Foto: Roman Jasiek / AVALOST / Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz

Konzertbericht: Adam is a Girl am 31.01.2014 im Privatclub, Berlin

Eine Review, das schon beinahe einer Liebeserklärung gleicht, die Aufnahme in die Liste unserer 30 liebsten Alben des vergangenen Jahres – Ihr habt es sicherlich inzwischen mitbekommen, dass wir für das Berliner Dark Pop-Projekt Adam is a Girl mächtig viel übrig haben. Als bekannt wurde, dass das Duo am Freitag, den 31. Januar 2014 ihr erstes Konzert überhaupt geben würden, stand für uns fest: Da müssen wir hin, das können wir uns auf gar keinen Fall entgehen lassen! Und so machten wir uns also auf, um einen Abend zu verleben, an den wir ganz Gewiss noch lange gerne zurückdenken werden. Wir haben Euch ein paar Eindrücke mitgebracht. Viel Spaß!

Wind und Wetter sowie der Gott der Staus auf Autobahnen war uns gewogen, sodass wir trotz dichten Verkehrs und kurzzeitigem Herumgeirre gerade noch rechtzeitig in Berlin ankamen. Viel Zeit, um uns über das spontane, kostenlose Upgrade auf ein Superior Hotelzimmer zu freuen, blieb nicht mehr – der Wecker zeigte bereits 19 Uhr. Und auf gar keinen Fall wollten wir zu spät kommen! Schnell die Klamotten abgestellt, Kamera geschnappt und los ging es. Pro-Tipp: Solltet Ihr Euch dereinst auf die Suche nach dem Privatclub machen – das rotleuchtende P an der Hausfassade weist mitnichten auf einen Parkplatz hin. Etwa gegen 19.30 Uhr betraten wir das Etablissement und stellten fest: Huch, das ist ja im Hinblick auf die Größe eine sehr überschaubare Einrichtung hier! Der von uns gerne verwendete Begriff „Wohnzimmer“ trifft es hier ziemlich gut. Neben dem sehr kleinen Eingang befindet sich der Hauptraum mit einer verschwenderisch großen Bar. Mit aufgebauter Bühne bietet der Raum Platz für schätzungsweise 50, 60 Leute. Ein angeschlossener Raucherraum, der nochmal Platz für gut 20 Leute bietet, befindet sich direkt gegenüber der Bar und vervollständigt aufgrund von Einrichtung und Gestaltung das wohlige Gemütlichkeitsgefühl, das der Privatclub sofort auf seine Gäste überträgt.

Roads To Multiverse / Foto: Michael Kanzler / AVALOST

20 Uhr sollte der Anpfiff für die Vorband Roads To Multiverse erfolgen. Wir hatten demnach noch ein bisschen Zeit, eine alte Freundin zu begrüßen, die wir kurzerhand zu Adam is a Girl überzeugen konnten. Und während wir uns an der ersten Flasche Bier des Abends festhielten, trafen wir auch endlich mal Musiker und Produzenten Bodo Kommnick zu einem kurzen Plausch. Man darf wohl davon ausgehen: ohne Bodo wären wir womöglich niemals auf Adam is a Girl aufmerksam geworden. Mit jetzigem Kenntnisstand wäre das ein herber Verlust, das ist mal sicher! Schnatternd ins Gespräch vertieft trafen wir kurz vor Anpfiff für die Vorband auch auf die Helden dieses Abends, Alex und Anja – oder eben Adam is a Girl. Ach Gottchen, die beiden waren so nervös, das man sie am liebsten die ganze Zeit hätte herzen wollen und sagen: alles wird gut, Ihr schafft das schon!

Als Road To Multiverse die Bühne erklommen, war der kleine Salon bereits gut gefüllt. Zwar sind Ölsardinenverhältnisse immer noch etwas anderes, dennoch war der Bereich vor der Bühne und auch der Raucherraum mit neugierigen Gästen pünktlich zu Beginn derart bestückt, dass sich ein „jupp, ist voll hier“-Gefühl ausbreitete. Ich kann mir vorstellen, dass man als junge Band beim ersten Gig ein bisschen mit der Sorge ans Werk geht, „hoffentlich kommt auch jemand“. Sollte das der Fall gewesen sein, war es zum Glück unbegründet. Die hohe Qualität des Debütalbums von Adam is a Girl, „Of Daydreams And Nightmares“ hatte sich offensichtlich schon ein bisschen herumgesprochen. Sehr gut!

