Foto: Jimmy King / Sony Music

David Bowie – ★ [Blackstar] – Preview

Wenn eine Ikone wie David Bowie ein neues Album ankündigt, dann hält die Musikwelt ganz kurz mal den Atem an und wartet gespannt auf das, was der Altmeister dieses Mal aus dem wohl schier unerschöpflichen Fundus seiner Kreativität hervorgeholt haben mag. Am 8. Januar 2016 – also an jenem Tage, an dem Bowie seinen 69. Geburtstag feiert – veröffentlicht er sein inzwischen 27. (!) Studioalbum: ★. Blackstar gesprochen. Einer Einladung Sony Musics folgend haben wir uns das Album bereits am 24. November in einem Berliner Planetarium schon einmal angehört und Euch nachfolgend einen Schwung erster Eindrücke von Bowies neuer Großtat mit nach Hause gebracht.

Es war ruhig geworden um den großen Avantgarde-Künstler der Musikszene. „The Next Day“, Bowies 2013er Rückkehr nach gut 10 Jahren Pause seit dem letzten Album „Reality“ (2003), dürfte inzwischen vielerorts schon wieder verklungen sein. Das Bedürfnis nach Nachschub ist aber noch längst nicht gestillt. Die Durststrecke ist nun fast vorbei. David Bowie hat sich ein Herz gefasst und die Moderne (wieder einmal) mit seinen Wurzeln verknüpft – und zu einer neuen, spannenden Reise eingeladen. Das Reiseziel ist der BlackstarBowie hat Teile seiner Gedankenwelt in ein ungewöhnliches Korsett aus Klang und Gesang gepresst. Und ergänzt das sehr gekonnt mit den heutzutage nutzbaren, visuellen Effekten. Alleine der Name des Albums ist ein Konzept. Eines, das dem aktuellen Zeitgeschehen verhaftet ist? Die Antwort kennt wie so oft nur der Meister selbst. Das Symbol ★ ist der Name: Blackstar. Ein Treibgut an den Gestirnen der Musikrichtungen. Mir fällt es sehr schwer, es wirklich einem speziellen Genre zuzuordnen. Es ist so untypisch für die heutige Zeit, dass es schon wieder absolut typisch für David Bowie ist. Werfen wir doch mal einen Blick auf das, was Euch ab dem 8. Januar erwartet.

Blackstar:
Ein sehr ungewöhnlicher Auftakt, der sich nicht aus der Schwere herausreißen lässt. Ein düsteres, melancholisches Werk, das ab und an von kurzen orchestralen Einschüben aufgebrochen wird, die sich später in Saxofonsolos wandeln. Hauptsächlich trägt das Schlagzeug “Blackstar” über die monumentalen 9:57 Minuten Länge. Diese sperrige Laufzeit braucht das Lied ohne Zweifel aber auch. Schon alleine, um sich als staunender Hörer der vielen musikalischen Eindrücke bewusst werden zu können. Große Opulenz mit dem Hang zur Dramatik. Und nach etwa 5 Minuten durchaus fesselnd.

‘Tis a pity she was a whore:
Wieder das Schlagzeug, wieder das eingestreute Saxofon, aber diesmal von mehr Orgeln begleitet und unterstützt. Für meinen Geschmack drängt sich das Saxofon an einigen Stellen in diesem Stück zu sehr in den Vordergrund. Der Text ist Bowie-typisch frei von Konventionen und Zwängen, kommt aber erst beim genauen Zuhören wirklich an – eben typisch für einen Freigeist des Pop der Gründerjahre.

Lazarus:
Der dritte Song setzt fort, was bisher zu erahnen war: die Lieder werden harmonischer und klarer. Auch hier ist die gleiche Instrumentalisierung dabei, aber das Saxofon ist an dieser Stelle dezenter, dafür kommt eine verzerrte, tragende Gitarre dazu. Hintergründig, kaum zu erkennen, und dennoch sehr passend. Das ist für mich der erste Titel auf den man sich nicht bewusst einlassen mus. Den man sich einfach beim Autofahren einschalten und nach den ersten Minuten etwas langsamer, die Landstrasse durch einen Regenschauer entlangfahrend, anhören kann und sich genießend fragt, was wohl als nächstes kommt.

