Foto: Roman Jasiek / AVALOST / Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz

Romans Logbuch: Über Vorstands- sowie Personalgehälter und deren Einfluss auf die Nachhaltigkeitsbemühungen der Reedereien

Kommen wir heute mal zu einer Schattenseite des Kreuzfahrtgeschäfts. Speziell geht es mir um Gehälter und die Praxis der Steuervermeidung – Verzeihung – Steueroptimierung, die bei so ziemlich allen Reedereien gelebte Wirklichkeit sein dürfte. Während man einerseits bestrebt ist, den Passagieren immer noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen durch Extras, für die an Bord Geld fällig ist, wird andererseits darauf geachtet, dass die Angestellten zu Gehältern Dienste schieben müssen, die – vorsichtig formuliert – grenzwertig ausfallen. Ich möchte an dieser Stelle nicht den Pauschalhammer auspacken, sicherlich muss das wie alle Aspekte der Kreuzfahrt differenziert betrachtet werden. Dennnoch gibt es eine Personengruppe, die unter anderem von all diesen … Tricks … ganz besonders profitiert: die CEOs bzw. Geschäftsführer der Unternehmen.

Jim Walker hat auf seinem Blog Cruise Law News mal aufgedröselt, wieviel die CEOs der drei großen Reedereien Norwegian Cruise LineRoyal Caribbean sowie Carnival Cruise Line im vergangenen Jahr an Gehältern (inkl. Boni und weiterer Vergütungen) eingestrichen haben. Sein Beitrag stützt sich auf einen Artikel der Zeitung Sun Sentinel, in welchem die zehn bestverdienenden CEOs in Südflorida beleuchtet werden.  Darunter eben auch besagte Kreuzfahrt-CEOs, die in Summe im Jahr 2018 rund 48.500.000 US-Dollar an Vergütung einstrichen. Dafür müssen die Housekeeping-Teams verdammt lange Putzen, Barkeeper unzählige Drinks mixen. Grob überschlagen: Mehr als 500 Jahre lang.

Satte 22.590.000 US-Dollar entfielen dabei an Frank Del Rio von der Norwegian Cruise Line Holding, der damit den Spitzenplatz belegt. Richard Fain von Royal Carribean kassierte 2018 rund 13.510.000 US-Dollar, gefolgt von Arnold Donald von der Carnival Corporation mit einem annähernd gleichen Betrag. Die Grundsatzdiskussion über gerechtfertigte oder nicht gerechtfertigte Vorstandsgehälter will ich an dieser Stelle gar nicht aufmachen, übernehme aber gerne die von Herrn Walker in den Raum geworfene Frage:

Wie viele NCL-Mitarbeiter müssen über 12 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, dreißig Tage im Monat für acht Monate ohne Urlaubstag arbeiten, damit CEO Del Rio über 22 Millionen US-Dollar im Jahr kassieren kann?

Die Frage bekommt dadurch Brisanz und Berechtigung, wenn man sich vor Augen führt, dass Herr Del Rio in der Gewinneinschätzung für 2015 dereinst verlauten ließ: „Wir haben uns die gesamte Flotte angesehen, um Bereiche zu identifizieren, in denen schon marginale Änderungen reichen können, um die Ergebnisse zu verbessern. Einige Beispiele sind etwa der die durchschnittliche Anhebung der Getränkepreise um 6,7%, die Einführung einer nominalen Zimmerservice-Gebühr sowie niedrigere Kosten durch neu ausgehandelte Landausflugsverträge. Um zu veranschaulichen, wie sich diese kleinen Veränderungen schnell summieren können: Jeder Anstieg der Rendite bedeutet etwa 15 Millionen Dollar für das Ergebnis“.

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Da werden also Kunden geschröpft und Arbeitnehmer ausgebeutet (weil man ja weder Steuern in den USA zahlen noch sich an bestehende Lohn bzw. Arbeitsgesetze halten muss), gleichzeitig sehen sich CEOs wie Arnold Donald mit Strafzahlungsforderungen wegen Umweltverschmutzung und anderer Vergehen in Millionenhöhe den von ihnen geführten Unternehmen gegenüber konfrontiert – ehrlich, da muss man sich über das negative Bild, das immer wieder über das Thema Kreuzfahrt gemalt wird, nicht wundern. Manche Probleme sind einfach hausgemacht. Solange die Unternehmen jedoch nicht durch entsprechende Gesetze dazu verpflichtet werden, Gehälter und Steuern wenigstens nach den Standards des Landes zu zahlen, wo sich der Unternehmenssitz befindet, wird sich nicht viel ändern, fürchte ich. Zwar ließe sich dann munkeln, dass die Unternehmen ihren Sitz in irgendwelche Steuerparadiese verlegen, aber vielleicht ließe sich auch hier ein Hebel finden, der dem entgegenwirkt. Unterm Strich sind das aber viel zu viele Vielleichts, aus denen lieber früher als später eine klare Kante werden muss.

