Foto: Roman Jasiek / AVALOST / Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz

Romans Logbuch: Über das Meerweh

Der Countdown in meiner App zeigt mir an, dass es nun nur noch 12 Tage und drei Stunden sind, bis das Schiff in Hamburg Steinwerder ablegt und es endlich – endlich! – wieder auf große Fahrt geht. Naja ok, dieses Mal ist es eher eine kleine Fahrt. Eine Kurzreise soll es werden, vier Tage mit der Mein Schiff 4. Dieses Schiff scheint sich zu eben jenem zu mausern, mit dem Leute in unserem Dunstkreis ihre ersten Erfahrungen mit dem Thema Kreuzfahrt machen. Schließlich passiert es in 12 Tagen zum wiederholten Male, dass mir bekannte Kreuzfahrt-Debütantinnen und -Debütanten das erste Mal Seeluft vom Wasser aus an Bord eines Wohlfühlschiffes von TUI Cruises schnuppern. Die Reise habe ich ziemlich spontan und quasi last minute gebucht – einen so kurzen Countdown hatte ich noch nie. Und doch ist jede Stunde des Wartens eine gefühlte Ewigkeit.

Weder geht es mir in diesem Logbucheintrag um die Mein Schiff 4 – die ist an anderer Stelle schon ausführlich gewürdigt worden und bekommt auch in naher Zukunft noch einmal einen weiteren Kreuzfahrt-Report spendiert – noch um bestimmte Reedereien oder Destinationen, sondern um etwas, das sich nicht wirklich beschreiben lässt: die unstillbare Sehnsucht nach dem Meer. Oder Meerweh, wie es in Kreuzfahrerkreisen gerne auch genannt wird. Wen die See einmal gepackt hat, den lässt sie nicht los.

Es verhält sich mit dem Meerweh wie mit der Matrix in gleichnamigen Sci-Fi-Film mit Keanu Reeves. Man kann nicht erklären, was die Matrix ist, man muss sie selbst erleben. So lautete stets der Erklärungsversuch, etwas schwer begreifliches begreiflich zu machen. Und so verhält es sich auch mit dem Meerweh.

Immer wieder werde ich gefragt, warum mich Kreuzfahrten so begeistern. Gerne auch von Leuten, die nur allzu bald mit den üblichen Klischees um sich werfen, die vor allem von denen kommen, die nie einen Fuß auf ein Kreuzfahrtschiff gesetzt oder sich näher mit dem Thema beschäftigt haben. Gefolgt von jenen, die (mitunter durchaus angebrachte) Kritikpunkte wiederkäuen. Nein, die große Faszination für das Reisen mit dem Schiff kommt nicht durch die vielen Möglichkeiten an Bord, sich die Zeit zu vertreiben. Auch ist es nicht die Vielzahl an Speisen und Getränken, die Bequemlichkeit eines Hotelzimmers in Kombination mit dem Umstand, dass mein schwimmendes Hotel immer wieder in einem anderen Land steht und das Entdecken neuer Länder und das Kennenlernen neuer Menschen und Kulturen ermöglicht. Und davon viele in kürzester Zeit, je nach Route und Reisedauer.

Das sind alles Nebeneffekte, die ich durchaus zu schätzen weiß, die aber nicht dieses unbändige Fernweh – oder eben Meerweh – auslösen.

Es sind die Seetage.

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Mitten in der unendlichen Weite eines Ozeans, ringsherum nichts als Wasser, das beruhigende Geräusch des Rauschens, das ein Schiff erzeugt wenn es sich durch die Wellen schiebt, die Sonne die am Ende des Horizonts hinter eben diesem scheinbar ins Wasser fällt, der Wind, der mit den Haaren spielt, das Gefühl, ganz klein zu sein, die Gedanken in alle Richtungen abdriften zu lassen, die persönlichen inneren Maschinen mal herunterfahren und wirklich, als gestresster Großstädter in einer immer schnelleren und komplexeren Welt, abschalten zu können – das ist es, was für mich den Reiz ausmacht. Was in mir das Meerweh weckt. Nachdem ich einmal erlebt habe, wie sehr ich auf einem Seetag inneren Frieden und zu mir selbst finden kann, möchte ich dieses Gefühl so oft es denn eben möglich ist, wiederholen. Ich habe bisher nichts finden können, was den gleichen Effekt erzeugt. Wen die See einmal gepackt hat, den lässt sie nicht mehr los.

Manchmal passiert es, dass ich mir Fotos vergangener Reisen oder Berichte/Videos anderer Blogger-Kollegen anschaue und mich dieses Meerweh mit einer Wucht überfällt, dass es fast schon schmerzhaft ist. In anderem Zusammenhang wäre das Gefühl vermutlich vergleichbar mit Liebeskummer. Ich möchte manchmal entgegen jeder Vernunft und Möglichkeiten in Richtung des nächstgelegenen Hafens fahren und spontan, last minute, ein Schiff besteigen. Und nie wieder absteigen.

Ich genieße das Glück und Privileg, in meinem Leben schon so manches tolle Land bereist zu haben zu dürfen – nirgendwo auf dieser Welt konnte ich aber bisher so sehr abschalten, wie inmitten der unendlichen Weite des Meeres. Andere Menschen versuchen es mit Yoga, Meditation, gehen Wandern, setzen sich an den Fuß eines Berges, fahren mit dem Auto oder Fahrrad endlose Straßen entlang oder haben noch andere Wege, ihre persönliche Mitte zu finden, ihrer Seele einen Moment der Ruhe und des Friedens zu schenken. Seetage sind meine.

Ich kann nicht behaupten, schon sämtliche anderen Alternativen probiert zu haben. Vielleicht gibt es noch etwas anderes, das ähnliches bewirkt. Das weiß ich nicht. Was ich aber weiß: das Meerweh, dieses besondere Fieber, das werde ich nicht mehr los. Meerweh ist unheilbar – und eigentlich möchte ich davon auch gar nicht geheilt werden. Wen die See einmal gepackt hat, den lässt sie nie wieder los.

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