Foto: Daniela Fischer Photoart

She Hates Emotion – Melancholic Maniac

Aus der Reihe „Dinge, die mich nicht wirklich überraschen“ gibt es heute: Chris Pohl macht ein Album im Sound der 80er. Wer den Mann und sein Tun (nicht nur bei seinem Hauptprojekt Blutengel) aufmerksam verfolgt, für die oder den war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis so etwas mal kommt. Ich meine, die Zeichen dafür waren über all die Jahre deutlich zu sehen. Zunächst in Form vereinzelter Coverversionen. Man denke nur zurück an „Cry Little Sister“ von der „The Oxidising Angel“ EP (2005), „Don’t Go“ mit seinem Projekt Terminal Choice (2006) oder auch die The Cure-Coverversion von „Boys Don’t Cry“ (2004), ebenfalls unter Terminal Choice veröffentlicht. Zuletzt wurden die Anzeichen etwas konkreter. Die „Demons of the Past“-EP, die das Album „Un:Gott“ von Blutengel begleitete, beinhaltete diverse Coversongs aus dem schillerndsten Jahrzehnt der Pop-Musik, die selbst dann als sehr gelungen angesehen werden sollten, wenn man Herrn Pohl und seinem Treiben sonst nix abgewinnen kann. „Send Me An Angel“, „Here Comes The Rain Again“ oder „Wonderful Life“ – allesamt großartige Coversongs. Das nur als kurzer Exkurs, warum wir nun also hier sitzen und uns über „Melancholic Maniac“ unterhalten, dem ersten Album von She Hates Emotion – dem neuesten Projekt aus dem Hause Pohl. Komplett im Soundgewand der 1980er, aber ohne Coversongs – und doch mit so vielen Reminiszenzen, dass es eine wahre Freude sein kann!

Mal unter uns, Freunde – für einen Typen, der mal mit Terminal Choice Songs wie „Der schwarze Mann“ gemacht hat, das vor allem wegen der verwendeten Samples ziemlich drastisch ist, oder auch solche Perlen wie „Collective Suicide“, ist er im Herzen doch eigentlich offenbar ein ziemlicher Popper, dieser Chris Pohl. Das hat sich auf den letzten Alben von Blutengel irgendwie so herauskristallisiert und findet nun mit She Hates Emotion bzw. dem vorliegenden Album „Melancholic Maniac“ seine Bestätigung. Das mag dem Fortschreiten der Zeit geschuldet sein, schließlich macht diese auch vor Chris Pohl nicht halt, ist aber in jedem Fall nichts schlimmes – schließlich schlägt dieses besagte Herz offenkundig für den Sound der 80er Jahre des letzten Jahrtausends. Und wir würden viele Bands heute nicht haben, ja nicht feiern können, wenn dieses Jahrzehnt nicht stattgefunden hätte!

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Populärstes Beispiel für Synthesizer-basierende Mucke dürfte wohl Depeche Mode sein, doch gibt es noch so viele mehr. Es ist vermutlich nur ein Trugschluss, dennoch kommt es mir so vor, als seien die 80er das Jahrzehnt mit der höchsten Dichte an musikalischen Eintagsfliegen gewesen, die trotzdem der Musikwelt ihren Stempel aufgedrückt haben. Beziehungsweise auch von Bands, die so ein paar vereinzelte Hits hatten, die auch heute noch auf jeder Dorfdisko rauf- und runtergedudelt werden, deren Gesamtwerk ansonsten aber eher überschaubar ausgefallen ist. Und da reicht ein Blick auf die Tracklist einer beliebigen 80er-Jahre-Compilation, um sich entsprechende Beispiele herauszupicken.

Um das zwischendurch schon mal in einem Satz festgehalten zu haben: „Melancholic Maniac“ ist ein kleines Freudenfest für alle, die sich immer wieder gerne diese besagten One-Hit-Wonder zu Gemüte führen. Zu denen zähle ich mich übrigens auch.

Foto: Daniela Fischer Photoart

Wie weiter oben schon erwähnt: Entgegen früherer Taten verzichtet Chris Pohl bei seinem neuen Solo-Projekt gänzlich auf Coversongs. Und dennoch wird Euch ein ums andere mal ein merkwürdiges, mitunter wohliges Gefühl von Vertrautheit einholen. So ein “ey, das kenn ich doch!”-Moment. Und das ungefähr zwölf Mal pro Durchlauf. „Melancholic Maniac“ steckt so voller Anspielungen und musikalischer Zitate, dass man beinahe ein Trinkspiel daraus machen könnte wenn es darum geht zu erraten, welches Vorbild im gerade laufenden der insgesamt 12 Songs gehuldigt wurde – oder verwurstet (je nach persönlicher Einstellung). Erinnert nicht beispielsweise „The Final Dance“ mit seinen Synthieläufen sehr an „Nobody’s Diary“ von Yazoo? Oder das Ohoohoho von „See The Light“ an „Self Control“ von Laura Branigan? Ist nicht „Lieben“ zumindest am Anfang original DAF? Das Spiel ließe sich noch eine Weile so fortsetzen.

