Foto: Roman Jasiek / AVALOST / Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz

Affe, Kaffee, Kokosnuss: 14 Tage Bali

Schon seit ich zwanzig war hatte ich davon geträumt nach Bali zu fahren, so kontrovers auch die Urteile über diese Insel sind, die überall gefällt werden. Für die einen ist es gnadenlos überbewertet und viel zu touristisch, für die anderen spiritueller Yoga-Traum und Selbstfindungsinsel und wieder andere sehen Bali als Sport- und Naturparadies. Gerade deswegen hat es uns erst recht gereizt hier her zu fahren – mal selbst nachschauen, was sich hinter all diesen Meinungen verbirgt. Spoiler: Für uns war es nichts davon.

Bali ist traumhaft schön, unfassbar grün, abwechslungsreich und voller Erlebnisse. Gleichzeitig stimmt einen die Insel in vielerlei Hinsicht extrem nachdenklich, da hier gegensätzliche Welten geballt aufeinander prallen. Die Balinesen in ihrer unendlichen Geduld und Freundlichkeit, die zum Teil in der sehr friedlichen Form des Dharma-Hinduismusverwurzelt ist, die vielen Europäer und Australier, die sich hier immer noch wie Kolonialherren aufführen und dem Irrtum verfallen, das die Balinesen sich das gefallen lassen, weil sie so nett sind. Die unfassbare Natur mit ihren Vulkanen, Stränden in allen Farben und endlose Reisfeldern. Die massive Umweltverschmutzung durch den Tourismus und auch die Indonesier selbst, da es kein Müll- und ein kaum vorhandenes Abwassersystem gibt. Das absurde Verkehrssystem im Süden, verglichen mit der unendlichen Ruhe von Amed oder Tulamben im Norden.

Dass es unzählige Blogs, Reiseführer und dergleichen rund um Indonesien allgemein sowie Bali speziell gibt, ist uns bekannt. Ergänzend zu all dem, was Ihr sonst noch im Netz und in gedruckter Form zu diesem Thema finden könnt, möchten wir Euch erzählen, wie wir Bali erlebt haben. Und Euch bei der Gelegenheit auch den ein oder anderen Tipp mit auf den Weg geben. Gerade in einschlägigen Facebook-Gruppen werden immer wieder die gleichen Fragen gestellt, vielleicht können wir Euch mit unserer Artikelsammlung die ein oder andere davon beantworten.

Unsere Highlights

Sanur entwickelte sich mehr durch Zufall zu unserer Homebase. Sanur war schon in den 1960er Jahren ein Urlauberort für holländische Touristen und ist weniger Party- als Familienareal. Viel zu sehen gibt es dort nicht, aber dafür ist es viel ruhiger als in Kuta oder Jimbaran und es ist ein guter Ausgangspunkt für Trips in den kompletten Osten der Insel. Sanur hat einen der wenigen richtig tollen Sandstrände Balis und ein vorgelagertes Riff, so dass man entspannt im Inneren des Riffs im ruhigen Wasser planschen kann – wenn es da ist, denn die Gezeiten sind hier spürbarer als anderswo auf der Insel. Vom Strand aus hat man einen Wahnsinnsblick auf den Gunung Agung und ich liebe Vulkane – ich kann dort stundenlang sitzen und mir den Berg anschauen. Mehr Tipps für Sanur, speziell für die Abendgestaltung, findet Ihr hier.

Übrigens: Wer weiße Sandstrände mit Kokosnusspalmen sucht ist in Bali definitiv falsch und sollte lieber auf die Malediven oder in die Karibik fahren! Es gibt den einen oder anderen schönen Strand, aber das meiste sind schwarze oder graue Schotterstrände vulkanischen Ursprungs, felsig oder wie bei Canggu mit extremer Brandung, die top zum Surfen geeignet ist. Und das ist das tolle – jeder Strand ist anders und man weiß nie was einen erwartet wenn man ans Meer kommt.

Sanur Beach. / Foto: Roman Jasiek / AVALOST Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz

Ubud ist nach wie vor völlig im “Eat Pray Love“-Hype. Der Ort ist seit wenigen Jahren völlig überlaufen und nicht dafür ausgelegt. Der obligatorische Monkey Forrest und der kleine Königspalast sind überfüllt und die Straßen konstant verstopft. Wunderschön ist allerdings die Natur rund um Ubud. Der Ort eignet sich hervorragend als Ausgangspunkt für Ausflüge. Deshalb: Unterkunft etwas außerhalb buchen, Auto oder Roller mieten und ab in die Reisfelder oder ins Yoga Barn.

Ubud. / Foto: Roman Jasiek / AVALOST / Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz

Unser Weg ins UNESCO Weltkulturerbe Jatiluwih führte uns durch Tabanan, wo wir einmal über den Markt spaziert sind. Anschließend haben wir uns über abenteuerliche Straßen die Berge zum Aussichtspunkt über den Reisterrassen hinaufgewunden. Jatiluwih heißt übersetzt „atemberaubend schön“ und so seltsam einem das erstmal anmuten mag (ich meine, es geht immer noch um Reis) – das ist es auch. Die Terrassen ziehen sich über viele Kilometer die vulkanischen Hänge des Gunung Batukaru entlang. Da man auf 800 Metern Höhe ist, steht man gelegentlich in einer niedrig hängenden Wolke, was das ganze noch magischer macht.

Auf dem Rückweg sind wir noch am Bratantempel vorbeigefahren. Mehr über unseren Daytrip ins Landesinnere findet ihr in Kürze hier.

