Foto: Dependent Records

Chrysalide – Don’t Be Scared, It’s About Life

Es gibt Tage im Leben, da kann Musik fröhlich ausfallen. Dann gibt es welche, wo Mucke gar nicht traurig genug sein kann. Und dann gibt es da noch die Tage, an denen das, was man sich in die Gehörgänge ballert, gar nicht heftig genug sein kann. Für jede Stimmungslage gibt es erfreulicherweise den passenden Soundtrack. Die französischen Newcomer CHRYSALIDE liefern mit ihrem Album “Don’t Be Scared, It’s About Life” die richtige Untermalung für die Momente im Leben, wo es ansonsten vielleicht nur noch eines Funkens bedürfte, um an die Decke zu gehen. Aus welchen Gründen auch immer. Manchmal muss es aber eben Krach sein. Guter Krach, wohlgemerkt.

Akustische Stress- und/oder Aggressionsbewältigung dürfte das französische Trio vermutlich am wenigsten im Sinn gehabt haben, als sie ihr immerhin satte 17 Tracks umfassendes Album zusammenschraubten. Viel mehr ist es das Anliegen der Band, mal einen ungeschönten Blick auf das höchst aktuelle Thema Globalisierung zu werfen – und wie der kleine Mann dabei zwischen die Zahnräder von mächtigen Mühlen gerät, die sich unaufhörlich weiterdrehen. Kompromisslos und ohne Rücksicht auf Verluste. Im Booklet heißt es übrigens auch ganz unmissverständlich: Chrysalide fucks Capitalism, Fascism and Totalirism !!! – schön, wenn Musiker noch eine Mission haben und die ihnen zugeteilte Aufmerksamkeit für mehr nutzen als inhaltsleeres Gefasel.

Kompromisslos und ohne Rücksicht auf Verluste ist auch das Klangbild des Albums zu bezeichnen. Hart, schnell, laut, heftig, deftig – dieses Album ist definitiv nichts für Zartbesaitete, Romantiker und Träumer oder alle, die beispielsweise Combichrist schon für krachig halten. Teilweise sehr schnelle, treibende Beats und Geschrei anstatt Gesang (“Give Me Something Stronger”) wechseln sich mit nicht ganz so harten, dafür ziemlich düsteren Tracks (“Let’s Talk About This During Dinner”) ab. Über weite Strecken gleicht das Album einem Klanggewitter, das spontan und ohne Vorwarnung, vor allem aber ohne Möglichkeit, sich irgendwo unterzustellen, über dem Hörer hereinbricht.

Und doch, zwischen all dem Krach, den dezenten Hip-Hop und Dubstep-Anleihen und den verhaltenen Melodien, brechen auch immer wieder kleine Lichtstrahlen durch den düsteren Klanghorizont. Hier mal eine Spieluhr, da ein kurzes Aufflackern eines himmlischen Chors. An Mandolinen erinnerndes Geklimper findet sich da genauso wieder wie weite, flächige Synthiesounds oder kurze Streicherpassagen. Zwischen all dem Krach, all der Wut und Aggression sind also jede Menge Spielereien versteckt, die aufmerksamen Hörern ein Glänzen in die Augen zaubern. Hier ist mit unheimlich viel Liebe zum Detail an die Arbeit gegangen worden, um einen frickeligen, verschrobenen Sound zu schaffen, der den Hörer herausfordert. Hör mir zu, und hör mir verdammt noch mal genau zu ist hier die unterschwellige Botschaft.

Don’t Be Scared, It’s About Life” ist in Frankreich bereits seit neun Monaten auf dem Markt, bei uns erscheint das Album via Dependent kommenden Freitag. Zumindest als mailorderexklusive 2-CD Limited Edition, die reguläre Fassung kommt am 2.11. in den Handel. In der 14-jährigen Geschichte des Labels ist es übrigens das erste Mal, dass nachträglich ein Album lizensiert wird, um es in Deutschland zu vertreiben. Ganz offensichtlich sind die Herrschaften bei Dependent sehr von diesem Album überzeugt. Und das zu Recht! Denkt Euch an dieser Stelle einfach noch einen ganzen Schwall an Superlativen, mit denen sich dieses Album schmücken ließe. Wir kürzen die Sache nun folgendermaßen ab: An Tagen, an denen so richtige “Arsch ab”-Stimmung herrscht, empfiehlt sich der Konsum dieses Meisterwerks. Danach ist es schon wieder besser.


Meine Güte, was für ein Brett! Mir klingeln jetzt noch die Ohren. Nach dem ganzen Möchtegern-Industrial der letzten Zeit liefern Chrysalide hier ein Album, das den Begriff auch tatsächlich verdient. Roh, ungestüm, brachial, deftig – um nur ein paar Attribute zu nennen, die mir zu diesem Album einfallen. Nicht mehr und nicht weniger als ein knapp fünfzigminütiges Audio-Inferno, das ähnlich gelagerte Bands wie Skinny Puppy, Nin Kuji und Co. fast wie Schulchöre wirken lässt. Ein Befreiungsschlag für’s Gemüt an immer wieder stattfindenden “fickt-euch-doch-alle”-Tagen, akustische Stressbewältigung quasi, und nebenbei das Industrialalbum des Jahres.


Erscheinungsdatum
2. November 2012
BAND/KÜNSTLER
Chrysalide
ALBUM
Don’t Be Scared, It’s About Life
LABEL
Dependent
Unsere Wertung
8
Chrysalide – Don’t Be Scared, It’s About Life
FAZIT
Roh, ungestüm, brachial, deftig – um nur ein paar Attribute zu nennen, die mir zu diesem Album einfallen. Nicht mehr und nicht weniger als ein knapp fünfzigminütiges Audio-Inferno, das ähnlich gelagerte Bands wie Skinny Puppy, Nin Kuji und Co. fast wie Schulchöre wirken lässt. Ein Befreiungsschlag für’s Gemüt an immer wieder stattfindenden “fickt-euch-doch-alle”-Tagen, akustische Stressbewältigung quasi, und nebenbei das Industrialalbum des Jahres.
INHALT/KONZEPT
8
TEXTE
8.5
GESANG
7
PRODUKTION
9
UMFANG
7
GESAMTEINDRUCK
8.5
Leserwertung0 Bewertungen
0
POSITIV
Unfassbar brachial, gleichzeitig aber auch voller detailverliebter Klangspielereien.
Nicht weniger als DAS Industrialbrett des Jahres!
NEGATIV
8
PUNKTE

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