Foto: dtv Verlag

Sophie D. Crockett – Nach dem Schnee

Das Ende der Welt, wie wir sie kennen, ist schon unzählige Male in jedem Medium, das sich für das Erzählen einer Geschichte anbietet, verarbeitet worden. Entweder ist direkt ein Untergangsszenario entworfen worden oder aber das Ende der fetten Jahre – bzw. die Zeit danach – dient als Schauplatz. Bei Sophie D. Crocketts Debütroman “Nach dem Schnee” trifft letzteres zu. Ob es ihr wohl gelungen ist, diesen ausgelutschten Rahmenbedingungen neue Seiten abzugewinnen, eine Geschichte zu erzählen, wie sie nicht bereits etliche Male in ähnlicher Form dargeboten wurde?

Es ist eine der Stärken ihres Romans, dass Sophie D. Crockett ihre Leser im völlig im Unklaren darüber lässt, welche globale Katastrophe wohl passiert sein mag. Man erfährt nur, dass in der Welt ihrer Geschichte, angesiedelt ca. 50 Jahre in der Zukunft und in Wales verortet, eine neue Eiszeit über Europa hereingebrochen ist. Was dazu geführt hat, darüber verliert die Autorin kein Wort. Ist für die Geschichte, die sie erzählt, aber auch tatsächlich völlig unerheblich. Sie konzentriert sich stattdessen ausschließlich auf den Jungen Willo Blake, der mit seiner Familie in den eisigkalten, verschneiten Bergen haust. Ihr Überleben sichern sie durch Fallenstellen und der Weiterverarbeitung der erlegten Wildtiere in Nahrung und warme Kleidung. Letztere wird auch gerne mal als Handelsmittel verwendet. Sicherlich ist es kein sonderlich schönes Leben, das sie führen, aber irgendwie schlagen sich Willo und seine Familie, bestehend aus seinem Dad, Magda und den Zwilligen durch. Man kann also wohl sagen, ihre Welt ist unter den gegebenen Umständen soweit in Ordnung.

Bis zu jenem Tag, an dem Willo nach Hause kommt und von seiner Familie jegliche Spur fehlt. Alles wirkt so, als seien sie in großer Hast, vermutlich auch nicht ganz freiwillig, aufgebrochen. Einziger Anhaltspunkt: Reifenspuren von Lastwagen, die für gewöhnlich sonst nur im Umfeld der nahegelegenen großen Stadt herumfahren, einem Ort, der mehr einer Art Zwangslager gleicht als einem Ort, an dem man existieren möchte. Von Leben kann da schon keine Rede mehr sein. Und so macht sich Willo auf, um seine Familie zu finden – in einer eisig kalten, lebensfeindlichen Umgebung, in der die ewige Kälte ziemlich bald Willos geringstes Problem darstellt. Und dann ist da ja auch noch das Mädchen Mary…

Sicherlich: weder die Ausgangslage noch die Handlung selbst sind sonderlich neu oder innovativ. Ewigen Schnee und ein dramatisches Survivalabenteuer bekommen wir hier nicht zum ersten Mal serviert. Macht in dem Fall aber nichts, denn Frau Crockett bemüht einen interessanten Kniff in der Erzählung ihrer Geschichte, um selbige dennoch unterhaltsam zu machen: Willos Abenteuer wird direkt aus seiner Sicht geschildert. Das Besondere daran ist die Art, wie die Autorin es schafft, den Leser direkt in den Kopf eines eigenwilligen, eigenbrötlerischen Teenagers zu versetzen. Man liest “Nach dem Schnee” nicht nur, man erlebt es. Entscheidenden Anteil dürfte die flotte, sehr umgangssprachlich gehaltene Schreibe sein, die wirkt, als sei sie direkt dem Hirn von Willo entsprungen. Wenn sich Willo in seine abgelegene Höhe zurückzieht, wenn er sich im Haus seiner Eltern vor Eindringlingen befindet, wenn er vor einer Überzahl mächtiger Verfolger flieht – dann ist man dank des Könnens der Autorin mittendrin anstatt nur dabei. Und das ist es letztendlich auch, was die etwas überstrapazierten Rahmenbedinungen ihrer Geschichte wieder ausgleicht.


Auf dem Buchdeckel propagiert der dtv Verlag “Nach dem Schnee” als Thriller. So richtiger Thrill wollte sich allerdings über weite Strecken des Buches bei mir nicht einstellen – liegt vielleicht auch daran, dass dtv dieses Buch für Leute ab 14 empfiehlt. Es war eher so eine Art Faszination zu beobachten, wie sich Willo auf sehr eigentümliche Weise durch eine unbarmherzige, lebensfeindliche Umwelt kämpft und dabei dem Verschwinden seiner Familie auf den Grund geht. Dass ich das Buch nicht aus den Händen legen konnte, liegt vor allem aber an der Schreibe von Sophie D. Crockett, die das Buch zu einem kurzweiligen Vergnügen macht. Somit ist die Lektüre von “Nach dem Schnee” keine Zeitverschwendung, die ganz großen Überraschungen im Hinblick auf das vermeintlich postapokalyptische Szenario bleiben jedoch aus.


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