Foto: Kai Kestner / Schwarzer Bock (schwarzer-bock.de)

Konzertbericht: Diary Of Dreams am 7. Oktober 2011 in der Meier Music Hall, Braunschweig

Am vergangenen Freitag, den 7. Oktober, gastierten Diary Of Dreams in unserer liebsten Wohnzimmerverlängerung, der Meier Music Hall in Braunschweig. Endlich, möchte man meinen! Kürzlich erst verkündete DoD-Mastermind Adrian Hates, man wolle 2012 weniger auf deutschen Bühnen unterwegs sein, sondern lieber wieder andere Ziele bereisen, die schon eine ganze Weile nicht mehr in der Reiseplanung untergekommen waren. Da passt es doch gut, dass sie vor der partiellen Abstinenz noch ein Stelldichein in Braunschweig gaben. Und das, liebe Leute, konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen!

Kurz nach 18 Uhr rollte mein Automobil auf dem Hof der Meier Music Hall ein. Und siehe da: eine erste kleine Traube Fans stand schon vor dem Einlass – locker eine Stunde, bevor auch nur die Pforten geöffnet wurden. Die zeitige Anreise ermöglichte es mir, dem Soundcheck zu lauschen und mit DJ Jeanny noch eine Tasse Kaffee zu trinken. Die Zeit bis zum Anpfiff für die Vorband nutzten wir, um mit alten Bekannten zu schnacken. Schließlich waren wir jetzt auch schon wieder eine ganze Weile nicht mehr im Wohnzimmer unterwegs.

Foto: Kai Kestner / Schwarzer Bock (schwarzer-bock.de)

Irgendwas um 20 Uhr herum gingen die Lichter an für die Vorband: Sharon Next aus Wien. Wie wir aus Gesprächen mit Gästen erfuhren, war etlichen Leuten nicht bewusst, dass es überhaupt eine Vorband geben würde. Und der Name Sharon Next verursachte allenfalls Stirnrunzeln. So ambivalent wie unsere Review zum letzten Album “Fast Farewell”, so widersprüchlich waren auch die Reaktionen des Publikums auf das Treiben der Truppe da auf der Bühne. Ein paar wippten tatsächlich mit, der große Rest schien aber am Ende eines Songs nicht mal zu wissen, ob sie dazu nun klatschen sollten oder nicht. Die Aufgabe einer Vorband, das Publikum anzuheizen und schon mal in Stimmung für den eigentlichen Act des Tages zu bringen, erfüllten Sharon Next jedenfalls nicht. Viel zu unbeholfen, nervös und unsicher wirkte dazu der Sänger, der sich lieber vom Publikum wegdrehte, anstatt mit den Braunschweiger:innen zu interagieren. Ob das Masche war oder nicht lässt sich natürlich schlecht beurteilen, aber es machte nicht den Eindruck, dass das Trio, bestehend aus Keyboarder, Sänger und Gitarrist, so wirklich viel Spaß da auf der Bühne hatten. Uns jedenfalls hat diese sehr, sehr eigenwillige Mixtur aus Darkwave und Synthpop überhaupt nicht überzeugt. Nach guten 30 Minuten war das Konzert vorbei und die Bühne wurde für Diary Of Dreams vorbereitet.

Pünktlich um 21 Uhr hieß es dann endlich: Bühne frei für Diary Of Dreams! Eingeleitet wurde das Konzert konsequenterweise mit dem Intro “Into X” aus dem aktuellen Album “Ego:X”. Auf ein großartiges Bühnenbild oder ähnlichen Schnickschnack wurde hier verzichtet, stattdessen schien man sich bei Diary Of Dreams gänzlich auf die Musik konzentrieren und durch Performance begeistern zu wollen. So viel an dieser Stelle: das hat geklapp! Wie immer eigentlich. Was natürlich nicht fehlen durfte war der knorrige Mikrofonständer, dieses Geäst-/Gebäum-/Gestrüppteil, von uns liebevoll mit “ä Tännschen” betitelt.

