Foto: Seabourn Cruise Line / Boat Worx

Künftig auch Unterwasser: Seabourns kommende Luxus-Expeditionsschiffe bekommen U-Boote

Es ist und bleibt ein Wettrennen zwischen den Reedereien, wer die (vermeintlich) spannendsten Attraktionen an Bord der eigenen Schiffe zu bieten hat. Und ich glaube, nachdem wir nun eine Art fliegenden Teppich (Celebrity EdgeCelebrity Cruise), Autoscooter (Anthem of the SeasRoyal Caribbean International) oder eine Achterbahn (Mardi GrasCarnvial Cruise Line) an Bord von Ozeanriesen erleben können bzw. dies bald tun können, wird die Luft an denkbaren Attraktionen so langsam dünn. So ein Kreuzfahrtschiff, und sei es noch so ein Gigant, hat eben nur begrenzten Platz. Erst wenn man dazu übergeht, aus Schiffen schwimmende Inseln zu machen, werden sich hier vermutlich noch mehr Möglichkeiten ergeben. Abzusehen ist das derzeit nicht, aber man weiß ja nicht, was angesichts des noch immer anhaltenden Booms in den jeweiligen Chefetagen an Szenarien durchgespielt wird.

Auch hinsichtlich der Destinationen ist inzwischen nicht mehr viel übrig, wo noch nicht das ein oder andere Schiff kreuzt. Selbst für bestimmte Regionen werden inzwischen maßgeschneiderte Pötte gebaut. So zum Beispiel die Celebrity Flora, die einzig für den Einsatz auf den Galapagosinseln entworfen und gebaut wurde. Was also tun?

Die Antwort ist so einfach wie konsequent naheliegend: Man bietet seinen Gästen die Möglichkeit, die Welt nicht ausschließlich oberhalb der Wasseroberfläche zu erkunden, sondern auch die darunter.

Seabourn Cruise Line, im Ultra-Luxus-Bereich unterwegs mit einer Zielgruppe von wirklich gut betuchten Gästen – immerhin startet eine siebentägige Ostseekreuzfahrt beispielsweise bei 3200 Euro pro Person – , hat heute in einer Pressemitteilung verkündet, dass sie für die im Bau befindliche Seabourn Venture (kommt im Juni 2021) als auch ihr noch namenloses Schwesterschiff werden jeweils mit zwei U-Booten ausgestattet. Dabei handelt es sich um Boat Worx Cruise Sub 7-Unterseeboote, die speziell für Seabourn entworfen und gebaut werden.

Diese U-Boote werden batteriebetrieben sein, sechs Gästen sowie einem Piloten Platz bieten und in eine Tiefe von bis zu 300 Metern vordringen können. Ziel sei es, versunkene Wracks, Riffe und Meerestiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu erkunden. Die Gäste sitzen in zwei transparenten Acrylkugeln, welche die Station des Mittelpiloten flankieren und die einen atemberaubenden Blick auf die Meereswelt in nahezu alle Richtungen ermöglichen sollen. Zusätzlich sind die drei Passagiersitze jeder Kugel auf einer rotierenden Plattform montiert, die sich für noch bessere Sichtverhältnisse drehen lässt.

Robin West, Vice President of Expedition Operations für Seabourn, erklärt: „Die Unterwasserwelt wird oft als die letzte große Grenze auf der Erde betrachtet, wobei mehr als 80 Prozent des Unterwasserbereichs nach Angaben der U.S. National Oceanic and Atmospheric Administration unerkundet, unbeobachtet und unerforscht bleiben. Mit diesen U-Booten werden wir unsere Gäste an Orte bringen, die nur wenige jemals aus erster Hand gesehen haben, so dass sie einen Blick auf die Welt um uns herum haben werden, die nicht nur atemberaubend ist und Eindrücke verschafft, an die man sich ein Leben lang erinnern wird“.

Doch damit noch nicht genug, Seabourn setzt noch einen drauf: Eine 4K-Unterwasser-Videokamera wird die Welt vor dem U-Boot aufnehmen, während eine interne Videokamera Bilder von Gästen im Inneren und in ihrer direkten Umgebung aufnimmt. Im Discovery Center kann anschließend während Vorträgen an Bord der Kreuzfahrtschiffe Videomaterial heruntergeladen und auf Großleinwände projiziert werden. Ein Sechsfach-Schwenkarm, der bis zu 32 kg (ca. 70 Pfund) heben kann, wird ebenfalls an einer Seite des Bootes montiert. Im Einklang mit dem luxuriösen Standard von Seabourn wird jedes U-Boot auf beiden Schiffen mit einer individuell bestickten Lederausstattung, zwei Klimaanlagen, einer Bluetooth-Stereoanlage und einer Champagner-Kühlanlage für Gäste ausgestattet, die auf ihre Entdeckungsreise anstoßen möchten.

Die U-Boote sollen mehrmals täglich in Regionen auf der ganzen Welt eingesetzt werden, in denen die Bedingungen dafür geeignet sind. Sie werden mit Unterwasser-LED-Flutlichtern, bildgebenden Sonaren, die als zweites Augenpaar fungieren sowie fortschrittlichen Unterwasser-Tracking und Navigationssystemen ausgestattet sein.

Da die Seabourn Venture und ihre Schwester bei allem Schickimicki als Expeditionsschiffe konzipiert sind, stehen für die erste Saison unter anderem Ziele in der Arktis und Antarktis sowie im Amazonasgebiet auf dem Reiseplan. Jede Wette, dass dies für diejenigen, die es sich leisten können (und wollen), ein paar sehr spannende Unterwasserausflüge beinhalten wird. Ein Ausflug mit so einem U-Boot ist bei Seabourn übrigens aufpreispflichtig.

Ich gebe zu, ich bin ein bisschen zwiegespalten, was diese Entwicklung anbelangt. Einerseits finde ich solche Expeditionen gut, da sie mehr zum Verständnis unseres blauen Planeten – und dessen Erhalt! – beitragen können. Andererseits fürchte ich, dass Ausflüge mit U-Booten sich genauso rasch auch im Massenmarkt wiederfinden, was meines Erachtens kontraproduktiv ist. Wer nun denkt, aaach, das kann nicht passieren, das ist nur was für reiche Schnösel – so hat man bis vor noch gar nicht allzu langer Zeit über Kreuzfahrten auch gedacht. Und heute kann man für rund 300 Euro eine Woche durch das Mittelmeer schippern. Man wird sehen, wohin quasi buchstäblich die Reise geht.

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