebenden und gleichzeitig so druckvollen Sound werden wir in diesem Jahr nicht so häufig zu hören bekommen, fürchte ich. Die Arrangements auf “Exile” sind mit üppig schon ganz gut umschrieben. Und dennoch kann man – entsprechendes Abspielgerät vorausgesetzt – jede Feinheit dieser detailverliebten Produktion heraushören. Den Inhalt mal außer Acht gelassen ist “Exile” somit ein Freudenfest für jeden soundverliebten Musikhörer. Tatsächlich hat mich der Klang dieser Scheibe mehr beeindruckt als der Inhalt. Mächtig. Mehr kann man dazu nicht sagen.

Schön, dass Hurts keine Eintagsfliege geblieben sind. Die schwierige Aufgabe, einen würdigen Nachfolger zu einem von Kritikern und Konsumenten gefeierten Debüt abzuliefern, meistern sie spielend. Im Rahmen der Berichterstattung zum Vorgänger sagte Adam Anderson einst, er liebe Musik, weil sie einen Teil der Leere fülle, die er immer spüre. Auch “Exile” ist ein ganz formidables Mittel, Leere zu füllen. Wodurch auch immer sie hervorgerufen sein mag.


Ich muss gestehen, dass mich das zweite Hurts – Album zunächst nicht so gekickt hat wie noch das erste. Ich brauchte dieses Mal tatsächlich mehrere Anläufe, bis mich Hurts erreichten. Vor allem im letzten Drittel sind mir die ganzen “aaaaaaahs” und “oooooohs” sowie das pathetische Gejammer dann doch etwas too much. Das ist aber nur mein persönliches Empfinden und ändert nichts daran, dass auch “Exile” ein Top-Album ist, das in die Sammlung gehört – und über die Zeit vermutlich über die größere Nachhaltigkeit verfügt, als “Happiness”.


Erscheinungsdatum
1. März 2013
BAND/KÜNSTLER:IN
Hurts
ALBUM
Exile
LABEL
Four Music (Sony)
Unsere Wertung
8.2
Hurts – Exile
FAZIT
Den Inhalt mal außer Acht gelassen ist "Exile" somit ein Freudenfest für jeden soundverliebten Musikhörer. Tatsächlich hat mich der Klang dieser Scheibe mehr beeindruckt als der Inhalt. Mächtig. Mehr kann man dazu nicht sagen.
INHALT/KONZEPT
7
TEXTE
7
GESANG
9
PRODUKTION
9.5
UMFANG
8
GESAMTEINDRUCK
8.5
Leserwertung0 Bewertungen
0
POSITIV
Sensationelle Produktion.
Angenehm düstere Grundstimmung.
Theos vielseitige Stimme.
NEGATIV
Gegen Ende nehmen die ooooohs und aaaaahs ein bisschen überhand.
8.2
PUNKTE

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