Balkan-Roadtrip, Teil 2: Kurz mal durch Kroatien – Istrien und Zadar

Im Rahmen unseres Balkanroadtrips im Juni 2016 waren wir auch einige Tage in Kroatien, hauptsächlich im nordkroatischen Istrien und in Zadar in Dalmatien.

Istrien

In Istrien wollten wir eine liebe Freundin besuchen, die dort mit ihrer gesamten Sippe ebenfalls im Urlaub war. Und plötzlich finden wir uns nach mehreren Tagen in Österreich und einer tollen Durchfahrt durch die slowenischen Alpen inmitten einer polnischen Großfamilie in Kroatien abends um 22 Uhr am Mittelmeer wieder. Fisch, Bier, Ćevapčići, Freunde, Meer, das Leben ist schön. Ist es das? 

In den 52 Reisezielen für 2017 der New York Times wurde Istrien unlängst als Geheimtip und Urlaubswunderland angepriesen. Wie es dort aussieht, wenn es nicht mehr geheim ist, ist mir allerdings ein Rätsel. Denn durch die politische Lage in der Türkei und Ägypten weichen viele Mittelmeerurlauber auf Spanien und vor allem Kroatien aus, noch dazu ist der Norden durch seine Nähe zu Östereich und Slowenien beliebt bei Reisenden die mit dem Auto oder dem Camper kommen. Wir sind spontan in das kleine Dorf in der Nähe von Poreč gefahren um unsere Freundin zu überraschen und hatten nichts gebucht, denn irgendwo findet sich immer ein Platz für ein Auto und zwei kleine Zelte, dachten wir. 

Nicht in Istrien im Juli. 

Die Zeltplätze, die wir durchtelefoniert hatten (u.a. Zelena und Ulika), kosteten im Durchschnitt 50 € pro Nacht und waren fast ausschließlich für Wohnmobile ausgelegt. Wir schliefen also höchst illegal und wie Kraut und Rüben im Ferienhaus unserer Freunde und wurden natürlich am nächsten Tag vom Eigentümer entfernt.  Und dann fanden wir überraschenderweise doch noch eine Unterkunft im Nachbarort: Einfach eine freundliche Frau auf der Straße mit Händen und Füßen gestikulierend angesprochen und schon ging alles ganz leicht. Selbstredend kostete das kleine Apartment weniger als 50 € pro Nacht. Tatsächlich war das auf unserem gesamten Trip das einzige Mal, dass wir echte Probleme hatten eine Unterkunft zu finden. Mental waren wir schon darauf eingestellt im Auto zu schlafen.

Foto: Mary Schultze / AVALOST

Istrien IST wunderschön. Die Strände sind schön, das Wasser ist wunderbar und die Weinberge (und der Wein!) sind ein Traum. Es ist jedoch ein Ort an dem man seine Reise länger vorher planen sollte und ist auch weniger für spontane Backpacker als für Familien ausgelegt. Wir verbrachten einen wunderbar faulen Tag am Strand mit unseren Freunden und wandten uns danach weiter gen Süden.

Foto: Mary Schultze / AVALOST

Zadar

Wieder zu zweit, wieder auf der Straße. Kroatien hat eine nagelneue Autobahn von Zagreb bis Dubrovnik, auf der man einwandfrei in ein paar Stunden bis ganz nach Süden kommt. Selbstverständlich haben wir sie nicht genommen. Die alte Küstenstraße, die sich um jeden Felsen windet, auf der man meist nur 60 kmh fahren darf und die viel mehr Kilometer hat, war unser Weg und Ziel. Die Landschaft wird karger, die Ausblicke auf Inseln mit für unsere Ohren lustig klingenden Namen (Rab, Pag und mein persönlicher Favorit Krk) sind alles wert und Autofahren macht hier wirklich Spaß. Weiterer Vorteil: Die Küstenstraße ist mautfrei.

