Foto: Roman Kasperski

Interview mit Beborn Beton zur Veröffentlichung von “A Worthy Compensation”

Lockere 15 Jahre sind vergangen, seit BEBORN BETON “Fake” veröffentlichten – und dann mehr oder weniger in der Versenkung verschwanden, um frei von allen Zwängen und Erwartungshaltungen ganz in aller Ruhe an einem neuen Album zu arbeiten. Das Ergebnis nennt sich “A Worthy Compensation”, ist seit dem 4. September erhältlich und wird, wenn man den Reviews der Kollegen glauben darf, nicht nur von uns als das wahrscheinlich beste Synthie-Pop-Album dieses Jahres gefeiert. Wenn eine Band nach so langer Zeit einen solch großen Wurf abliefert, dann schwellen uns schon mal ein paar Fragen im Gebeiß. Aus diesem Grunde haben wir Stefan Netschio, der Stimme Beborn Betons, anlässlich der Veröffentlichung von “A Worthy Compensation” mal ein paar dieser Fragen gestellt.

Stefan, Michael, Stefan – zunächst mal eine Frage, die sich wohl so mancher Fan und Konsument gestellt haben dürfte: Wo habt Ihr so lange gesteckt? 15 Jahre seit der Veröffentlichung des letzten Albums sind eine ziiiemlich lange Zeit. Noch dazu, wo sich die Musikwelt gefühlt von Jahr zu Jahr schneller dreht.

Seit der Veröffentlichung von „Fake“ hat sich eine Menge getan. In dem Jahr hatten wir 10-jähriges Bühnenjubiläum und passend dazu spielten wir auf den Tag genau unser erstes Konzert in den USA. Genau genommen waren es drei Konzerte. Zwei in New York und eins am Jubiläumstag in Washington D.C.. Diese Mini-Tour, wenn man so will, war für uns eine Art Initialzündung, unsere Aktivitäten auf das Ausland auszuweiten. Es war uns bis dahin gar nicht so recht bewusst, welches Ansehen wir uns ausserhalb Deutschlands bereits erarbeitet hatten. 2002 gingen wir zusammen mit Apoptygma Berzerk auf eine vierwöchige USA Tour, promoteten unsere erste Veröffentlichung in den Staaten und bauten unseren Status weiter aus. Manche Lieder wie z.B. „Another World“ haben dort inzwischen Kultstatus erlangt und werden immer noch gespielt. Wir fischten eigentlich nur noch in internationalen Gewässern und spielten fast nur noch im Ausland. Unser internationales Publikum konnte uns bislang lediglich auf großen deutschen Festivals wie dem WGT sehen und so beschlossen wir, uns zunächst auf das europäische Umland, insbesondere Russland, sowie den nordamerikanischen Kontinent zu fokussieren. In Deutschland wollten wir erst wieder Shows spielen, wenn wir mit neuem Material aufwarten konnten. So begannen wir auch wieder relativ zeitnah, neue Songs zu schreiben. Wir hatten für das kommende Album allerdings unsere Ansprüche sehr hoch gesteckt und uns vorgenommen, uns alle Zeit der Welt zu nehmen, um unsere Vision eines großartigen Albums zu realisieren. Vom Songwriting, über die Produktion, sowie die visuelle Umsetzung, hat es dann doch länger gedauert, als wir gedacht hatten. Aber diesmal sollten Zeit und Geld keine limitierenden Faktoren sein. Wir waren keiner Plattenfirma Rechenschaft schuldig und hatten keine Deadlines zu erfüllen. Also arbeiteten wir so lange an dem Album, bis wir zu 100% zufrieden waren. Diese lange Zeit der Produktionsphase stellt auch eine gewisse Form der Qualitätssicherung dar. Wenn man sich über Jahre hinweg die Faszination der Stücke erhalten kann und der Songs nicht überdrüssig wird, obwohl man sie bestimmt schon abertausende Male gehört hat, dann scheint man da was Gutes erarbeitet zu haben.

Für diejenigen, die jetzt erst die Musik von Beborn Beton entdecken – beschreibt mal Eure Mucke in eigenen Worten.

