Foto: Accession Records

[:SITD:] – Rot

Als die ersten Ankündigungen durch das Netz geisterten, das neue [:SITD:]-Album würde auf den Namen “Rot” getauft konnte man bereits orakeln, dass die Zeichen bei der Gelsenkirchener Electroformation auf Sturm stehen. Man durfte also annehmen, dass die Herren auf ihrem bald erscheinenden Album anstatt eines Kuschelkurses viel mehr einen Elektrosturm entfesseln würden – und tatsächlich: So manchem Hörer wird hier wohl auf höchst unerwartete Weise das Gehör freigepustet werden.

Es stimmte mich zunächst etwas nachdenklich, dass “Rot” mit einem Sample eingeleitet wird, das Electro-Freunde bereits von Nachtmahrs “Katharsis” her kennen. Nur dass es bei [:SITD:] eben in Englisch verwendet wurde. Und da das direkt anschließende Stück nun auch noch auf den Namen “Catharsis (Heal Me, Control Me)” getauft wurde, kam für einen kurzen Moment der Eindruck auf, die Herren von [:SITD:] betrieben ganz schamlosen Ideenklau. Erfreulicherweise enden hiermit aber auch schon die meisten Parallelen zum österreichischen Krachelectro. Aber die Eröffnung des Albums macht es ganz deutlich: Der eher ruhige Kurs von “Bestie: Mensch” musste auf “Rot” weitestgehend einem wesentlich treibenderen, viel wütenderen wirkenden und oftmals mit TBM kokettierenden Sound weichen.

Ein gutes Beispiel dafür ist auch das Titelstück in seiner ersten Version. Es beginnt als forderndes Electrogewitter, ehe sich später der typische [:SITD:]-Sound dazu gesellt mit allem, was man an der Mucke der Band so mag: Carstens flüsternder Sprechsingsang und Toms weitläufige Synthie-Teppiche. Das Ergebnis ist ein frischzellenkurierter Electro-Hammer, der sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in den Clubs dieses Landes festsetzen wird.

Sehr schön auch das zynische “Zodiac”, bei dem sich [:SITD:] inhaltlich einmal mehr eines brisanten Themas annehmen: Durchgeknallten Serienkillern, die sich mit einem Jagdgewehr als Heckenschütze betätigen. Vor allem akustisch ist dieses Stück einer der Songs, bei der sich langjährige [:SITD:]-Fans gehörig umgucken werden. Fast kaum Melodie, dafür aber jede Menge Rhythmus und treibende Beats. Klingt ein wenig so, als hätte ein gewisser Rob D. hier Pate gestanden.

Aber es gibt sie auch auf “Rot” noch, die dem Ohr schmeichelnden und den Hörer einlullenden Electro-Songs mittleren Tempos. Das höchst schnuckelige “Redemption” sei hier genannt, eine von nachhallendem Piano und Toms Gesang getragene Nummer, die an andere Werke [:SITD:]s erinnert. Oder das wohl [:SITD:]-typischste Stück des ganzen Albums, “Frontal”, das sowohl in Inhalt (Hallo Überwachungsstaat!) als auch akustischer Ausgestaltung gewohntes Programm bietet.


Mutig. Das war der erste Gedanke, der mir nach dem ersten Hördurchgang von “Rot” durch den Kopf ging. Mutig, einfach mal das gleiche Sample wie Herr Nachtmahr zu nehmen und den anschließenden Song “Catharsis” zu betiteln. Ob nun Huhn oder Ei zuerst da waren, bleibt wohl auf ewig der Spekulation überlassen. Dezent ungünstig ist es aber dennoch. Mutig auch, wie [:SITD:] ihren Sound modifiziert und sich mit “Rot” ein ganzes Stück weiter in Richtung aggressiver elektronischer Musik bewegt haben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass nicht jeder Fan mit dem neuen Sound einverstanden sein wird. Für mich aber ist “Rot” ein Album, das den oftmals fehlenden Mut zur Lücke beweist. Oder mit anderen Worten: das ein paar Eier in der Hose hat. Gute Arbeit, meine Herren!


Erscheinungsdatum
30. Oktober 2009
BAND/KÜNSTLER:IN
[:SITD:]
ALBUM
Rot
LABEL
Accession Records (Indigo)
Unsere Wertung
7.8
[:SITD:] – Rot
FAZIT
Mutig auch, wie [:SITD:] ihren Sound modifiziert und sich mit “Rot” ein ganzes Stück weiter in Richtung aggressiver elektronischer Musik bewegt haben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass nicht jeder Fan mit dem neuen Sound einverstanden sein wird. Für mich aber ist “Rot” ein Album, das den oftmals fehlenden Mut zur Lücke beweist. Oder mit anderen Worten: das ein paar Eier in der Hose hat.
INHALT/KONZEPT
7
TEXTE
8
GESANG
7
PRODUKTION
9
UMFANG
8
GESAMTEINDRUCK
8
Leserwertung0 Bewertungen
0
POSITIV
Wie gehabt sehr mächtiger und druckvoller Sound.
Insgesamt wirken [:SITD:] hier deutlich aggressiver, ...
NEGATIV
Ob nun Nachtmahrs "Katharsis" zuerst da war oder "Catharsis" von [:SITD:].. darüber wird sich künftig gut streiten lassen.
... was aber womöglich manche Fans abschreckt.
7.8
PUNKTE

Zeen is a next generation WordPress theme. It’s powerful, beautifully designed and comes with everything you need to engage your visitors and increase conversions.