Foto: UNESCO Weltkulturerbe Jatiluwih. / Foto: Roman Jasiek / AVALOST / Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz

Tanah Lot und Bratan, der Meeres- und der Bergtempel, sind DIE Attraktion auf Bali. Beide sind hoffnungslos überlaufen von Touristen aus aller Welt, die hier Busweise ausgeladen werden um fünf Selfies zu machen, über den Rasen zu latschen und wieder zu gehen. Mehr durch Zufall haben wir uns entschlossen Tanah Lot am frühen morgen zu besichtigen und hatten das Tempelareal gegen 8 Uhr morgens fast komplett für uns. Auch das Licht ist um die Zeit sehr besonders und perfekt zum Fotografieren, während es tagsüber eher gleißend ist – und man abends eigentlich gar nichts mehr sieht, weil jeder zum Sonnenuntergang kommt. Unser Fahrer hat uns danach noch die alte Königsstadt Mengwi vorgeschlagen, die wir sonst wahrscheinlich nie gesehen hätten. Komischerweise fällt Mengwi bei den meisten Touren etwas hinten runter, was wir gar nicht verstehen konnten, da auch diese Tempelanlange wunderschön ist. Mehr zu Tanah Lot hier.

Pura Tanah Lot. / Foto: Roman Jasiek / AVALOST / Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz

Tenganan Pegringsingan ist ein Dörfchen im Nordwesten der Insel, das von den Bali Aga bewohnt wird, die sich selbst als Nachfahren der balinesischen Ureinwohner bezeichnen. Hier sieht man noch ein bisschen, wie Bali in vorhinduistischer Zeit gelebt wurde. Mehr dazu in Kürze hier.

Tenganan. / Foto: Roman Jasiek / AVALOST / Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz

Ach Amed! Du winziges Paradies am Nordwestzipfel. Wir sind keine Taucher, aber begeisterte Schnorchler und Amedliegt unmittelbar am Riff in einer kleinen Bucht und ist dadurch sehr geschützt und ruhig. Das Riff geht fast bis ans Ufer, so dass man nur zwei Schritte ins Meer gehen muss um die bunte Fischvielfalt sehen zu können.

Foto: Mary Schultze / AVALOST

Der Gunung Batur – endlich ein Vulkan! Eigentlich war der Plan, den nächtlichen Aufstieg zu wagen um den Sonnenaufgang vom Gipfel zu sehen. Letztendlich sind wir dann doch nur mit dem Auto hochgefahren und auch dort konnten wir leider nicht bleiben. Ich hatte mir beim Schnorcheln eine Ohrenentzündung eingefangen und der Druckunterschied von 0 zu 1300 Meter Höhe hat nicht so gut getan. Gunung heißt übrigens einfach Berg und alle Vulkane Balis können zwar grundsätzlich bestiegen werden, sind aber alle auch aktiv und brechen in unterschiedlichem Umfang regelmäßig aus.

Foto: Mary Schultze / AVALOST

Als Musikwissenschaftlerin sind mir die Gamelanorchester mit ihrem konstanten „bingbongbingbong“ schon im Studium über den Weg gelaufen. Schon immer wollte ich das mal live erleben, so dass wir nicht nein gesagt haben, als uns eine balinesische Theatervorstellung angeboten wurde. Ja, eine Touristenvorführung, aber ehrlich gesagt ist die Staatsoperin Berlin auch eine Touribude und deswegen auch nicht weniger authentisch. Spannend war auch, einem Instrumentenbauer in Tenganan über die Schulter zu schauen. Mehr dazu in Kürze hier.

Und, lohnt es sich?

Bali war meine erste Begegnung mit Massentourismus und es wäre okay, wenn es die einzige bliebe. Ich hab dadurch viel über dieses Phänomen und umweltfreundlicheres Reise nachgedacht, einen ausführlicheren Artikel dazu gibt hier.

Bali war auch unsere erste Begegnung mit der kastenlosen Form des Dharma-Hinduismus, der in seiner entspannten Friedlichkeit dem Buddhismus ähnlich ist. Dieser spezielle Duft der Räucherstäbchen in den kleinen Opfergaben liegt über der ganzen Insel und macht für uns ganz viel vom Bali-Feeling aus. Die Tempel und die Kultur sind wahnsinnig spannend und haben uns die Augen für eine Religion geöffnet, mit der wir bisher eher gar nichts zu tun hatten – und das ausgerechnet im größten muslimischen Land der Welt! Durch die vielen Tempel und Zeremonien lernt man täglich automatisch etwas über die Religion und Kultur und die Balinesen lieben es, einem die Welt zu erklären – ohne einem ihre Weltsicht aufzuzwingen (lerne davon, westliche Welt!).

Die Natur ist atemberaubend und so abwechslungsreich, wüstenartig ganz im Süden, voller Regenwälder und Reisfelder im Landesinneren, Strände in allen Farben und eine abgefahrene Tier- und Pflanzenwelt zu Land und zu Wasser.

Das Bali-Erlebnis ist nicht nur positiv, aber es hat uns nachhaltig beeindruckt und wir können verstehen, dass man sagt, diese Insel verändert einen. Bali hat irgendetwas an sich, was einen dazu bringt sich mit seinem eigenen Selbst auseinander zu setzen. Sei es die Kultur, die Natur oder der Versuch, ein Leben im Einklang mit dem Kosmos und dem Massentourismus unter einen Hut zu bringen – Bali öffnet einem die Augen. Bali, du warst gut zu uns. Ja, es lohnt sich definitiv.

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