Wir haben einen großen Teil unser Jugend in den 80ern erlebt und sind mit der Musik dieser Epoche aufgewachsen. Dementsprechend kann man eine gewisse Ästhetik dieser Zeit in unserer Musik wiederfinden. Wir lieben elektronische Klangerzeuger und insbesondere Analogsynthesizer üben auf uns eine ungebrochene Faszination aus. Wenn man sich unser aktuelles Werk anhört, dann wäre unsere Musik wohl am besten als moderner Synthpop mit Hang zur Melancholie zu beschreiben. Teils balladesk, teils tanzbar. Wer weiß, was das nächste Album bringt.

Es heißt, dass Ihr ein kompromissloses Album schaffen wolltet. Was bedeutet das für Euch? Was wären Kompromisse gewesen, auf die Ihr keinen Bock (mehr?) hattet? Und was war der Auslöser für diese Entscheidung? Gewohnte Pfade weiter zu betrampeln wäre sicher die einfachere Variante gewesen.

In erster Linie wollten wir das Album produzieren, ohne uns von irgendwelchen Erwartungen limitieren oder uns von einer Plattenfirma reinreden zu lassen. Wir haben eine konkrete Vision davon, wie Beborn Beton aktuell klingen sollen und wir wollten mit jemandem zusammenarbeiten, der unsere Songs versteht und uns dabei hilft, sie optimal in Szene zu setzen. Es war uns besonders wichtig, auf einem maximal möglichen Level zu arbeiten, das es uns ermöglicht, ein Album aufzunehmen, von dem man noch in zehn Jahren reden wird. Wenn man bedenkt, wie viele Alben man vielleicht noch produzieren wird in seinem Leben… jedes Album kann Dein letztes sein, warum also nicht sich die Zeit nehmen, die es verdient? Wir sind Musiker aus Leidenschaft und müssen nicht davon leben. Vielmehr wollen wir uns verwirklichen und in unserer Musik aufgehen. Wenn das den Nerv des Publikums trifft, dann ist das optimal. Wenn nicht, dann ist das eben schade, aber es hat keinen Einfluss auf unsere Arbeit. Auch wenn der finanzielle Erfolg nicht unser primäres Anliegen ist, so ist es dennoch Balsam für die Seele eines jeden Kreativen, wenn sein Werk eine adäquate Anerkennung erfährt. Und Erfolg, in welchem Sinne auch immer, kannst Du nur haben, wenn Du authentisch bist und Dich nicht verstellst. Zumindest sehen wir das so. Und das ist ja auch der ganze Spaß an der Sache. Andere Leute mit dem zu begeistern, an dem Dein Herz hängt, von dem Du überzeugt bist. Da wir keine finanziellen Interessen verfolgen, können wir uns voll und ganz von unseren Gefühlen leiten lassen. Das ist ein ganz besonderer Luxus.

Um die Jahrtausendwende herum lief der bisherige Vertrag mit Strangeways aus. Warum habt Ihr damals nicht verlängert? Wenn man sich die Historie anguckt, auch im Hinblick auf die Taktrate der Veröffentlichungen, lief es damals doch prima?

Sicherlich lief es mit Strangeways sehr gut, aber als unser Vertrag auslief, hatten wir nichts vorzuweisen, worüber wir mit der Plattenfirma hätten verhandeln können. Daher stellte sich die Frage nach einer Verlängerung nicht. Mittlerweile gibt es Strangeways nicht mehr.

Wann genau habt Ihr mit den Arbeiten für das neue Album begonnen? Manche Stücke auf „A Worthy Compensation“ haben ja schon ein paar Jährchen auf dem Buckel.

Die ersten Songentwürfe und Textpassagen entstanden schätzungsweise Ende 2002 / Anfang 2003. Damals wohnten wir mehrere hundert Kilometer voneinander entfernt und haben uns nicht so häufig gesehen. Die ersten Songs, die wir schrieben waren „She Cried“ und „Terribly Wrong“. Der eine Song war beseelt von den Erlebnissen auf der USA Tour, der andere handelte von dem sich abzeichnenden Ende einer Beziehung. Ich kam an Wochenenden zu Besuch in die Heimat und wir feilten an den Stücken herum. Der dritte Song, der Gestalt annahm, war „Daisy Cutter“. Man mag sich vorstellen, wie viele Inkarnationen und Überarbeitungen diese Songs in den über 10 Jahren ihrer Existenz durchgemacht haben, bis sie ihre endgültige Form fanden.

Wenn man so lange Zeit von der Musikbühne verschwunden gewesen ist wie es bei Euch der Fall war – hat man da Angst, die Fans und Konsumenten könnten einen nach der langen Zeit vergessen haben? Wie geht man damit um? Ist das ein „mal gucken ob sie uns noch kennen“? Oder befreit das erst recht von irgendwelchem selbstauferlegtem Druck?

Natürlich kann man sich nie wirklich sicher sein, wie die Resonanz auf ein Album sein wird und schon gar nicht dann, wenn man längere Zeit kein Material veröffentlicht hat. Druck und Zwänge waren die Dinge, von denen wir uns befreien wollten. Wir wollten uns frei machen von Erwartungen, und sei es von unseren eigenen. Till (Stefan Tillmann, Anm. d. Red.) hatte immer einen Masterplan, zumindest erschien es mir so. Er wusste immer, wann es an der Zeit war, an einem Song weiter zu arbeiten. Songs werden erst dann zu wahrhaft großartigen Werken, wenn der Moment stimmt. Du kannst diese magischen Momente nicht erzwingen. Sie passieren einfach.

Apropos Fans und Vergessen: Ihr seid ja dieses Jahr unter anderem beim Blackfield aufgetreten. Wie war die Resonanz?

Nach dem WGT war das Blackfield Festival das zweite größere Festival, das wir in diesem Jahr gespielt haben. Während das WGT natürlich sehr überregional und international geprägt war, fühlte sich das Blackfield eher wie ein Heimspiel an. Das Wetter war perfekt und die Stimmung einfach super. Man konnte zwar nicht erwarten, dass die neuen Songs, die wir gespielt haben, genauso zünden würden wie die Klassiker, aber wir haben gemerkt, wie sehr das Publikum die neuen Stücke in sich aufgesogen hat. Und bei den Hits ging erwartungsgemäß die Post ab. Ich habe selten erlebt, dass selbst die Fotografen im Pressegraben „Another World“ oder „Im Innern Einer Frau“ mitgesungen haben. Das war ein sehr schönes Gefühl, nach so langer Zeit der Bühnenabstinenz vom Heimpublikum so empfangen zu werden. Das Blackfield war darüber hinaus für mich auch insofern ein wenig besonders, weil meine Eltern zum allerersten Mal im Publikum standen und mit unseren Fans gefeiert haben. Sehr cool.

Ein gewisser Hang zum Perfektionismus ist dem Sound des Albums nicht abzustreiten. Wie lange habt Ihr durchschnittlich ungefähr an einem Titel gefeilt bis Ihr der Meinung wart, nu ist gut? Besteht da irgendwann die Gefahr von einer Art musikalischer Liebhaberei bzw. Kleinteilerei oder anders: Gefahr, sich in Details zu verzetteln? Wenn ja, wie habt Ihr dem entgegen gewirkt?

Wie lange wir im Durchschnitt an jedem Song gearbeitet haben, kann ich gar nicht mehr sagen. Das war durchaus unterschiedlich. Das Grundgerüst eines Stücks inklusive der Vocals war meist nach drei Tagen im Kasten, dann kam noch der Mix hinzu und dann liessen wir die Version meist eine Woche oder länger ruhen, um dann mit frischen Ohren wieder ans Werk zu gehen. Als sich dann nach und nach der Sound des Albums herauskristallisierte, war es nach unserem Dafürhalten notwendig, den Sound des ein oder anderen Tracks anzupassen. Viele Songs haben so mehrere Stadien durchlaufen, wie zum Beispiel „I Believe“ von dem es inzwischen mehrere Versionen gibt, bis wir uns dann für die vorliegende Albumversion entschieden haben. „She Cried“, eines der ersten Stücke wurde auch gegen Ende noch mal einem Makeover unterzogen. Wenn man eine so lange Zeit an einem Album arbeitet, ändern sich natürlicherweise die Hörgewohnheiten oder das zur Verfügung stehende Equipment wurde in Zwischenzeit auf den neuesten Stand gebracht. Solchen Faktoren haben wir Rechnung getragen, damit wir beim Endprodukt mit der bestmöglichen Soundqualität aufwarten konnten. Wir haben uns auch durchaus den Luxus gegönnt, verschiedene Spielarten eines Songs auszuprobieren. Und irgendwann merkt man dann, ob man über’s Ziel hinausgeschossen ist oder eben einen potenziellen Hit produziert hat.

Wie sieht die Arbeitsteilung im Hause Beborn Beton im Jahre 2015 aus?

Die Aufgabenverteilung hat sich eigentlich nicht geändert, was das Songwriting angeht. Wie immer entstehen die Stücke in Gemeinschaftsarbeit, wobei meine Schwerpunkte eher im Bereich Text und Gesang liegen. Das einzige, was sich etwas verändert hat, ist die Präsenz im Studio. Da wir lange Zeit mit der Entwicklung der Songs verbracht haben, hatten wir eine klare Vorstellung, wie die Songs klingen sollten. Früher waren wir für eine gewisse Zeit zu dritt im Studio kaserniert und haben jeden Produktionsschritt gemeinsam durchlebt. Das war diesmal oft logistisch gar nicht machbar, was sich aber schnell als ein enormer Vorteil herausstellte. Es empfiehlt sich, ein Bandmitglied sich unvoreingenommen das Ergebnis einer Session anhören zu lassen, um entsprechende Manöverkritik abrufen zu können.

Foto: Roman Kasperski

Einige Texte dieses Albums wirken sehr persönlich. „Last Day On Earth“ zum Beispiel. Ich musste dieses Jahr mit dem Verlust eines nahen Verwandten fertig werden, kann mich in diesen Text also gut hineinversetzen. Oder „Who Watches The Watchmen“. Das interpretiere ich so, dass eine Beziehung schon mal den Bach hinunter geht, wenn einer der beteiligten psychische Probleme hat, (professionelle) Hilfe aber nicht in Anspruch nimmt. Auch kein unbekanntes Thema. Mit anderen Worten: wie persönlich sind die Texte? Wieviel von Euch steckt da drin?

Die Texte auf „A Worthy Compensation“ sind das Ergebnis verschiedener Abschnitte, seien es Höhen oder Tiefen, der letzten 15 Jahre unseres Lebens. Da gibt es glückliche Momente, die sich z.B. in „She Cried“ wiederfinden, aber auch traurige, wie den Verlust eines geliebten Menschen, der in „Last Day On Earth“ thematisiert wird.
„Who Watches The Watchmen“ ist eine Hommage an die „Watchmen“ Comics von Alan Moore und Dave Gibbons, aus denen wir seit Anfang unserer Karriere immer wieder gerne zitieren. Als dann endlich der Stoff verfilmt wurde, wollten wir dieser Geschichte unbedingt einen Song widmen. Unheimlich an der Sache ist, dass nachdem der Song fertig war, ich mich in genau so einer von Dir beschriebenen Beziehung befand. Freunde sprachen mich darauf an, wie krass sie den Song fänden, der so exakt dieses Beziehungsdrama beschreiben würde. Dabei war das gar nicht unsere Intention. Und deshalb will ich in aller Deutlichkeit betonen, dass dieses Lied keiner uns persönlich bekannten Person gewidmet ist.
Ein anderes Kuriosum ist der Titelsong. Ich begann mit dem Schreiben des Textes 2005, am Anfang einer neuen Liebe, konnte ihn jedoch nicht beenden, da das unvermittelte Ende der Beziehung mir jegliche Kraft und Substanz dazu nahm. Die Musik, die Till dazu bereits geschrieben hatte, war jedoch so stark, dass wir den Song unbedingt auf dem Album haben wollten. Jahr um Jahr verging und auch nachdem Till in der Zwischenzeit die tollen Refrainzeilen geschrieben hatte, konnte ich den Text nicht vollenden. 7 Jahre später traf ich meine alte Liebe wieder und wir fanden wieder zusammen. Der Text schrieb sich danach quasi wie von selbst. Zwar mit einer anderen Wendung, als vorher gedacht, aber die der Geschichte innewohnende Tragik und ihre Auflösung sind ein echter Herzschmelzer. Ganz zum Schluss entstanden die Bridges, die unter anderem die Zeilen enthalten „…it’s got to be forever, we’re headed the same way, a worthy compensation for the price we had to pay…“. Da war der Titel des Liedes gefunden und auch gleichzeitig der Albumtitel, der passend beschreibt, dass das vorliegende Werk für uns die würdige Entschädigung für die lange Zeit kontinuierlicher Arbeit und Ausdauer und die während dieser Zeit erlittenen Verluste und emotionalen Dramen darstellt. Darüber hinaus soll es natürlich auch eine Entschädigung sein für unsere Fans, die so lange geduldig auf dieses Album gewartet haben.

Vom Sound her kann man vermuten, dass besagtes „Who Watches The Watchmen“ das letzte Stück war, das fertig gestellt wurde. Welches war es denn aber tatsächlich? Und welches das erste? Und wieviel Zeit liegt dazwischen?

Der erste Song, den wir bei Olaf im Studio aufgenommen haben, war „She Cried“, der letzte „A Worthy Compensation“. Dazwischen liegen 8 Jahre.

An welchem Punkt der Produktion kam Olaf Wollschläger ins Spiel? Und warum gerade er?

Nachdem wir so um 2006 die meisten Songs geschrieben hatten, haben wir uns nach einem geeigneten Produzenten und Studio umgesehen. Da wir über Olaf von vielen Seiten gute Dinge hörten, haben wir beschlossen, uns mit ihm zu treffen, um zu sehen, ob wir auf einer Wellenlänge lagen und um vielleicht mal einen Song mit ihm probeweise aufzunehmen. Wir haben uns auf Anhieb sehr gut verstanden und nachdem wir mit ihm an dem ersten Song gearbeitet hatten, wussten wir, dass dieses Album etwas besonderes werden würde. Er hat sofort begriffen, wohin die Reise gehen sollte. Mittlerweile ist so etwas wie Freundschaft zwischen uns entstanden und auch die Studiosessions mit ihm waren anders als das, was wir bis dahin kannten. Olaf konnte 12 oder mehr Stunden nonstop an einem Song arbeiten. Dafür gehörte die Bundesliga am Samstag jedoch zum Pflichtprogramm. Bevor man morgens zur Tat schritt, wurden musikalische Neuentdeckungen und No-go’s diskutiert und wenn nachts nach getaner Arbeit noch jemand die Augen offen halten konnte, dann durfte es auch mal ein Horrorstreifen als Betthupferl sein.
Kurzum eine sehr angenehme Arbeitsatmosphäre mit Raum für Witz und Klamauk, aber auch hochkonzentrierte Arbeit auf höchstem Niveau. Wenn man so etwas einmal miterlebt hat, kann man sich mit weniger nicht mehr zufrieden geben.

Wie groß war eigentlich sein Einfluss auf den Sound des Albums? „24/7 Mystery“, das ja zum Beispiel schon in anderer Form auf der Advanced Electronics Vol. 7 zu finden war, klingt noch deutlich anders. Logisch, war ja auch ein Remix, aber im Vergleich zum 2015er Sound auch weniger voluminös.

24/7 Mystery hatten wir gerade frisch aufgenommen und wurden nach einem Compilation-Beitrag gefragt. Deshalb hat Olaf davon einen Remix gefertigt, der auch auf der „Complete“ Edition vertreten ist. Dieser Remix hat aber auch schon einige Jahre auf dem Buckel, so das da auch noch mal Hand angelegt und der Sound aufgefrischt wurde. Olaf hat unseren Songs ein zeitgemäßes Gewand verpasst, ohne jedoch den Retro-Touch, den wir so mögen, ausser Acht zu lassen. Er hat sofort gespürt, wie wir ticken und was uns gefällt und hat unsere Stücke auf ein anderes Level gehoben. Wir wussten von Anfang an, wie unsere Lieder klingen sollten und was wir auf keinen Fall wollten. Nichtsdestotrotz haben wir zusammen viel ausprobiert und herumexperimentiert. Das war uns sehr wichtig, da wir auf keinen Fall gewöhnlich klingen wollten. Und bei Olaf haben wir da offene Türen eingerannt. Der Mann ist ein nicht versiegender Quell von Ideen und wird nie müde, selbst nach stundenlangen Experimenten noch ein weiteres As aus dem Ärmel zu ziehen und noch ein paar Dinge mehr auszuprobieren.

