Foto: E-Line Media

Beyond Blue

Gehört man zu dem Teil der zockenden Bevölkerung, die sich gerne virtuell auf (oder noch besser: unter) dem Wasser tummeln, ist die Auswahl an entsprechenden Titel ziemlich überschaubar. Möchte man entspannt ein paar Stündchen abtauchen (also im Wortsinn), ohne dabei mit hektischer Action konfrontiert zu werden, braucht es wohl kaum mehr als zwei Hände, um die Zahl der verfügbaren Spiele abzuzählen. Mit Beyond Blue ist kürzlich Nachschub erschienen. Zunächst für Apples hauseigenen Spieledienst Apple Arcade erschienen, werden nun auch PC, PlayStation 4 und die Xbox damit bedacht. Als Seebär, gefangen im Körper einer Landratte, war für mich klar: Die Schwimmflossen zieh ich mir an und tauche mal ab.

Die offizielle Beschreibung des Spiels ist ziemlich knapp gehalten:

Beyond Blue ist ein Erzähl-Adventure für einen Spieler, das dich tief hinab ins blaue Herz unseres Planeten führt.

Beyond Blue spielt in der nahen Zukunft, wo du die Geheimnisse unseres Ozeans als Mirai, eine Tiefseeforscherin, lüftest. Werde Teil eines neuen Forschungsteams, das revolutionäre Technologien nutzt, um den Ozean so eindrücklich wie nie zuvor zu sehen, zu hören und mit ihm zu interagieren.

Ziemlich knapp ist auch das Spiel selbst. Mirais Tauchgänge (und damit ihre Geschichte) hat man das erste Mal nach knapp 4 Stunden hinter sich gebracht. Danach kann man die wunderschön gestalteten, in ihrer Größe aber sehr überschaubaren Areale noch einmal abtauchen und die Meeresbewohner scannen, die einem im ersten Durchgang vielleicht noch durch die Lappen gegangen sind. Ehrlich gesagt habe ich bei diesem Titel, der damit wirbt, von der BBC-Doku „Der blaue Planet 2“ inspiriert worden zu sein, daraus diverse kleine Videoschnipsel beinhaltet und sich am Tun der Ozean erforschenden Nichtregierungsorganisation OceanX orientiert, auch nicht mehr Umfang erwartet. Ich habe das Spiel am Release-Tag bei Steam mitgenommen, dort kostete es rund 17 Euro, was ich angemessen des Umfangs und der wirklich, wirklich schönen Präsentation auch angemessen finde.

Screenshot: E-Line Media

Es hat was von diesen „Wandersimulatoren“ (wie z.B. Firewatch oder Dear Esther), nur dass wir Spielenden hier eben unter Wasser unterwegs sind. Zu tun haben wir hier ähnlich wenig. Durch das unendliche Blau eines Atolls im Südchinesischen Meer zu tauchen, Meeresbewohner (vornehmlich Wale wie Pott-, Buckel- und Schwertwale sowie Schildkröten) zu scannen und damit wissenschaftlich zu erfassen und gelegentlich mittels Sonarbojen Walschulen und ähnliches spotten, damit sich ein weiterer, anzuschwimmender Wegpunkt auftut. Das Spiel ist in Tage (und damit unterschiedliche Tageszeiten unter Wasser) und verschiedene Tiefenzonen eingeteilt. Immer wenn alle Wegpunkte entsprechend abgeklappert sind, wird man automatisch wieder in sein als Habitat dienendes U-Boot verfrachtet, wo mittels Audiogesprächen die eher dünne Handlung weitergesponnen wird. Da diese erklärt, die drei Forscher Mirai, Irina und André würden das Geschehen live streamen, melden sich Mirais Kollegen auch während der Tauchgänge immer mal wieder zu Wort.

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Halten wir zunächst mal die negativen Seiten dieses Spiels fest: Es bietet nur einen schmalen Umfang hinsichtlich der Spieldauer und des Gameplays. Die Handlung, die um Mirai, ihre Schwester Ren sowie die demente Großmutter entworfen wurde und die mit Multiple Choice-Dialogen so etwas wie Entscheidungsfreiheit vorgaukelt, ist leider in ihren verschiedenen Segmenten nicht so gut zusammengefädelt wie es hätte sein können – und leider auch nicht so richtig überzeugend umgesetzt. Genauso wenig wie die Handlungsbrocken rund um Mirais Mitforschenden. Zwar geben sich alle Sprecher – Anna Akana (YouTube), Mira Furlan (Lost, Babylon 5), Hakeem Kae-Kazim (Black Sails, Hotel Ruanda) und Ally Maki (A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando) – wirklich viel Mühe, die Dialoge mit Leben zu füllen und machen dabei auch eine gute Figur. Dennoch wird Beyond Blue nicht wegen der Handlung in Erinnerung bleiben. Leider auch nicht wegen des löblichen Ansatzes, auf die menschengemachten Probleme der Weltmeere aufmerksam zu machen. Würde man an dieser Stelle die Bewertung beenden, dann täte man Beyond Blue allerdings unrecht. Denn dieser spielerische Snack hat durchaus Dinge zu bieten, die je nach persönlichen Interessen und Präferenzen über die genannten und offensichtlichen Defizite hinwegtrösten können.

