Foto: Claudia Schöne / Guiding Light (guiding-light.de)

Trotz (oder gerade wegen) Corona: VNV Nation spielen Konzerte in Autokinos – und vor Publikum in Strandkörben

Auch wenn wir inzwischen Zeuge davon werden, wie die Beschränkungen, die uns zum Schutze vor COVID-19 auferlegt wurden, Stück für Stück gelockert werden – mit dem faden Beigeschmack, immer mehr Menschen scheinen zu glauben, der Virus wäre aus der Welt bzw. besiegt – so ist das Thema definitiv noch nicht durch. Persönlich fürchte ich, dass wir zu schnell zu viel wollten und uns das Thema noch einmal einholen wird. Härter als vorher. Abgesehen davon werden uns alleine die wirtschaftlichen Folgen noch sehr lange auf Trab halten.

Von allen Wirtschaftszweigen sind es Kunst und Kultur bzw. die Unterhaltungsindustrie, die ganz besonders von den Maßnahmen und der noch immer fehlenden Unterstützung des Staates zu leiden haben. Geschlossene Clubs, Theater, Kinos, Konzertabsagen – Ihr habt es sicher alle mitbekommen, was los ist. Ohne allzu sehr den Teufel an die Wand malen zu wollen: Wenn wir diese Coronakrise überstanden haben, werden so manche Konzertveranstaltenden, Musikschaffenden usw. ihre bisherige Tätigkeit aufgrund des wirtschaftlichen Ruins an den Nagel gehangen haben. Je weiter wir hier die Beobachtung auf Subkulturen lenken, umso öfter wird uns das begegnen, dass Veranstaltungsorte oder Bands ihren Betrieb eingestellt haben.

Gleichzeitig begegnet uns neuerdings auch ein Phänomen, was man vor Corona allenfalls als gelegentliche Sonderveranstaltung wahrgenommen hätte, nicht aber als Maßnahme, Kunst und Kultur am Leben zu halten. Ich spreche von Autokinos und Konzerten in eben solchen. Auch VNV Nation werden trotz (oder gerade wegen) Corona Konzerte spielen. Vor Publikum, das im Autokino sitzt. Oder in Strandkörben. Ronan Harris hat diesbezüglich eine Erklärung auf der Facebookseite von VNV Nation veröffentlicht und das Warum dahinter eindrucksvoll, nachvollziehbar und höchst respektabel erklärt:

Like it or not, we live in the time of Covid-19. With that has come lockdowns, distancing and all that. Whether you are aware or not, the entertainment industry has been especially hard hit. It was the first to be closed and will be the last to be open. People who work in venues, live crews, musicians, companies who only exist by offering services as part of entertainment events, the list goes on. All are suffering.

If drive-in shows are a temporary option to get through this time then, I’ll take it. Why? Simple answer – our crew. Yes, the fans too. You’re so fucking important. Don’t ever think otherwise. But without the crew, none of these shows happen. They live from live shows. Artists can sell records but the crew and musicians work from shows and right now there are none for them to work at. Not now and not for a while to come. The German Govt here has helped most other industries out but not ours. Our crew is not Lufthansa. They don’t get a pass. We have to look after our own and some of them are hurting bad. The income from these shows will help them when they need it most.

People obviously want to see these shows because tickets are selling. I will make these shows fun, while we play the songs you love. You know me. I interact. I don’t stand on a stage and ignore you. If you’re in the luminous pink car, I will undoubtedly call you out and make you part of the show. Live shows are live shows, not “impersonate the record” events. They are experiences. We will have fun together.

So, it’s a weird time. I don’t need to say that. We are all painfully aware. These will be different. We’ll tell our kids or grandkids or the robots that do our work about this time. We’ll tell them how we learned how bad we are at home repairs. How long our great intentions about learning a language and a new skill lasted 3 days and maybe learning Esperanto or “Driftwood Carving” weren’t great ideas to begin with. When we thought that toilet paper might replace currency. How much weight we gained/lost. The things we imagined doing to our neighbours who wouldn’t shut the fuck up for 5 minutes. We will have stories and we will tell them. The people out there taking care of the sick, and all the people doing the essential jobs that keep everything running, no matter the risk to themselves or their immediate friends and family who they cannot isolate from, they will have other stories and we should listen because, if we learned anything through this, it’s that the people who are ignored and taken for granted are the people who keep our world glued together.

Me, I’m making sure these concerts will help the people in my crew who I can help through this. These people have worked tirelessly to help me do what I do. Without them, as much as you lovely people who come to the shows, the idea doesn’t leave my head. They work their arses off and they are family.

So, come to the shows. Put some stupid décor on your car. Let’s sing. Let’s have a laugh. Let’s find some happiness in the ridiculous and different.

yours ever-lovingly,
Ronan
)

(Teilweise maschinell übersetzt mit DeepL)


(Ob es uns gefällt oder nicht, wir leben in der Zeit von Covid-19. Damit einher gehen die Abriegelungen, die Distanzierung und all das. Vielleicht ist es Euch nicht bewusst, aber die Unterhaltungsindustrie ist davon besonders hart betroffen. Sie war die erste, die geschlossen wurde, und wird auch die letzte sein, die wieder öffnet. Menschen, die in Veranstaltungsorten arbeiten, Live-Crews, Musiker, Unternehmen, die nur existieren können, indem sie Dienstleistungen als Teil von Unterhaltungsveranstaltungen anbieten, die Liste ließe sich beliebig fortsetzen – sie alle leiden darunter.