Sue (or in a season of crime):
Als nächstes tritt ein hektisches Schlagzeug auf den Plan in einem Stück, das sich am Jazz zu orientieren scheint. Dazu erneut dezentes Gitarrenspiel, welches nun zum Rhythmusgeber umfunktioniert wurde. Es wirkt alles sehr aufgeregt, mit einer Ausnahme – David Bowie himself. Er positioniert seine einzigartige Stimme gegen die Instrumente und gewinnt. Ich fühle mich beim Anhören des Songs wie kurz vor dem letzten, dem einen Glas Whisky, das zu viel gewesen sein wird. Den Song gab es schon 2014 auf der Compilation „Nothing Has Changed“ zu hören. „‘Tis a pity she was a whore“ übrigens auch, das war die B-Seite jener Auskopplung.

Girl loves me:
Ein dumpfer, fast dröger Ton ist präsent – sehr präsent. Die Gitarre hat einen neuen Effekt spendiert bekommen und wirft ihren Akkord dem Schlagzeug zu, welches, fast einem Dubstep-Beat gleich, das Rückgrat für diesen Song bildet. Aus dem Brustraum des Titels bahnt sich Mr. Bowies Stimme den Weg durch die Rippenbögen in die Welt.

Dollar days:
Geld zählen ganz in Ruhe – hier ertönt einmal mehr das Saxofon und trägt wunderbar die Ruhe und den Rhythmus in die ersten Zeilen. David Bowies Stimme wirkt auf einmal viel weicher, wenn er einsetzt und diese Ruhe weiterträgt. Der Regen auf der Landstraße könnte nun ruhig wieder einsetzen. Nicht einmal die durch die Scheibenwischer verzerrten Scheinwerfer der entgegenkommenden Wagen könnten jetzt stören. Nur sollte man nicht erwarten, typische Avantgarde hören zu können. Nein, wir sind scheinbar endgültig im Jazz angekommen. Unaufgeregtes Sein in Musik gegossen.

I can´t give everything away:
Mit der Zeile „I can´t give everything away“ beginnt er hier. Aber keine Sorge, Mr. Bowie, Sie haben mir eine unerwartete Reise beschert, die nun mit einem wunderbaren Genremix endet. Zumal: Sie haben der Musikwelt schon Blackstar geschenkt. Bzw. werden dies im Januar 2016 tun. Damit hätten Sie genug hergegeben. Bowies Stimme ist auch hier wieder weicher geworden, die Gitarre schmeichelt sich durch diesen letzten Titel, während das Schlagzeug immer noch in seiner kleinen Dubstep-Welt im Hintergrund etwas hektisch trommelt, aber nie unpassend wirkt.

Auch wenn David Bowie bewusst teils sehr auf atonale Rhythmen und Strukturen setzt, wirkt er mit seiner Stimme in dem Album selbst als das mitunter Atonalste und macht es so wieder auf seine unkonventionelle Art harmonisch. Er hat mit dem Album ★ wieder bewiesen, dass ein Schwimmen mit dem Strom völlig unnötig ist. Und ein Erweitern seines Horizontes oft der beste Weg, sich selbst treu zu bleiben. Wobei der “Thin White Duke” einmal mehr seine Einzigartigkeit, seine Ausnahmestellung in der Musikwelt, dadurch belegt, dass er ohne Schwierigkeiten völlig unterschiedliche Musikrichtungen auf ein Album vereinen kann und nichts störend oder unpassend wirkt. Ein bisschen was aus Bowies musikalischer Vergangenheit. Widersprüchlich und gleichzeitig untrennbar mit aktuellen musikalischen Strömungen vereint. Das macht es spannend und rund. Lasst euch vom 8. Januar an auf die ersten beiden Lieder ein und, ab da, genießt die Reise zu diesem besonderen ★!

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