Interessant ist, dass auch eine Band wie Diary Of Dreams, die es eigentlich ganz locker drauf hat, das Publikum zu mobilisieren, feststellen musste, dass Braunschweig ein hartes Pflaster ist für jeden, der hier aufspielt. Will sagen: es war wie immer im Wohnzimmer; die anwesenden Gäste brauchten wieder eine bestimmte Zeit, um aufzutauen und mitzufeiern. Bei den ersten Songs “Giftraum” und “The Wedding” war die Reaktion des Publikums höflich, aber verhalten. Business as usual im Wohnzimmer. Ab dem dritten Song “Lebenslang” ging es dann aber so langsam los und es wurde zu einer Diary-Party, so wie man es kennt und schätzt. Bemerkenswert war, dass je mehr das Publikum auftaute, auch die Band immer lockerer wurde. Da wurde dann auf der Bühne auch mal ein Scherzchen gemacht wie etwa bei der Anmoderation zu “False Affection, False Creation”, bei der Adrian sagte: “[…] das erste Stück, das wir je veröffentlicht haben. Damals, 1972 war es glaube ich”. Das kam gut beim Publikum an. Ging aber auch an einer Stelle total nach hinten los, als Adrian fragte, ob die Gäste eine Ballade hören wollte, die Anwesenden irgendwie so gar nicht reagierten und sich von irgendwo ein ‘’ einschlich. An diesem Punkt war ein ganz kurzer, ganz kleiner und doch deutlich spürbarer Bruch in der Beziehung, die Band und Publikum bis hierhin aufgebaut hatten. Der Rest des Konzerts wirkte auf uns auch nur noch routiniert, professionell – aber nicht mehr ganz so leidenschaftlich. Dafür war aber beim Publikum ab dem Song “King Of Nowhere” das Eis endgültig gebrochen und die Menge feierte mitunter ziemlich ausgelassen, während Vereinzelte sich, passend zum Bandnamen, mit geschlossenen Augen Musik und womöglich Träumereien hingaben.

SONY DSC

Noch eine Erfahrung, die Diary Of Dreams in Braunschweig machen mussten: die Gäste hier rufen nicht nach Zugabe – scheinbar erwarten sie sie einfach. Es sei denn, anhaltender Applaus reicht auch hin. Uns war klar, dass Diary Of Dreams, die nach der ziemlich genialen Darbietung von “Kindrom” die Bühne verließen, alsbald zurückkommen würden. Ein Blick vorab auf die Setlist hatte damit natürlich üüüüüüberhaupt nichts zu tun. Und so war es dann auch, insgesamt 3x kamen Adrian Hates, Gaun:A (hier übrigens extrem spielfreudig!) und der Rest der Band zurück auf die Bühne, um im Zugabeblock noch Klassiker wie “Chemicals” oder das traditionelle “Traumtänzer” zu spielen. Nach diesem war dann auch wirklich Feierabend. Somit hatten Diary Of Dreams ziemlich genau 2 Stunden gespielt. Und dabei eine ganz hervorragende Leistung abgeliefert. Diary Of Dreams ist eine Band, die auf eigenen Konzerten deutlich besser zur Geltung kommt als etwa während eines Festivals. Wir jedenfalls sind begeistert und hoffen, dass wir Diary Of Dreams wieder in Braunschweig begrüßen können.


Diary Of Dreams Setlist:

  1. Into X (Intro)
  2. Giftraum
  3. The Wedding
  4. Lebenslang
  5. Grey the Blue
  6. Reign of Chaos
  7. Echo in me
  8. Mein-Eid
  9. False Affection
  10. The Colors of Grey
  11. Son of a Thief
  12. Wahn!Sinn?
  13. AmoK
  14. King of Nowhere
  15. Undividable
  16. Kindrom
    —————–
    Zugabe 1
  17. The Curse
  18. Butterfly:Dance!
    —————–
    Zugabe 2
  19. MenschFeind
  20. Chemicals
    —————-
    Zugabe 3
  21. Immerdar
  22. Traumtänzer

Zeen is a next generation WordPress theme. It’s powerful, beautifully designed and comes with everything you need to engage your visitors and increase conversions.

Datenschutz
Ich, Roman Jasiek (Wohnort: Deutschland), würde gerne mit externen Diensten personenbezogene Daten verarbeiten. Dies ist für die Nutzung der Website nicht notwendig, ermöglicht mir aber eine noch engere Interaktion mit Ihnen. Falls gewünscht, treffen Sie bitte eine Auswahl:
Datenschutz
Ich, Roman Jasiek (Wohnort: Deutschland), würde gerne mit externen Diensten personenbezogene Daten verarbeiten. Dies ist für die Nutzung der Website nicht notwendig, ermöglicht mir aber eine noch engere Interaktion mit Ihnen. Falls gewünscht, treffen Sie bitte eine Auswahl: