Foto: 2K Games

BioShock

Oft genug passiert es, dass ein im Vorfeld von der Fachpresse bis zum geht nicht mehr gehyptes Spiel sich nach Erscheinen als dann doch nicht mehr ganz so toll herausstellt. Ab und an passiert es aber auch, dass ein Spiel die Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern bei weitem überflügelt. Das von Irrational Games entwickelte BioShock ist so ein Kandidat, dem es nicht nur gelingt, sämtliche Erwartungen zu übertreffen, sondern sich gleichzeitig ganz locker als der beste Shooter seit gut und gerne 7 Jahren empfiehlt.

Willkommen in Rapture

Das zunächst mal auffälligste an BioShock ist das frische, unverbrauchte Setting. Hier jagt der Spieler nicht zum gefühlten hundertmillionsten Male die Wehrmacht durch die Normandie. Genauso wenig wie hier abermals kleine grüne Männchen in rauchende graue Masse verwandelt wird. Nein, schon hier unterscheidet sich BioShock sehr wohltuend vom Rest: Angesiedelt in einer fiktiven Stadt, errichtet unter(!) den Wellen des Ozeans, irgendwann Anfang der 60er Jahre. Ein schwerreicher Unternehmer namens Andrew Ryan (der nicht nur die Nemesis der Einwohner jener Siedlung darstellt…) ließ die Rapture getaufte Stadt am Grund des Meeres errichten, um seiner Vision von Wohlstand und Fortschritt zu fröhnen.

Screenshot: 2K Games

Der vom Spieler gesteuerte Charakter Jack wird reichlich unfreiwillig zum Einwohner Raptures: Als einzig überlebender eines Flugzeugabsturz ist der – im wahrsten Sinne des Wortes – Fels in der Brandung ein Leuchtturm, mitten im Ozean, Zugang zu Rapture.

Kaum dass man die Reise in die Tiefe angetreten hat, stellt sich heraus, dass von der kunterbunten Glitterwelt, die Rapture einst dargestellt haben mag, nicht mehr sonderlich viel übrig ist. Das einstmals schicke Interieur im Art Déco Stil ist weitesgehend heruntergekommen, überall herrscht gähnende Leere – und die wenigen verbliebenen Einwohner, auf die der Spieler trifft, sind – gelinde gesagt – nicht mehr so ganz knusprig an der Mütze. Das eifrig eingeworfene ADAM, das neben genetischer Veränderung des Körpers auch für geistigen Verfall sorgt, machte aus einstmal friedliebenden Bürgern, rasende, mordlustige Bestien, die den Neuankömmling nur zu gerne in tausend Stücke zerreissen würden. Und dann ist da ja noch Andrew Ryan himself, der zunächst immer nur über Audiomitteilungen mit dem Spieler in Kontakt tritt – und trotzdem eine ausgemachte Schwäche dafür hat, dem Spieler das Leben so schwer wie nur möglich zu machen.

Screenshot: 2K Games

Big Daddys und Little Sisters

Erfreulicherweise ist der Spieler in dieser feindseligen Welt nicht gänzlich auf sich allein gestellt. Eine der wenigen verbliebenen guten Seelen Raptures, ein Mann namens Atlas, steht mit Rat und Tat zur Seite. Auch wenn die physische Präsenz Atlas abgeht. Eines der zentralen Elemente BioShocks ist die allgegenwärtige Einsamkeit, sieht man von dem Auftauchen der plasmidüberzüchteten Junkies ab, die sich aber durch vom Wahnsinn gezeichnete Monologe schon meist lang vorher ankündigen. Plasmid? Nun, wenn ADAM in anderen Spielen das Mana ist, dann sind wohl die Plasmide und die Gen-Tonika die Fertigkeiten, die der Spieler auf seiner Reise durch Rapture dafür erwirbt.

Das reicht von Klassikern wie verbesserten Fähigkeiten beim Hacken diverser Sicherheitseinrichtungen bis hin zu spannenden Features wie dem Abfeuern von Blitzen aus der Hand – oder dem Loslassen eines Wespenschwarms aus ebenfalls der gleichen Hand. Ohne ADAM und die Plasmide hätte der Spieler wohl auch herzlich wenig Überlebenschancen. Zwar gibt es ein reichhaltiges Waffenarsenal, das sich gelegentlich an dafür vorgesehenen Terminals aufrüsten oder unterwegs mit anderer Munition laden lässt, aber genau an letzterer scheitert es gerne mal: In BioShock empfiehlt sich das Haushalten mit der erbeuteten Munition, denn zugeschüttet wird man damit nicht gerade.

Screenshot: 2K Games

Woher aber das ADAM nehmen? Nun, recht zeitig macht der Spieler Bekanntschaft mit den Little Sister. Ca. 5jährige Mädels, die quasi das ADAM produzieren. Beschützt werden sie von den Big Daddys, hühnenhaften Kreaturen in nostalgischen Taucheranzügen. Um an das ADAM der Little Sisters zu kommen muss also zunächst mal der Big Daddy beseitigt werden, was, je nach gewählten Schwierigkeitsgrad, zu einer echten Herausforderung werden kann. Zumal ein weiterer großer Pluspunkt die clever agierenden Gegner sind. Ist beispielsweise eine Medi-Station in der Nähe kann davon ausgegangen werden, dass angeschlagene Gegner zunächst den Rückzug antreten und dann Gebrauch davon machen werden. Dann und wann gilt es auch, irgendwelchen richtig durchgeknallten Obermotzen den Garaus zu machen. Gerade dabei empfiehlt es sich, die Umgebung (etwa gehackte Überwachungskameras) mit in das Kampfgeschehen einzubeziehen, sonst kann es passieren, dass ganz schnell die Lichter ausgehen.

Bis man das Finale von BioShock erreicht hat, verbringt man für heutige Shooterverhältnisse überdurchschnittlich viel Zeit in Rapture. Und das ist auch gut so. Die unglaublich schicke, mit viel Liebe zum Detail daherkommende Grafik zündet ein Ideenfeuerwerk sondersgleichen. Technisch an der oberen Grenzen dessen, was heutigentags machbar ist, begeistert BioShock durch eine gleichwohl quietschbunte wie auch trübe und heruntergekommene, bislang einzigartige Spielwelt. Dazu dann die exzellente deutsche Sprachausgabe, die durch die 50er Jahre inspirierte Hintergrundbeschallung und fertig ist ein perfekter Trip in eine andere Welt. So sehr man sich auch bemüht, es gibt nichts, was man BioShock vorwerfen könnte. Dieses Spiel macht einfach alles richtig. Den anderswo geäußerten, dezenten Vorwürf, die Spielfigur würde am Ende zu mächtig und sich daher minimale Ermüdungserscheinungen einschleichen, kann ich nicht unterschreiben. Viel mehr reiht sich das perfekt ein in die Welt und die Storyline – schließlich tut der Spieler ja das ganze Spiel über nichts anderes, um sich mit Plasmiden vollzupumpen, um in Rapture zu überleben…

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So genial, wie BioShock Rollenspiel und Shooter in einem atemberaubenden Setting verknüpft, so konstant hoch hier der Spannungsbogen ist und für ein permanentes Gänsehautfeeling gesorgt wird, kann hier nur ein Fazit gezogen werden: BioShock ist das Spiel des Jahres! Und der vermutlich gelungenste Vertreter seines Genres seit Deus Ex – oder wenigstens dem geistigen BioShock-Vorgänger System Shock.

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