Wenn Drive-in-Shows eine vorübergehende Möglichkeit sind, diese Zeit zu überstehen, dann nehme ich sie wahr. Doch warum? Einfache Antwort – unsere Crew. Ja, auch die Fans. Ihr seid so verdammt wichtig! Denkt niemals etwas anderes. Aber ohne die Crew findet kein Konzert statt. Sie leben von Live-Shows. Künstler können Platten verkaufen, aber die Crew und die Musiker arbeiten während für die bzw. während der Konzerte und im Moment gibt es keine, woran sie arbeiten können. Nicht jetzt und auch in Zukunft nicht. Die deutsche Regierung hat den meisten anderen Industrien geholfen, aber nicht unserer. Unsere Crew ist nicht die Lufthansa. Sie bekommen keinen Freibrief. Wir müssen uns um unsere eigenen Leute kümmern, und einige von ihnen sind schwer betroffen. Das Einkommen aus diesen Konzerten wird ihnen helfen, wenn sie es am meisten brauchen.

Die Leute wollen diese Konzerte offensichtlich sehen, weil sich die Tickets verkaufen. Ich werde dafür sorgen, dass diese Shows Spaß machen, während wir die Lieder spielen, die ihr liebt. Ihr kennt mich. Ich interagiere. Ich stehe nicht einfach auf der Bühne und ignoriere Euch. Wenn Du in dem leuchtend rosa Auto sitzt, werde ich Dich ganz sicher ausrufen und Dich zum Teil der Show machen. Live-Shows sind Live-Shows, keine “Imitate the record”-Veranstaltungen. Sie sind Erlebnisse. Wir werden gemeinsam Spaß haben.

Es ist eine seltsame Zeit. Ich brauche Euch das nicht zu erzählen. Wir sind uns alle dessen schmerzlich bewusst. Vieles wird anders werden. Wir werden unseren Kindern oder Enkeln oder den Robotern, die unsere Arbeit verrichten, von dieser Epoche erzählen. Wir werden ihnen erzählen, wie wir erkennen mussten, wie schlecht wir in häuslichen Reparaturen sind. Wie oft unsere großen Ambitionen, eine Sprache zu lernen und eine neue Fertigkeit zu meistern, nur drei Tage andauerten und vielleicht waren das Erlernen von Esperanto oder “Treibholz-Schnitzen” anfangs nicht die besten Ideen. Wie wir dachten, dass Toilettenpapier die Währung ersetzen könnte. Wie viel Gewicht wir zugenommen/verloren haben. Die Dinge, die wir uns überlegten mit unseren Nachbarn zu unternehmen, die keine fünf Minuten lang die Klappe halten würden. Wir werden Geschichten erleben und wir werden sie erzählen. Die Menschen da draußen, die sich um die Kranken kümmern und all die Menschen, die die grundlegenden Jobs erledigen, die alles am Laufen halten, ganz gleich, welches Risiko dabei für sie selbst oder ihre unmittelbaren Freunde und Familienangehörigen besteht, von denen sie sich nicht isolieren können, sie werden andere Geschichten zu erzählen haben. Wir sollten zuhören, denn wenn wir durch all das etwas gelernt haben, dann, dass die Menschen, die ignoriert und für selbstverständlich gehalten werden, die Menschen sind, die unsere Welt am Laufen halten.

Ich werde dafür sorgen, dass diese Konzerte den Menschen in meiner Crew helfen werden. All diese Leute haben unermüdlich daran gearbeitet, mir bei meiner Arbeit zu helfen. Genauso wie Ihr lieben Menschen, die Ihr zu den Konzerten kommt. Mir geht die Idee nicht aus dem Kopf. Sie arbeiten sich den Arsch ab. Und sie sind Familie.

Also, kommt zu den Shows. Bringt irgendeine alberne Dekoration an Eurem Auto an. Lasst uns singen. Amüsieren wir uns. Lass uns etwas Glück im Lächerlichen und Besonderen finden.

Euer immer liebevoller
Ronan)

Natürlich wird es zunächst seltsam sein, bei den energiegeladenen Shows von VNV Nation im Auto (oder Strandkorb) sitzen zu bleiben. Gerade die Konzerte von VNV Nation leben sehr von der Energie auf und besonders auch vor der Bühne. Dennoch ist ein Konzert im Autokino besser als kein Konzert, zumal Ronans Erklärung gleichermaßen schlüssig und nobel ist. Und wenn man Ronan kennt, wenn man seine Musik kennt, dann weiß man auch, dass der Mann das ernst meint. Interessant ist es bei dieser Krise übrigens auch zu beobachten, wie unterschiedlich Kunstschaffende mit der Situation umgehen. Die einen ergehen sich in zunächst albernen, später gefährlichen Verschwörungstheorien und beschreiten Pfade, die sich vielleicht Staatsanwälte mal genauer anschauen sollten, die anderen reißen sich den Hintern auf, um den Kunst- und Kulturbetrieb am Laufen zu halten. Seien es nun gestreamte Wohnzimmerkonzerte, die bei Instagram oder Facebook übertragen werden oder solche Live-Konzerte, wie sie Ronan Harris durchzuziehen gedenkt. Auch die musikalische Düsterszene wird sich durch Corona verändern, nicht zuletzt wegen der Social Media-Entgleisungen einiger weniger. Aber so lange wir Ronan Harris haben, bin ich optimistisch. Let there be, let there always be never ending light.

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