Wie seid Ihr bei Dependent gelandet? Ist das so eine Art „Ruhrpott-Connection-Ding“, weil man „sich da eben kennt“? Ein so klassisches Synthie-Pop-Album wie „A Worthy Compensation“ fällt bei Dependent ja schon ein bisschen aus dem gewohnten Rahmen und hätte theoretisch auch zum Programm von conzoom passen können, die ja auf dieses Genre spezialisiert sind.

Na ja, nur weil man sich im Ruhrpott kennt, muss man ja nicht unbedingt Geschäfte miteinander machen. Allerdings ist eine gewisse lokale Verbundenheit der Sache nicht abträglich. Fakt ist, dass wir mit mehreren Plattenfirmen Kontakt aufgenommen haben und Dependent einfach das beste Angebot gemacht hat. Hinzu kam, dass man sich spontan gut verstanden hat und auch gut miteinander arbeiten kann. Da stecken sehr nette Leute dahinter, die bestrebt sind, hochqualitative, ansprechende Produkte auf den Markt zu bringen und die vor allem auch die Power haben, unser Album optimal zu platzieren.

Foto: Roman Kasperski

Jetzt wo „A Worthy Compensation“ im Kasten ist und zumindest in der internationalen Presse schon mal einen triumphalen Siegeszug feiert (jedenfalls soweit ich das an den bisherigen Reviews beurteilen kann) – wie geht es jetzt weiter? Habt Ihr Pläne, zur alten Veröffentlichungs-Schlagzahl zurückzukehren? Damals in den 1990ern kam ja beinahe jedes Jahr etwas Neues.

Wann wir das nächste Album fertig haben werden? Da machen wir uns jetzt noch keine Gedanken drum. Wir werden erstmal das vorliegende so gut wie möglich promoten und in Kürze auch wieder live präsentieren. Ich glaube aber, mit Sicherheit sagen zu können, dass das nächste Album nicht so lange auf sich warten lassen wird. Wir sind hochmotiviert, haben den für uns optimalen Workflow etabliert, unseren Gerätepark aufgestockt und viel Spaß beim Entwickeln neuer Ideen. Ob da jetzt jedes Jahr ein neues Album bei herauskommen wird, vermag ich nicht zu sagen. Warten wir ab, was die Zukunft bringt.

Nochmals kurz zurück zum Thema Konzerte: wie sieht es denn diesbezüglich aus? Nach den Festivalauftritten wieder Blut geleckt? Können wir künftig mit weiteren Konzerten rechnen, eventuell sogar mit einer Tour?

Wir werden Ende Oktober wieder ein Gastspiel in Moskau geben und im November spielen wir in Deutschland im Rahmen der Electronic Transformers Tour. Für das neue Jahr haben wir uns vorgenommen, neben Festivals wie das M’era Luna, auch eine Tour in Deutschland zu absolvieren. Ausserdem gibt es schon Angebote aus den USA.
Wir sind uns zwar noch nicht ganz im Klaren darüber, wie wir das alles unter einen Hut bringen, aber wir entwickeln gerade ein Live-Konzept, mit dem wir nächstes Jahr die Bühnen der Welt abfackeln werden (im übertragenen Sinne gesprochen).

Die letzten Worte gehören stets der Band. Was möchtet Ihr den Lesern bzw. Euren Hörern noch mitteilen? Vielen Dank an dieser Stelle schon mal von meiner Seite für das Interview und maximale Erfolge für das neue Album!

Wir sind froh, dass das neue Album so gut angenommen wird und möchten allen Radio- und Club-DJs für ihre Unterstützung danken und natürlich unseren Fans, die so geduldig auf dieses Album gewartet haben.

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