Foto: Mary Schultze / AVALOST

Wir fuhren bis Zadar und fanden dort im Nachbarort Biograd na Moru tatsächlich einen bezahlbaren, sauberen und unkomplizierten Zeltplatz (Camp Soline)

Fotos: Mary Schultze / AVALOST

Aber auch hier – Menschen, Menschen, Menschen. Nach einem traumhaften Sonnenuntergang, den wir uns mit 400 anderen teilten, liefen wir ein Stück am Ufer entlang, fanden einen Steg, starrten ins Wasser und in den Himmel, schweigend ins Gespräch vertieft, und an dieser Stelle habe ich verstanden was „Biolumineszenz“ bedeutet: Das Wasser war voller leuchtender kleiner Algen, die geschäftig hin und her schwammen, wie Glühwürmchen direkt unter der Meeresoberfläche. Wunderschön.

Foto: Mary Schultze / AVALOST

Am nächsten Tag besichtigten wir Zadar.  Ein mittelalterlich-mediterranes Städtchen mit dem ein oder anderen modern Twist, wie beispielsweise die Meeresorgel des Architekten Nikola Bašić . Ein komplexes Orgelsystem, bei dem das durch den Wellengang hereintsrömende Wasser Luft durch Orgelpfeifen drückt und eine unwirkliche und hypnothische Geräuschkulisse erzeugt. Durch die vorbeifahrenden Schiffe ändert sich der Wellengang konstant und damit auch die Lautstärke der „Musik“. Es ist schräg und es ist toll. Aber ich möchte nicht hier sein wenn Sturm ist, denn es muss ohrenbetäubend sein. Sonst ist Zadar hübsch, aber nicht herausragend aus anderen Orten Dalmatiens.  Also geht es weiter und nach längerem Abwägen haben wir uns gegen Dubrovnik und Montenegro entschieden und biegen bei Split in Richtung bosnische Grenze ab und fahren nach Mostar.

Foto: Mary Schultze / AVALOST

Fakten

Papiere & Moneten: Kroatien ist Teil der europäischen Union und damit visafrei, ein Reisepass ist ebenfalls nicht notwendig. Zur Einreise genügt ein Personalausweis. Kroatien ist kein Mitglied des Schengener Abkommen, Grenzkontrollen werden also durchgeführt. Der deutsche Führerschein ist normal gültig. Auf den Autobahnen werden Mautgebühren erhoben.

In Kroatien bezhalt man in Kuna und kann problemlos mit EC- und Kreditkarte abheben und in den größeren Orten auch damit bezahlen. In kleinen, weniger touristischen Orten ist Bargeld lieber gesehen.

Wetter: Wir waren im Juli dort und es war fantastisch, aber man darf nicht hitzeempfindlich sein. Wie in fast allen mediterranen Ländern lässt es sich am Meer bei leichter Brise und strahlend blauem Himmel prima aushalten.

Essen / Trinken / Schlafen: Unterkünfte gibt es in allen Varianten, sie sind in den Stoßzeiten allerdings Glückssache und sollten lieber vor der Anreise gebucht werden. Grundsätzlich kann man für unter 50 € ein Doppelzimmer oder ein kleines Ferienapartment bekommen.

In Istrien ist die Küche italienisch beeinflusst, in Dalmatien eher mediterran mit viel Fisch und Meeresfrüchten. Überall bekommt man das kroatische Nationalgericht Ćevapčići, gut gewürzte Hackfleischröllchen. Die vegetarischen Optionen verstecken sich leider oft sehr gut oder sind gar nicht vorhanden, höchstens in Form von Süßspeisen wie Palačinke, der kroatischen Version der österlich-ungarischen Palatschinken. Der kroatische Wein ist hervorragend. Insgesamt ist Essen und Trinken sehr günstig, selbst in den touristischen Orten ist man mit einem Abendessen oft bei unter 15 Euro dabei.

Persönliches Highlight:  Die schräge Meeresorgel in Zadar.

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