Ein Beispiel dazu, wie Unternehmen – auch die deutschen – immer versuchen, Mittel und Wege zu finden, Preise zu drücken ist gerade in der aktuellen Ausgabe der “Bühnengenossenschaft“, dem Fachblatt der Genossenschaft deutscher Bühnen-Angehöriger (Theatergewerkschaft) zu finden. In der Kolumne “Arbeitsplatz Kreuzfahrtschiff“, die übrigens auch online gelesen werden kann, nähert sich der Autor Jörg Rowohlt dem Thema unter den Gesichtspunkten der Musicaldarstellerinnen und -darsteller, Sängerinnen und Sänger, Tänzerinnen und Tänzer und allen anderen, die während einer Kreuzfahrt mitunter mehrmals täglich auf der Bühne stehen und beispielsweise ein Best Of Musicals vortragen. Dort heißt es: “Darüber hinaus gilt unter bestimmten Umständen auch ausländisches Arbeitsrecht, zum Teil sogar Nicht-EU-Recht. So können zum Beispiel die deutschen Arbeitszeitvorschriften umgangen werden. Berichte von siebzigstündigen Arbeitswochen sind nicht selten, was einen Verstoß gegen die EU-Arbeitszeitrichtlinie darstellen würde. Sonn- und Feiertage gelten als mit dem Honorar abgegolten – von dem gelegentlich 10 Prozent erst mit Vertragsende ausgezahlt werden“.
Und weiter: “Zu den Abwägungen, die potenzielle Interessentinnen und Interessenten wie Passagiere gleichermaßen anstellen sollten, gehört auch der Umgang der Reedereien mit ihren sonstigen Crew-Mitgliedern: Über 80 Prozent von ihnen kommen aus Billiglohnländern wie Indonesien, Indien oder den Philippinen. Gerade in Positionen zum Beispiel als Zimmermädchen oder Kellner arbeiten sie oft zehn bis zwölf Stunden am Tag und sieben Tage die Woche über mehrere Monate am Stück. Dafür bekommen sie gerade mal zwischen 2,65 und 4,40 Euro pro Stunde – auf jeden Fall weit weniger als den deutschen Mindestlohn. Möglich ist das, weil die Reedereien den Lohn mit Agenturen aus den Heimatländern verhandeln. Die Reedereien halten dagegen, alle Besatzungsmitglieder an Bord würden entsprechend ihrer jeweiligen Qualifikation und Berufserfahrung entlohnt. Meint: Gemessen an den Löhnen in ihren Heimatländern sind das fürstliche Gehälter“.

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Immer wieder ist zu lesen, wie sich Reedereien um ein besseres Image bemühen. Was sie alles unternehmen, um Kreuzfahrten nachhaltiger zu gestalten. Gerade erst wurde das weltweit erste Hybridschiff in Dienst gestellt. Liebe Unternehmen: Es passt nicht zusammen, Bemühungen in umweltfreundlichere Antriebe zu stecken und gleichzeitig alle Register zu ziehen, was die Vermeidung von Kosten im Hinblick auf Gehälter und Steuern anbelangt. Vielleicht kann bei entsprechender Besserstellung der Angestellten eine Reederei wie Costa (gehört zum Carnival-Konzern) keine 8-tägige Mittelmeerkreuzfahrt zum Kampfpreis von rund 300 Euro mehr anbieten – aber wäre das wirklich ein Verlust? Die drei oben erwähnten CEOs würden diese Frage sicher bejahen.

Letztlich dürfte es aber wie in so vielen Fällen die Kunden mit ihrem Verhalten sein, die Veränderungen bewirken können. Es liegt auf der Hand, dass gerechte(re) Lohn- und Steuerzahlung letztlich auf die Kunden umgemünzt würden. Die CEOs werden sicher nicht auf ihre Beute ihren Lohn verzichten wollen. Ich für meinen Teil bin gerne bereit, einen entsprechend höheres Entgelt zu zahlen – und ich bin damit sicher nicht alleine. Ich bin mir durchaus bewusst, dass ein höherer Reisepreis für manche Kreuzfahrtfans sicher bedeuten würde, eben nicht mehrmals jährlich zu kreuzen. Alleine schon auf die persönliche CO2-Bilanz würde das aber einen positiven Einfluss haben. Am Ende ließe sich so also auch so ein Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit leisten.

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