Chris Pohl macht auch gar keinen Hehl aus seiner… na.. nennen wir es „Ideenfindung“: „‚See the light‘ hat für mich wirklich 80er Jahre Flair! Das „ohoho“, wie man es auch ähnlich von Laura Branigans „Self Control“ kennt, die Synth Hookline…. Ein Ohrwurm, der, wie ich finde, auch Blutengel Fans nicht abschrecken wird!“, sagt er. Ich fürchte aber, dass es bei She Hates Emotion wieder so sein, wie üblich und sich die Hörer in zwei Lager teilen werden: Die einen werden sich charmant an die 80er zurückerinnert fühlen, an die Zeiten als Pop-Musik die nächste große Stufe erklomm – und die anderen werden es als ideenloses Herumwildern abtun, alleine schon weil Chris Pohl dafür verantwortlich ist.

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Über den textlichen Inhalt sagt Chris: „Die Lieder handeln viel von der Angst, verlassen zu werden oder von Einsamkeit im Allgemeinen, von Liebe und Tod“ – und ganz unter uns: Mir sind die eher dünnen Texte auf dieser Platte vollkommen egal. Sie sind so dermaßen generisch, dass sie ins eine Ohr hinein gehen, aus dem anderen wieder hinaus und zwischendrin nichts so sehr meine Aufmerksamkeit erregt hätte, als dass ich mich näher damit beschäftigen wollte. Und ebenfalls ganz unter uns: Ich glaube beinahe, dem Chris geht es ähnlich. Allerdings ist das auch alles irgendwie nur konsequent, schließlich würden viele der hier musikalisch zitierten Songs keinen Blumentopf für die ausgefeiltesten Lyrics gewinnen. Es geht hier um die Form, nicht um den Inhalt! So gesehen passen die Texte gut zum musikalischen Rahmen. Weiterhin werde ich auch das Gefühl nicht los, dass der pseudo-düstere Ton der Texte angedacht ist, um die Blutengel-Fans ebenfalls abzuholen. Das geht meines Erachtens in Ordnung, schließlich blickt man auch hier auf über 20 Jahre durchaus fleißiger Arbeit zurück. Der Vorteil dieses neuerlichen Nebenprojekts könnte sein, dass Chris Pohl seine Vorliebe für die Mucke der 80er Jahre fortan hier auslebt und Blutengel sich wieder nur noch dem Düster-Pop verschreibt. Denkbar wäre das jedenfalls. Und was nun den Titel von Projekt und Album angeht – bin mir nicht sicher, ob da nicht irgendwas vertauscht wurde…


Ist „Melancholic Maniac“ ein gutes Album? Das hängt davon ab, was man davon erwartet. Ist man sich der Tatsache bewusst, dass Chris Pohl sich hier unverblümt am Sound diverser Klassiker der 80er Jahre bedient – teilweise nahezu 1:1 – und kann der Idee, daraus neue Songs mit dem gleichen Spirit entstehen zu lassen, etwas abgewinnen, kann man mit dem Debüt von She Hates Emotion viel Spaß haben. Ich bin mir sicher, dass sich die Songs dieses Albums bestens in die Playlist einer 80er-Jahre-Party schmuggeln lassen, ohne dass die Tanzflächenteilnehmerinnen und -teilnehmer davon irgendwas bemerken würden. Was durchaus als Kompliment an die Fingerfertigkeit von Herrn Pohl zu verstehen ist, die 80er musikalisch auferstehen zu lassen, ohne gleich wieder einen Coversong rauszuhauen. Ich mag Blutengels „Demons of the Past“ sehr, sehr gerne und bin über „Melancholic Maniac“ unterm Strich ziemlich erfreut. Den Zeitgeist der 80er Jahre hat er gut in neue Songs gesteckt, die vielen Zitate empfinde ich als respektvolle Verbeugung den Originalen gegenüber. Mir persönlich macht dieses Debüt von She Hates Emotion Spaß, mehr habe ich nicht erwartet. Aber eben auch nicht weniger.


Erscheinungsdatum
15. Mai 2020
BAND/KÜNSTLER
She Hates Emotion
Album
Melancholic Maniac
LABEL
Out Of Line
Unsere Wertung
7.6
She Hates Emotion – Melancholic Maniac
FAZIT
Ist „Melancholic Maniac“ ein gutes Album? Das hängt davon ab, was man davon erwartet. Ist man sich der Tatsache bewusst, dass Chris Pohl sich hier unverblümt am Sound diverser Klassiker der 80er Jahre bedient - teilweise nahezu 1:1 - und kann der Idee, daraus neue Songs mit dem gleichen Spirit entstehen zu lassen, etwas abgewinnen, kann man mit dem Debüt von She Hates Emotion viel Spaß haben.
INHALT/KONZEPT
8
TEXTE
5.5
GESANG
7
PRODUKTION
9
UMFANG
8
GESAMTEINDRUCK
8
Leserwertung0 Bewertungen
0
POSITIV
Die 80er erwachen zu neuem Leben - und das ohne wieder einen Coversong machen zu müssen!
Durchaus unterhaltsames Nebenprojekt von Chris Pohl.
NEGATIV
Die Texte sind erschreckend dünn und belanglos - da wäre auch bei einem Vorhaben wie diesem sicher mehr drin gewesen.
7.6
PUNKTE

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