Foto: Michael Kanzler / AVALOST

Aber auch die vier Jungs von Roads To Multiverse, die da gerade mit einem eigenwilligen, irgendwie sehr hypnotischen und rein instrumentalen Progressive Rock die Bühne beanspruchten, wussten zu überzeugen. Zwei Gitarren, einen Bass und ein Schlagzeug – mehr brauchten PaulOlliTom und Jakob nicht, um zu überzeugen. Die weitere Entwicklung dieser jungen „Progressive Boigroup“, die sich ansonsten für Mädchens und Biers interessiert, kann man durchaus mal im Auge behalten. Im Verlaufe ihres fast einstündigen Konzerts legten die Jungs ihre anfängliche Zurückhaltung recht schnell ab und rockten beinahe wie die Großen. Wir waren uns hinterher einig: schön, das mal gesehen bzw. gehört zu haben. Besonderen Reiz bezog diese Darbietung durch den Umstand, dass das alles herrlich improvisiert und spontan wirkte.

Foto: Michael Kanzler / AVALOST

Die Zeit zwischen Roads To Multiverse und Adam is a Girl reichte gerade mal zur Be- und Entsorgung eines Biers sowie einer Kippe – dann schon betraten die Helden dieses Abends die Bühne. Immer noch sichtlich nervös erklärte Frontfrau Anja, dass wir es hier mit ihrem Bühnendebüt zu tun hätten. Die Band, zum Start bestehend bestehend aus Anja und Alex sowie Christian (Gitarre), Karl (Schlagzeug) und Sebastian (Bass, Keyboard), eröffnete ihr Set mit „World At Your Feet“. Die anfängliche Nervös der Musiker wurde ziemlich bald von ihrer Freude überstrahlt. Apropos Strahlen: Wenn Anja und Alex keine Ohren gehabt hätten – das Grinsen wäre wohl manchmal rundrum gewesen. Hach! Das ließ die Band nicht nur extrem sympathisch wirken, sondern war auch ansteckend. Wir für unseren Teil hatten während des Konzertes jede Menge Spaß – und sind das eigene Lächeln ebenfalls über die ganze Spieldauer nicht losgeworden.

Foto: Michael Kanzler / AVALOST

Adam is a Girl hatten angekündigt, an diesem Abend insgesamt sieben Musiker auf der Bühne zu sein. Fehlten beim Anpfiff also noch zwei. Tobias und Ivonne, er mit Cello und sie mit Violine, gesellten sich kurzerhand noch hinzu und ließen den streichergeschwängerten Sound, der schon jetzt so etwas wie eine Art Trademarksound der Band ist, lebendig werden. Es schien beinahe so, als wäre die Verstärkung der beiden Profis (beide Live-Musiker unter anderem für Deine Lakaien) so etwas wie eine Stütze gewesen, noch mal eine Schippe draufzulegen und Nervosität gegen angebrachtes Selbstbewusstsein zu tauschen. Im Set befanden sich unter anderem der Knüllersong „Your Silence“ (danke dafür!), das neue, nicht auf dem Debütalbum befindliche „White Rain“, das zu einem Solo für Anja mit Streicherunterstützung wurde oder „Downstream“, welches es beinahe zum Albumstitel geschafft hätte. In jeder Sekunde wurde deutlich, dass sich die Band gut auf diesen Abend vorbereitet hatte – und sichtlich Spaß daran, ihr musikalisches Werk endlich live präsentieren zu können.