Screenshot: E-Line Media

Da ist beispielsweise der komplette Look & Feel des Spiels, der mich persönlich hinsichtlich der technischen Ausstattung der Protagonistin an Subnautica denken lässt sowie die – ich wiederhole mich gerne – wunderschöne bis atemberaubende Grafik! Wenn man mit Mirai das erste Mal mittenmang einer Walschule taucht oder gar der Geburt eines Pottwals beiwohnt, dann ist das optisch, technisch und emotional so überzeugend umgesetzt und bietet ein Erlebnis, wie es in der Wirklichkeit wohl nur die wenigsten von uns jemals erleben werden! Gefahren drohen Spielenden während ihrer Tauchgänge in diesem Spiel keine, man kann auch nicht sterben – und doch gibt es Momente in den späteren Abschnitten des Spiels, die durchaus für ein erhöhtes Maß an Spannung sorgen. Um Euch nicht die Überraschung zu nehmen sage ich nur: In völliger Dunkelheit und einigermaßen orientierungslos mal schauen, was so in der Tiefe unterwegs ist…

Screenshot: E-Line Media

Weiterhin gefällt Beyond Blue durch die Musik. Während der Tauchgänge gibt es stimmungsvolle Ambient-Mucke in die Gehörgänge, in den Tauchpausen auf dem U-Boot werden Songs von Miles Davis, The Flaming Lips oder The Edisons gespielt. Das erzeugt zusammen mit der Optik und dem hervorragend eingefangenen und umgesetzten Gefühl, wirklich unter Wasser zu sein, eine ganz besondere Atmosphäre die zumindest mich dazu animiert, immer mal wieder eine Runde im Südchinesischen Meer zu tauchen. Mit Tümmlern zu spielen, staunend um die friedlichen, aber gigantisch großen Pott- und Buckelwale zu tauchen, ihren Gesängen und Klickgeräuschen zu lauschen – das kann durchaus eine sehr große Faszination ausüben, sofern man dafür empfänglich ist. In diesen Momenten wird die Handlung ohnehin nebensächlich.

Screenshot: E-Line Media

Weiterhin punktet das Spiel durch die eingebundenen 16 Minidokumentationen namens „Ocean Insights“, sprich: rund zwei bis zweieinhalb Minuten lange Clips, der Dokumentation „Der blaue Planet 2“ entnommen. Wer die Dokus kennt weiß, dass es dort an spektakulären Aufnahmen nicht mangelt. Schade, dass Beyond Blue hier nur so einen flüchtigen Blick in das Leben unter der Meeresoberfläche gewährt. Wie generell alles nur mal angerissen, aber nie vertieft wird.

Die Tauchausflüge machen Spaß, sind interessant und haben das Potential, so viel Neugier und Interesse zu wecken, um sich näher damit zu beschäftigen – bleiben aber dennoch sehr an der Oberfläche. Die Ozeane sind in Gefahr, das wissen wir inzwischen. Klimawandel, Plastikmüll, Überfischung, Übernutzung und was weiß ich nicht noch alles, was dem blauen Herzen dieses Planeten unentwegt angetan wird – auf diese Probleme macht das Spiel aufmerksam. Oder besser: Möchte es machen. Wie in vielen anderen Teilaspekten bleibt das Spiel dabei jedoch auch hier leider zu sehr an der Oberfläche und damit hinter seinen Möglichkeiten. Schade.

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In Summe ist Beyond Blue ein Spiel verschenkter Möglichkeiten. Viele gute und interessante Ideen, die oftmals nur einen Eindruck davon gewähren, was alles möglich gewesen wäre, hätte man dem Titel mehr Tiefe (sprich: mehr Umfang) angedeihen lassen. Die Geschichte um Mirai und ihre Familie hat Potential, kommt über den Status „schmückendes Beiwerk“ nicht hinaus. Die kurzen „Ocean Insights“-Videoclips sind interessant und spannend anzuschauen, aber zu kurz und zu sehr auf imposante Bilder gepimpt um nachhaltig Wissen zu vermitteln oder das Bewusstsein für die Gefährdung der Ozeane zu schärfen. Das Gameplay ist dünn, was besser zu verkraften wäre, wenn der Ausflug in die Unterwasserwelt länger anhalten würde. Das Scannen und somit erforschen der Meeresbewohner ist nett, dürfte aber gerne noch mehr Informationen vermitteln. Was bleibt, ist ein atmosphärisch und optisch umwerfender, friedlicher Tauchgang der vor allem all denen zu empfehlen ist, die sich entweder für die Themen Ozeane, Erforschung und Schutz selbiger, das Leben darin und/oder Wale interessieren – oooder auf der Suche sind nach einem relaxten Unterwasserspiel. Wer Herausforderungen sucht bzw. Wert auf Gameplay legt, ist nach wie vor mit Subnautica (oder dessen in Entwicklung befindlicher Erweiterung Subnautica: Below Zero) besser bedient. Das Erforschen des Lebens unter Wasser (inklusive Scannen von Meeresbewohnern) wird auch hier geboten, zusätzlich stehen bei Subnautica aber Gefahren sowie Survial-Aspekte auf dem Zettel. Und doch hat mir Beyond Blue großen Spaß gemacht und ich hoffe, der Titel ist erfolgreich genug, damit sich Entwickler E-Line Media motiviert fühlt, Spielerinnen und Spieler erneut unter Wasser zu schicken. Wenn die gigantischen und majestätischen Wale aus dem blauen Dunst auftauchen, dann ist das auch virtuell ein erhabener Moment! Ich persönlich würde gerne noch mehr von der Welt unterhalb der Wellen sehen, alleine schon weil mir im echten Leben die Möglichkeiten dazu fehlen. Und weil auf spielerische Weise ein Verständnis für die Ozeane und deren Wichtigkeit für die Menschheit vermittelt zu bekommen, gewiss keine schlechte Idee ist.

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