Foto: Danse Macabre

Das-Kollektiv.Net – Eichenriegel | Nur durch die dunkle Pforte geht man der Heimat zu

Äh, wie meinen? das-kollektiv.net? Eichenriegel? Böhmische Dörfer? So oder ähnlich dachte ich, als mir die Promo zum aktuellen Werk des (im Nachfolgenden der Einfachheit halber nur noch so genannten) Kollektivs in Haus flatterte. Eine Truppe maskentragender Musiker, die sich einen Spaß daraus machen, ihre Identität zu verbergen und – zumindest im Schaffen für das Kollektiv – ihre Individualität abzulegen. Vertrieben wird das Album über Danse Macabre, die mich in letzter Zeit mit neuen Acts gleichwohl überrascht und begeistert als auch enttäuscht haben. Gespannung lag also demnach in der Luft während des ersten Hördurchgangs von “Eichenriegel” – gefolgt von der Erkenntnis, dass das Electro-Genre, zumindest in den Bereichen die etwas treibender und schneller daherkommen, doch noch nicht an die Monotonie verloren ist.

Das ist für gewöhnlich der Punkt eines Reviews, an dem ich einige Worte zur Band, Bandhistorie und/oder den beteiligten Musikern verliere. Ich würde es im Falle des Kollektivs gerne genauso halten, nur leider hat die Sache einen Haken: Über die Truppe ist nicht viel bekannt. Weder wer sich hinter den sieben Kapuzen- und Maskenmännern verbirgt, noch von wem das Projekt ursprünglich iniziiert wurde. Der die Promo begleitende Pressetext umschreibt das Projekt so: “das-kollektiv.net ist Selbstzweck und Basisdemokratie, Projektionsfläche und Traumnovelle. Das sektenhafte Projekt mit freimaurerischen Zügen bewegt sich im weiten Feld der elektronischen Tanzbarkeit.

Klar soweit? Tun wir das also mal als etwas exzentrische, wenn auch noch nicht ganz so abgelutschte Marketingmaßnahme ab und wenden uns dem eigentlichen Thema zu: Der Musik nämlich. Wie das Kind letztendlich benannt wird und wer sich dahinter verbirgt, interessiert eh nur peripher, wenn Musik in den Äther schallt. Allerdings hat die Masche des Kollektivs auch einen Vorteil: Fernab von irgendwelchem Erwartungdruck kann die Truppe schalten und walten, wie sie lustig ist. Was sie auf ihrem seltsam betitelten Album auch in aller Genüsslichkeit tut.

Das Kollektiv zelebriert hier eine wahre Melange verschiedenster elektronischer Stilrichtungen. Völlig ohne Hemmungen wird auf nur einem Album nahezu all das in ein (über weite Strecken) geschmeidiges Songkleid gesteckt, was aktuell in diesem Bereich für Spaß beim Hörer und Bewegung auf der Tanzfläche sorgt: Synthie-Pop, harsches Geballer, EBM-Gebrülle und manchmal sogar wavige Gitarrenwände. Dazu schnuckelige Texte (Anspieltipp hierzu: “Moment” oder “Was kommt dann?”), immer in deutscher Sprache, manchmal gesungen, manchmal geshoutet, gelegentlich mit gerolltem “R”, das einen gewissen neuzeitlichen Mozart denken lässt.

Eichenriegel” ist ein sehr vielschichtiges und abwechslungsreiches Album geworden, von dem sich hoffentlich der ein oder andere Track in die hiesigen Clubs verirrt. Wer noch etwas mehr Überzeugungsarbeit benötigt: Auf der Webseite des Kollektiv gibt es ein komplettes Album als kostenlosen Download.


Wer auch immer hinter dem Kollektiv stecken mag – es handelt sich dabei auf jeden Fall um Musiker, die ihr Handwerk verstehen. Mit einem untrüglichen Gespür für funktionierende, gefällige Songs und handwerklicher Brillanz liefert die Truppe hier ein Album ab, das mit zwei Tracks (”moment” und “letzter zeuge”) höchstmöglichen Eindruck geschunden und auch insgesamt einen durchweg positiven Eindruck bei mir hinterlassen hat. Die Sache hat nur einen Haken: Bei ihrem nächsten Album haben die Herren(?) nicht mehr den Überraschungseffekt, sondern beim Nachfolger des “Eichenriegels” wird es eine Erwartungshaltung geben. Und diese wird ziemlich hoch sein.


Erscheinungsdatum
18. September 2009
BAND/KÜNSTLER:IN
Das-Kollektiv.Net
ALBUM
Eichenriegel | Nur durch dunkle Pforten geht man der Heimat zu
LABEL
Danse Macabre (Alive)
Unsere Wertung
8
Das-Kollektiv.Net – Eichenriegel | Nur durch die dunkle Pforte geht man der Heimat zu
FAZIT
Wer auch immer hinter dem Kollektiv stecken mag – es handelt sich dabei auf jeden Fall um Musiker, die ihr Handwerk verstehen. Mit einem untrüglichen Gespür für funktionierende, gefällige Songs und handwerklicher Brillanz liefert die Truppe hier ein Album ab, das mit zwei Tracks (”moment” und “letzter zeuge”) höchstmöglichen Eindruck geschunden und auch insgesamt einen durchweg positiven Eindruck bei mir hinterlassen hat.
INHALT/KONZEPT
8.5
TEXTE
8
GESANG
7
PRODUKTION
8.5
UMFANG
7.5
GESAMTEINDRUCK
8.5
Leserwertung0 Bewertungen
0
POSITIV
Cooles Konzept, coolere Mucke!
Viel mehr Abwechslung kann ein Album im Bereich düsterer Elektronik eigentlich kaum bieten.
NEGATIV
8
PUNKTE
Herausgeber

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INHALT/KONZEPT
TEXTE
GESANG
PRODUKTION
UMFANG
GESAMTEINDRUCK
Finale Bewertung

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