Es gab insgesamt zwei Zugabeblöcke. Der erste kam etwas plötzlich. Bin mir sicher, dass das bei den Proben noch anders geplant war. Aber auch dieser leicht verunglückte Start in den Zugabeblock machte das Erlebnis nur noch tollerererer. Eingeleitet wurde es von dem Depeche Mode-Cover „But Not Tonight“. Hier wieder Anja am Klavier, einmal mehr ihre eindrucksvolle Stimme unter Beweis stellend. Da wird wohl so mancher wohliger Schauer über so manchen Rücken gelaufen sein. Abgerundet wurde der Block mit dem hymnischen „All Yours“, bei dem sich Alex in den vorderen Bühnenteil wagte und ein schmetterndes Gitarrenspiel präsentierte. Überhaupt schien es, als wollten alle Beteiligten noch einmal so richtig Gas geben – egal ob Keyboard, Schlagzeug, Cello, Violine, Gitarre und Gesang – die Musiker präsentierten sich hier als Einheit, zu der schlicht festzuhaltend ist: sie können es!

Foto: Michael Kanzler / AVALOST

Die letzte Zugabe war eine weitere Coverversion: „Das Model“ von KraftwerkAnja erklärte hier dem Publikum, dass es aufgefordert sei, mitzusingen. Alles klar, einmal „korrekt!“ zu brüllen war nicht so schwierig, selbst für uns stimmlich gänzlich Unbegabte wie uns. Schön zu sehen, dass Adam is a Girl auch in der Lage sind, mit dem Publikum zu interagieren und es zur Mitarbeit zu bewegen. Nach dem „Model“ war allerdings wirklich Feierabend. Ein viel zu schönes, viel zu kurzes Konzert war somit vorbei. Wir können natürlich nicht für die restlichen Besucher sprechen, aber unsere Reisegruppe war sich einig, hier der Geburtsstunde von einem neuen Stern am Konzerthimmel beigewohnt zu haben. Ein richtig toller Einstand war es, nicht mehr und nicht weniger!

Foto: Michael Kanzler / AVALOST

Im Anschluss standen Adam is a Girl noch für Gespräche bereit und brachten ihre CDs unters Volk, deren Artwork von Anja individuell in Handarbeit gefertigt wurde. Jeder, der einen dieser Silberlinge mitnahm, ist nun im Besitz eines Unikats.

Abschließend: man könnte sich nun hinstellen und kritteln, dass die Beleuchtung alles andere als optimal war. Vor allem für diejenigen, die das Treiben auf der Bühne für die Nachwelt festhalten wollten. Man könnte kritteln, dass das Mikrofon für die Backing Vocals teilweise viel zu leise eingestellt war und auch Anjas Mikro manchmal etwas lauter hätte sein können. Aber ganz ehrlich: man kann es auch lassen. Was Adam is a Girl hier an diesem Abend lieferten, war eine mehr als überzeugende Live-Premiere. Die anfängliche Nervosität, dieser leichte Touch des Improvisierten und die kleinen technischen Mängel machten das Erlebnis sogar nur noch überzeugender – und sympathischer! Als sich das viiiiiieeeeeeel zu kurze Konzert dem Ende näherte, hatten sich Adam Is A Girl gefunden und ließen ihre Gäste vergessen, dass es sich “nur” um ein Bühnendebüt handelte. Wir haben keine Ahnung, wie es mit Adam is a Girl in Sachen Konzerten weitergeht, hoffen aber auf eine sehr baldige Wiederholung. Zudem wünschen wir der Band, dass sie demnächst auch vor größerem Publikum spielen dürfen. Avalosts Fotograf Mick hat es auf seiner Facebookseite sehr treffend formuliert: Absolut hochwertiges Format, ob live oder von der CD. Anjas und Alex’ gute Stimmung sorgt dafür, daß der Funke schnell auf den Zuhörer überspringt. Gänsehautfeeling bei Pianoballaden umrahmt von Violine und Cello, oder reine Neugier bei atmosphärischem Dark-Pop mit Sequenzer, Gitarre und Bass, so ein Konzert hält so manche Gefühlsexplosion parat. Was fehlt in keinem Song? Die zauberhafte Gesangsstimme von Anja, die jedem Song Leben einhaucht.

Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Mehr ist dem nicht hinzuzufügen. Danke, Adam is a Girl für diesen schönen Abend. Wir kommen gerne wieder.


Setlist

  1. World At Your Feet
  2. Wish
  3. Father Time
  4. Your Silence
  5. White Rain
  6. Transit
  7. Daydreams To Nightmare
  8. Downstream

Zugabe 1:

  1. But Not Tonight
  2. Inconvincible
  3. All Yours

Zugabe 2:

  1. Das Model

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